31.03.2008 - 19:00 Uhr

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Shops statt Kirche

Text: wlada-kolosowa - Fotos: wk

Unterwegs mit einer ökologischen Stadtführung namens "Konsum Global"

„Kann mal jemand kurz auf die Welt aufpassen?", fragt Jochen und wirft die Erdkugel über die Schulter. Der aufblasbare Planet segelt kurz durch die Luft, wird von einem Windstoß mitgenommen, landet dann aber doch in Silvias Händen. Am Südpol, beim Stöpsel, blättert die Farbe schon ein wenig ab. „Da sieht man ja schon den Klimawandel“, sagt Jochen und lacht. „Dann fangen wir mal an.“

Touristen halten die achtköpfige Gruppe für eine gewöhnliche Stadtführung. Aber es geht nicht um Sehenswürdigkeiten, sondern um CO2-Bilanzen und Nachhaltigkeit. Statt der Mariensäule, des Viktualienmarkts und der Frauenkirche sind internationale Ketten wie Starbucks, McDonald's und Footlocker Stationen des Rundgangs.

„Konsum Global“ wurde in Hannover entwickelt und soll dazu anleiten, durch bewusstes Verbrauchen die negativen Folgen von Globalisierung zu bekämpfen: Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Arbeitskräften, Abholzung und unnötige Transportwege. Inzwischen gibt es das Projekt in fast allen großen deutschen Städten von Hamburg bis Freiburg. Die Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) möchte den Rundgang nun auch nach Bayern bringen: In einem zweitägigen Workshop soll eine Tour speziell für München entwickelt werden. Heute macht es noch Jochen Dallmer vom Jugendumweltnetzwerk JANUN vor. Später sollen die Teilnehmer selbst als kritische Stadtführer arbeiten können.

Der Weg einer Jeans
Die erste Station ist der H&M in der Kaufinger Straße. Jochen erzählt, dass ein durchschnittlicher Deutscher 40 bis 50 neue Kleidungsstücke – etwa 16 Kilo Textilien – pro Jahr kauft. Dann holt er aus einem uralten Koffer, den er seit dem Beginn der Führung mit sich schleppt DIN-A4-Blätter heraus – sie zeigen den Reiseweg einer Jeans. Jeder bekommt eine Station: Kasachstan, China, Taiwan, Polen, Schweden, Frankreich, die Philippinen, Griechenland, Deutschland. Etwa 30 000 Kilometer legt eine Hose zurück.

Die Fußgänger drehen sich im Vorbeigehen oft um. Auch ohne die Zettel in der Hand sehen die acht Jugendlichen ein wenig wie Eindringlinge in der eitlen Einkaufsstraße aus: Niemand hat Shoppingtüten in der Hand. Die meisten Teilnehmer sind tatsächlich nur selten hier – Shoppen finden alle überflüssig. Olli (23) näht seine Hosen zum Beispiel selbst. Der Politikstudent will ein kritischer München-Guide werden, weil er gegen den Konsum kämpfen und seine „Führungsfähigkeiten“ schulen will. „Es macht mir Spaß, zu provozieren.“ Im Großen und Ganzen versucht Olli ökologisch zu leben: „Aber ich befreie keine Tiere und zerstöre keine Pelzmäntel“, sagt er. „Und Müll trenne ich auch nicht.“ Internationale Ketten kann Olli nicht ausstehen, weil sie die Welt uniformieren. Sein Begrüßungssatz: „Bin ich hier richtig beim Kapitalismus-Bashing?“

Das nächste Mal wird der Koffer vor einem Footlocker ausgepackt. Olli holt einen kleinen Umschlag raus. „Lohntüte“ steht drauf. 40 Cent sind drin. „Das ist der durchschnittliche Stundenlohn in einer Schuhfabrik“, erklärt Jochen. Von einem Markenturnschuh, der 100 Euro kostet, gehen nur vier Euro an die Arbeiterinnen in den Billliglohnländern. Die Gruppe schaut betreten auf den Boden, die in Puma und Adidas gehüllte Füße tänzeln verlegen auf der Stelle. Dann klemmt Carin die Erdkugel unter ihre Achsel und die Gruppe bricht auf – zum McDonalds.






Ein bisschen wie im Zoo
Die Schlange vor der Filiale am Stachus ist mehrere Meter lang. „60 Kilogramm Fleisch isst ein durchschnittlicher Deutscher pro Jahr“, referiert Jochen. „Dabei verdrängt Soja für die Ernährung der Rinder andere Pflanzen und ruiniert die Kleinbauern.“ Die Teilnehmer schauen zu, wie BigMacs und Pommes vertilgt werden. Ein bisschen erinnert das ganze an einen Zoo. Nur ist man sich nicht sicher: Wer sind die Zuschauer, wer die Objekte? Am Schluss zaubert Jochen ein Plakat mit flauschigen Küken hervor und hält es vor die Glasscheibe. „We are not Nuggets“ steht über den Köpfen der kleinen Vögel.

