02.04.2008 - 15:00 Uhr

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Filmkolumne (VIII): Und was passiert, wenn alles vorbei ist?

Text: nadine-gottmann

Nadine erzählt in acht Folgen von einem Projekt, aus dem nach eineinhalb Jahren ein echter Film wurde. In der letzten Folge berichtet sie von geheimnisvollen Belegen, einem zornigen Cuttter und dem großen schwarzen Loch, in das sie nach dem Dreh gefallen ist

1. In das schwarze Loch fallen "Macht euch keine Sorgen", hat Moritz, unser erfahrener Kameramann an dem Tag gesagt, an dem die Beleuchter sauer waren, weil wir zu lange gedreht hatten, und alle müde waren, "am letzten Abend werden sich alle in den Armen liegen und sagen, das sei der beste Dreh gewesen, bei dem sie je waren. Denn das macht man immer." Und Moritz behielt Recht. Am letzten Tag lagen wir uns alle in den Armen und bestätigten einander, dass das der beste Dreh gewesen sei, bei dem wir je waren und danach tanzten die Jungs an der Pole Cat Teleskopstange, an der wir sonst die Lampen aufgebaut hatten.
Beim Nachdreh gabs dann noch einen Banküberfall (wir haben kein Geld geklaut) Filmteams, die auseinander gehen, sagen einander nie, "Schreib mir doch mal!" so wie die Kinder im Ferienlager oder "Ich ruf dich an", wie der Sportstudent nach dem verpatzten Date. Man wächst zwar an einem Filmset, besonders weil man irgendwie keinen Kontakt zur Außenwelt hat, viel schneller zusammen als im normalen Leben, ist aber als Filmemacher schon daran gewöhnt, dass danach jeder zum nächsten Dreh geht, sich in ein neues Set einlebt, sich in die neue Kostümfrau verliebt und am Ende wieder sagen wird, das sei der beste Dreh gewesen, bei dem er je war. Und dabei wird er nicht mal lügen. Nur Sebastian, Ralf und ich sind daran noch nicht gewöhnt. Wir fallen in das obligatorische schwarze Loch, weil wir finden, dass das auch dazu gehört. Denn nach dem Dreh ist die tolle Zeit vorbei, in der sich irgendwie jeder für unsere Meinung interessierte. "Wann bin ich denn jetzt wieder wichtig?" habe ich Sebastian auf der Abschlussparty gefragt. "Auf deiner Hochzeit wahrscheinlich", hat Sebastian gesagt. Das klang grauenvoll. Und doch ist im schwarzen Loch rumhängen jetzt keine besonders gute Idee, denn ein Film ist nach dem Dreh nicht fertig. Jean-Jacques Annaud ließ für die Verfilmung von "L’Amant" 150 km Film durch die Kamera laufen- so schlimm ist es bei uns nicht, wir haben 1350 Meter, also sieben Stunden. Aber auch die wollen in die richtige Reihenfolge gebracht und zu einem Film zusammengebastelt werden. 2. Den Cutter zur Weißglut bringen Einen Cutter haben wir über die Plattform crew-united gefunden. Er hat Big Brother 7 geschnitten. Nicht gerade meine Lieblingssendung, aber wir waren ja auch immer bereit, unsere Seele zu verkaufen, wenn es notwendig war. Und Aron verkauft seine Seele ganz schön teuer! Er hat einen eigenen Schnittplatz bei sich zu Hause und er verflucht uns schon nach ein paar Tagen. Wir hätten ihm ja gesagt, dass wir ein paar Klappen vergessen hätten, aber unter "ein paar" stelle man sich drei oder vier und nicht hundert vor. Wenn man die Kamera ausschaltet, bevor geklappt wird, dann ist es beinahe unmöglich, den separat aufgezeichneten Ton synchron an das Bild anzulegen, dann muss der Cutter ihn auf die Lippenbewegungen der Schauspieler abstimmen und das macht wirklich keinen Spaß. Leider haben wir die Kamera ziemlich oft zu früh ausgeschaltet. Das war wie so ein Reflex, da wir bei jedem Meter Film, der durchlief, dachten, wir wären in diesem Moment pleite.
...und einen Dreh im Casino (wir haben kein Geld gewonnen) 3. Pleite sein A propos pleite, wir sind pleite. Unsere Kalkulation ist leider nicht so ganz zutreffend und zu allem Übel wird auch die Hoffnung, dass die Equipment-Versicherung uns vergessen hat, enttäuscht, als eines Tages die verspätete Rechnung ins Haus flattert. Das führt dazu, dass Sebastian ein Wochenende damit verbringt, neben seinem Vater am Computer zu sitzen und ihm Beträge zwischen 19 Cent und 4500 Euro vorzulesen, die dieser in eine große Tabelle einträgt: Modellgips 2,39€ REWE-Tragetasche 0,10€ Verteiler-Baldachin 1,98€ Zellkautschuk-Belag 7,23€ 20 Servietten Oriental 2,50€ Langnese Nogger 1,00 € Was sind das alles für Sachen? Wer soll das bezahlen? oder besser gesagt: Wer hat das bezahlt? Denn die Quittung belegt ja, dass es bezahlt wurde. Plötzlich freuen wir uns über die Mehrwertsteuererhöhung im letzten Jahr, weil Sebastians Firma am Ende von allem, was wir gekauft haben, 19 Prozent zurückbekommt. Außer von dem Langnese Nogger. Unser Nachdreh kann also vielleicht doch irgendwie finanziert werden. 4. Seinen Trailer in einer Kausalkette präsentieren Endlich ist unser erster Trailer fertig. Da Sebastian sowieso innerhalb einer Uni-Filmreihe einen Film vorstellt, beschließen wir, als kleines Zusatzschmankerl unseren Trailer zu zeigen. Wir wollen tosenden Beifall! Da der Trailercutter und ich den Zug verpassen, können wir den Trailer erst nach dem Film präsentieren. Da der Film blöd ist, gehen die meisten währenddessen. Da der Abspann so lang ist, gehen auch die übrigen Leute. Da nur noch Sebastian und ich und der Junge, der den Filmkeller abschließen muss, da geblieben sind, sehen wir uns den Trailer eben alleine an. Da der Junge, der den Filmkeller abschließen muss, irgendwas rumkrustelt und Sebastian und ich den Trailer toll finden, hat er hundert Prozent der anwesenden Trailerbesucher überzeugt. Tosender Beifall! Regel 8: Zur ersten Präsentation des Trailers nicht zu kritisches Publikum einladen!
(Das ist er - unser Trailer) 5. Überlegen, wie es weitergehen soll Wenn alles nach Plan läuft, ist "Ayuda" Ende Sommer fertig. Dann sind zwei Jahre vergangen seit dem Tag, an dem wir beschlossen, es wirklich durchzuziehen. Wir sind bereits jetzt stolz auf die Arbeit von uns und allen Beteiligten, aber auch der Meinung, dass es bei diesem Film nicht nur um die Erfahrung ging, die man immer vorschiebt. Uns ist nicht egal, ob der Film blöd ist, wir aber so wahnsinnig viel gelernt haben. Wir wollen, dass möglichst viele Leute den Film sehen und gut finden. Dafür werden wir versuchen, ihn auf Festivals zu präsentieren, vielleicht gewinnen wir ja einen Preis, vielleicht entdeckt ihn ja ein Verleiher oder wir müssen eben Kinos auftreiben, die ihn zeigen und unsere DVDs selber brennen. Wir träumen da ein bisschen und vielleicht klingt das auch utopisch. Aber eigentlich hat uns "Ayuda" genau das beigebracht: Dass es am Ende eben alles doch irgendwie klappt. Wir geben euch dann Bescheid. Sebastian, ich und Ralf werden beim nächsten Dreh jedenfalls nicht sagen, das sei der schönste, bei dem wir je waren. Unseren schönsten haben wir nämlich schon gehabt.


