Ökomode am Glockenbach
Ab Samstag will Brigitte umweltbewussten Münchner greenfashion verkaufen – ein Vorab-Besuch im glore-Store
Durch ein staubverdrecktes Schaufenster in der Baaderstraße blicken zwei Passanten auf eine 45 Quadratmeter große Baustelle. Sie sehen leere Farbeimer, Leitern, Pappkartons, Plastiktüten und ausgefranste Putzlappen, die am Boden herumliegen. Was sie nicht sehen sind Lampen, Schränke und Tische. Am kommenden Samstag soll aus dieser Baustelle Brigitte von Puttkamers „glore“-Laden entstanden sein.
Foto: Dana Brüller
„glore" steht für „globally responsible fashion“. Brigitte wird nur Ware führen, die umweltgerecht und unter fairen sozialen Bedingungen hergestellt wurde. Sie nennt das „green fashion“ oder „ökorrekte Mode“. Brigitte, der man ihre 39 Jahre kaum abkaufen will, wühlt in den Kartons und präsentiert ein paar Lieblingsstücke. Da wären die handgemachten Handtaschen aus recycelten Lederjacken, die sie mit der kanadischen Designerin Ashley Watson in stundenlangem Email-Verkehr mitentworfen hat. Oder die Sneakers des französischen Labels „Veja“, die aus Bio-Baumwolle und Naturkautschuk hergestellt wurden. Brigitte selbst trägt ein T-Shirt des Urgesteins der grünen Mode, wie sie die englische Designerin Katharine Hamnett nennt. Ihr Laden wird Hamnetts T-Shirts mit plakativem „CHOOSE LIFE“-Aufdruck ebenso führen wie auch eine Auswahl an Babymode.
Mit der Modeindustrie hat Brigitte eigentlich schlechte Erfahrungen gemacht. Die studierte Modedesignerin erinnert sich ungern zurück an die Zeiten, in denen sie für ein hochwertiges Label arbeitete. Die Muster wurden damals in Deutschland angefertigt, und eine Kollegin fuhr dann nach Hongkong, um die Ware billig produzieren zu lassen. Der leichte Benzingeruch, der die Kleidung umgab, als sie angeliefert wurde, hat Brigitte noch immer in der Nase, wenn sie sich zurückerinnert. Mit Benzin werden Kleider gereinigt, die unter schlechten Bedingungen produziert werden. „Modedesign ist dreckig“, sagt sie. Brigitte kündigte ihren Job bei dem Modelabel und begann, für eine Werbeagentur zu arbeiten. Vor einem Jahr sah sie den Moment für eine Rückkehr ins Modegeschäft gekommen. „Mit dem Loha-Boom ist es möglich geworden, ohne schlechtes Gewissen Mode zu machen“, sagt sie. Loha steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“ und bricht mit alten Klischees: Gelegen kommt Brigitte die Konsumbereitschaft der neuen Öko-Generation. Während die Ökos früherer Jahre sich in Verzicht übten, möchten die neuen Lohas genau das Gegenteil, nämlich auf gar nichts verzichten. „Ich bin geborener Öko. Aber ich hätte niemals solche Fetzen getragen. Dann lieber unfaire Kleidung“, sagt Brigitte. Jetzt führt sie ein paar ausgewählte Labels für Baby -und Frauenmode, die öko sind, aber nicht nach öko aussehen sollen. In Zukunft soll ihr Sortiment auch von eigenen Stücken ergänzt werden.
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