Ökomode am Glockenbach
Ab Samstag will Brigitte umweltbewussten Münchner greenfashion verkaufen – ein Vorab-Besuch im glore-Store
Irgendwas war immer „Ich habe in den letzten Monaten oft daran gedacht, alles hinzuschmeißen“, sagt sie. Mitte Februar begann sie mit den Umbauarbeiten – eineinhalb Monate Zeit, einen Laden aufzubauen, und das fast ohne professionelle Hilfe. Sie musste sich Geld von ihren Eltern und Freunden leihen, da sie keine Schulden bei der Bank machen wollte. Die handwerklichen Arbeiten übernahm ihr Freund, der kurz davor steht, Chirurg zu sein. „Es gab Momente, in denen ich diesen Laden gehasst habe, es lief alles schief“, sagt Brigitte. Nachdem ihr Freund den Boden in stundenlanger Arbeit abgeschliffen hatte, um das von Laminat bedeckte Parkett freizulegen, stellte ein Experte Hausschwamm fest. Der gesamte Boden musste herausgerissen werden. Die Probleme nahmen kein Ende: Eine Heizung musste neu installiert werden, der Telefonanschluss steht bis heute nicht, vor wenigen Tagen stieg ein Bekannter mit seinem Geld aus. „Du bist auf die Unterstützung der Leute angewiesen, weil ich ja niemanden bezahlen kann, und diese Abhängigkeit ist ein krasses Gefühl“, sagt sie. Dabei war die Suche nach einem geeigneten Raum problemlos verlaufen. Brigitte wollte ihren Laden dort aufmachen, wo sie lebt, im Glockenbachviertel. Sie besichtigte einen Raum in der Fraunhoferstraße, sah sich in der Reichenbachstraße um und wurde dann im Erdgeschoss des Wohnhauses fündig, in dem sie selbst wohnt. Die Besitzerin der „Mischwarenzentrale“ zog aus und hinterließ Brigitte ihren Raum in der Baaderstraße. „Das Glockenbachviertel war mir wichtig, weil ich die Läden hier vom täglichen Leben her kenne“, sagt sie. Mit einem Block und einem Kugelschreiber in der Hand durchstreift sie das Viertel und analysiert die Modeläden nach Zielgruppe, Sortiment und Preislage. Sie unterhält sich im „Soda Books“-Laden um die Ecke mit dem Besitzer über Warenwirtschaftssysteme und macht sich Gedanken darüber, wie viele Hosen sie an einem Tag verkaufen könnte. Sie nennt das „Research“. Sie analysiert Bevölkerungsstatistiken und macht für sich eine Spitzenzielgruppe aus: Frauen zwischen 18 und 45, und davon wiederum ein Drittel – das sind dann Lohas im richtigen Alter. Die Kombination aus Frauen- und Babymode, und das auch noch ökologisch produziert, hält Brigitte für einzigartig im Glockenbachviertel. Am kommenden Samstag soll der Laden aufmachen und in den wenigen verbleibenden Tagen vor der Eröffnung werden Brigitte und ihre Freunde kaum zur Ruhe kommen. Der „glore Store“ sieht noch aus wie eine Baustelle und ein großer Teil der Ware ist noch nicht angeliefert worden. „Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob alles ankommt, aber ich will das noch nicht wahrhaben“, sagt Brigitte und stopft ein Hamnett T-Shirt in einen Pappkarton. Auf die die Frage, wie sie sich die ersten Momente ihres ersten Arbeitstags im eigenen Laden vorstellt, atmet Brigitte tief durch und sagt: „Ich lege mich dann in meine Umkleide und schlafe erstmal zehn Tage lang.“- Abschied vom Wachtturm: Drei Frauen und ihre Leben nach den Zeugen Jehovas 20.05.2012
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