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gammelfleisch
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 15:12 Uhr
gammelfleisch

ich will den film unbedingt sehen. im kino oder auf dvd. egal wie.

soeren_preibusch
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 17:17 Uhr
soeren_preibusch

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Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 18:27 Uhr
Digital_Data

In Landshut z.B. gibt es das Kinoptikum ein kleines Programmkino, dass ausgewählte Filme zeigt: http://www.kinoptikum.de/index.php
Ich denke für Euren Film sind diese Art von Kinos der ideale Start. Versucht es dort einfach mal oder fragt zumindest nach, es gibt da auch eine Art Verband, damit man dann an andere Programmkinos rankommt.

Digital_Data

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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 18:50 Uhr
Digital_Data

War der Cutter einer der Eure Anweisungen ausführte oder hat er eigenverantwortlich den Film geschnitten ?

Zum Thema Klappe. Man gewöhnt sich beim Film am besten eine Kausalkette an, bei der jeder erst anwortet, wenn der Vorgänger seine Arbeit ausgeführt und verbal bestätigt hat. Bei uns lief das so.

1. Kameramann: "Kamera läuft"
2. Tonmann: "Ton läuft, Index 7"
3. Klappe: "2. Szene, die 3."
4. Regisseur: "Action !"
5. Schauspieler beginnen

Der Regisseur ruft nur "Action", wenn er vorher "Klappe" hört, die Klappe macht das erst, wenn Sie vor her "Ton läuft" hört etc. Bei uns war die Reihenfolge etwas anders, weil wir digital drehten und damit beim Film auch Ton mit bei ist und so die Ton-Nummer des digitalen Aufnahmegerätes durch die Ansage des Tonmannes auch immer beim Bild mit dabei war. Bei uns hat übrigens der Tonmann entschieden wann es los ging, da es ein historiischer Film von 1410 war und alles neumodische (Motorräder, Flugzeuge, Krankenwagen, Feuerwehren und selbst Kirchenglocken) nicht paßten und so vermieden werden mußten. Das hat uns fast umgebracht ;-).

Digital_Data

amplifythegoodtimes
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 19:12 Uhr
amplifythegoodtimes

Schön. "Wenn ich auch fühle, es muß ja Lüge sein, ich lüge auch und bin dein", habt ihr da sicher gesungen. Nicht.

nadine-gottmann
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02.04.2008 - 19:26 Uhr
nadine-gottmann

@Digi: Ja, uns ist das ja auch nur ständig bei Schlussklappe passiert. Da denkt man halt irgendwie, man wäre fertig und schaltet aus, bevor die Materialassistentin ins Bild gehüpft ist, hehe.

Begunje62
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 20:02 Uhr
Begunje62

schade dass das die letzte folge war. super geschrieben, diese kolumne!

und film muss natuerlich angesehen werden!

better_dressed
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 22:30 Uhr
better_dressed

ich mag den trailer, vor allem die musik, die nicht zu viel verratenden bilder all das, das macht spannung.

laßt den film nach magdeburg kommen, wenn ihr berühmt seid :)

amendederwelt
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 23:06 Uhr
amendederwelt

Der Trailer sieht klasse aus. Gibts schon Termine und Städte?

RedMorpheus
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2008 - 23:48 Uhr
RedMorpheus

Ich war heute beim Cutter, er ist wieder guter Dinge :) Wir kommen recht gut voran im Schnitt, der Plan sieht wie folgt aus:
Fertigstellung im Sommer, dann Versuch der Festivalplatzierung irgendwo, denn Festivals sind wichtig, um dem Film einen Startschub zu geben, sagen zumindest alle.

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