Letzte Station: Starbucks. Jochen zieht einen leeren Chemikalienkanister und einen Pestiziden-Schutzanzug aus dem scheinbar bodenlosen Koffer. Ein paar Minuten später ist Silvia (27) von Kopf bis Fuß in weißen Stoff gehüllt. Das Gesicht ist von einer Maske verdeckt, die schwarzen Haare stecken unter einer Kapuze. So müsste der Schutz von Pestiziden aussehen, sagt Jochen. Die Bauern in Südamerika verstünden die englischen Gebrauchanweisungen aber nicht und hätten außerdem kein Geld für richtige Kleidung. Wegen der Hitze arbeiteten sie oft oberkörperfrei auf Kaffeeplantagen. 20 000 Menschen sterben jährlich wegen Pestizideneinsätze. Nur Fairtrade-Anbieter kümmerten sich um ausreichenden Schutz.

„Starbucks, ich komme“, droht die vermummte Silvia unter der Maske. Seit fünf Jahren arbeitet sie bei Greencity, einem Verein, der sich mit nachhaltiger Stadtplanung beschäftigt. Mit dem Stoff der Führung war Silvia schon vorher vertraut, jetzt will sie herausfinden, wie sie die meisten Leute erreicht. „Es ist erstaunlich, wie viele überhaupt nichts darüber wissen.“ Mit solchen Führungen könne man vielen die Augen aufmachen. „Es ist zumindest ein guter Anfang“, sagt Silvia entschlossen. Die Welt liegt ihr zu Füßen. Die aufblasbare.


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regenbogenregina
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Mag ich Mag ich nicht

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31.03.2008 - 19:34 Uhr
regenbogenregina

na, für ein ökologisches leben ist natürlich nicht-mülltrennung schonmal der richtige anfang.

pantoufle
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Mag ich Mag ich nicht

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31.03.2008 - 20:04 Uhr
pantoufle

ach was. mülltrennung bringt gar nix.

afrirali
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31.03.2008 - 20:07 Uhr
afrirali

ich geh gleich zu mcdonalds.

Cios
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31.03.2008 - 23:22 Uhr
Cios

"Bin ich hier richtig beim Kapitalismus-Bashing?"


Oh yeah! Das wird mein neuer Slogan! *rofl

g31st
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Mag ich Mag ich nicht

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31.03.2008 - 23:45 Uhr
g31st

endlich ein Schritt gegen den LIFE STYLE KAPITALISMUS
fangt an zu verstehen wie das System funktioniert, sucht nach Alternativen oder ihr werdet zu sogenannten "alternativen" Konsumenten, einer weiteren Zielgruppe der Großkonzerne.

ERKENNE DICH SELBST

Alecsis
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01.04.2008 - 01:08 Uhr
Alecsis

Ich verreck doch eh in ein paar Jahren, da nutz ich lieber die Zeit und mach was, das mir spaß macht anstatt mir ne Hose zu nähen. Tz.

strikingback
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01.04.2008 - 01:10 Uhr
strikingback

Seid Teil des Problems oder der Problemlösung.

ich_schlampe_bin_muede
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01.04.2008 - 09:04 Uhr
ich_schlampe_bin_muede

@g31st

Ich habe überhaupt kein Problem damit Zielgruppe zu sein, so lange man mir nicht mit Werbeanrufen auf den Wecker fällt. Was hat das mit Nabelschau und Selbsterkenntnis zu tun? Wenn ich das Produkt nicht kaufen will, können die so lange auf mich zielen, wie sie wollen... Wenn mich das Produkt interessiert, ist es doch in Ordnung, wenn es jemand anbietet.

Also wirklich - mit völliger Selbstverständlichkeit an einem schönen eigenen Computer sitzen, der überhaupt nur verfügbar und preisgünstig ist, weil einige Unternehmer dieses Produkt aus Gewinninteressen ersonnen und verkauft haben und dabei in Konkurrenz mit anderen Anbietern stehen. Aber kräftig gegen den Kapitalismus wettern!

getupkid
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Mag ich Mag ich nicht

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01.04.2008 - 09:44 Uhr
getupkid

was halt so absurd ist, ist diese antiimperialistische / antiamerikanische stoßrichtung. warum stellen die sich nicht vor die metzgerei an der ecke? das fleisch, das da verkauft wird, stammt schließlich auch von einer kuh. bei starbucks gilt das gleiche: kaffee trinkt man an jeder ecke, schon immer. ausgerechnet den eindringling aus den usa für das böse schlechthin zu halten, ist einfach nur totaler unsinn.

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

0

01.04.2008 - 11:31 Uhr
__xxx__

g31st sagte:
endlich ein Schritt gegen den LIFE STYLE KAPITALISMUS
fangt an zu verstehen wie das System funktioniert, sucht nach Alternativen oder ihr werdet zu sogenannten "alternativen" Konsumenten, einer weiteren Zielgruppe der Großkonzerne.

ERKENNE DICH SELBST


Right back at ya. Vielleicht sollst dich den Möchtegern-Weltverbesserern aus dem Artikel anschließen, da wärst Du sicherlich gut aufgehoben. Ich würde euch sogar eine eigene Insel schenken.

dana-brueller
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01.04.2008 - 14:03 Uhr
dana-brueller

der mit der mütze war in meiner parallelklasse!

Schokofrosch
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Mag ich Mag ich nicht

0

01.04.2008 - 19:17 Uhr
Schokofrosch

Na ja.. ist euch das wirklich alles so egal?? Wir sind oben, ein paar von den Glücklichen, die nicht an Hunger und Krieg leiden müssen im Gegensatz zu 500 Millionen Menschen in der Welt. Falls sich in eurem Kühlschrank Essen befindet, ihr angezogen seid, ein Dach über dem Kopf habt und ein Bett zum hinlegen, seid ihr reicher als 75% der Einwohner dieser Welt. Falls ihr ein Konto bei der Bank habt, etwas Geld im Portemonnaie und etwas Kleingeld in einer kleinen Schachtel, gehört ihr zu 8% der wohlhabenden Menschen auf dieser Welt. Hab ihr euch das mal klar gemacht?? Habt ihr anderen Menschen gegenüber kein schlechtes Gewissen?? Pech gehabt oder.. Aber wenn nächste Woche eine Überschwemmung bei uns wäre, wollen wir gerettet und versorgt werden.. und wie wir schreien würden. Tiere und Pflanzen können nicht schreien.. sie sind natürlich keine Menschen.. gehören aber zu unserer Welt.. ohne sie können wir nicht leben.. Vielleicht hab ihr in Bio schon mal was von einer Nahrungskette gehört?? Wir hängen alle zusammen.. sind aufeinander angewiesen, um zu existieren.. Vielleicht leben wir nicht mehr, wenn die Welt irgendwann zugrunde geht, unsere Kinder aber.. Außerdem, könnte es auch für uns bald sehr ungemütlich werden.. wenn das mit dem Klimawandel und dem Wassermangel so weiter geht.. Ich finde es sehr schade, dass viele Leute sich inzwischen nur noch für Dinge interessieren, die sie selbst betreffen.. oder besser gesagt, bis sie selber davon betroffen sind. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass alle alles perfekt machen solln.. das können wir auch gar nicht.. Aber man muss eine Anfang machen.. Verkauft wird im Prinzip, was wir, das Volk wollen.. indem wir immer die billigsten Produkte kaufen, sagen wir ja.. ja, nutzt die anderen Menschen für uns aus, drück die Preise, dass wir ja keinen Cent mehr zahlen müssen.. Das sollten wir uns erst einmal klarmachen. Natürlich kann das ein Mensch schlecht verändern, aber umso mehr sich anschließen, desto mehr wird auf diese Gruppe Rücksicht genommen. Es gibt derzeit zum Beispiel Schuhe, die zu einem großen Teil wieder verwertet wurden in einigen Läden.. die sind natürlich nicht perfekt, keine Frage.. , aber es ist ein Anfang.. und wenn solche Produkte nachgefragt werden, wird es auch immer mehr geben.. Das Beispiel Starbucks soll sich auch nicht gegen Amerika wenden. Es ist ein Beispiel von vielen.. Aber irgendwo muss man ja ein Beispiel nehmem.. Vorm McDonalds würde bestimmt wieder jemand schimpfen.. In Wirklichkeit kann man in Starbucks glaub ich sogar eingepackelten Biocafe kaufen. Das was im Prinzip bei der Aktion zählt ist, dass wir bewusster einkaufen sollen.. uns mal darüber Gedanken machen.. Es heißt nicht das Starbucks scheiße ist und wir nie wieder dorthin gehen solln oder die Amerikaner alle Deppen sind!! Wir sollen uns nur mal Gedanken machen, was wir tun und das wir selbst durch unseren Konsum viel Verantwortung tragen. Ich finde die Aktion total toll und hoffe, dass sie in Bayern bald erfolgreich Fuss fasst.

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

0

01.04.2008 - 20:01 Uhr
__xxx__

Schokofrosch, denkst Du auch mal an Dein eigenes Leben? Und glaubst Du wirklich dass "Öko-Einkaufen" irgendjemandem hilft? (ausser den Genies welche die dicke Kohle einstreichen dank den Deppen aus dem Artikel)

Wach mal auf.

choice
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Mag ich Mag ich nicht

0

06.04.2008 - 19:35 Uhr
choice

Natürlich hilft bewusster Konsum. Wach DU mal auf, xxx.

froeschleinchen
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.04.2008 - 17:15 Uhr
froeschleinchen

Was mich wirklich mal interessiert: Warum reagieren hier so viele persönlich angegriffen? Es ist doch nichts schlechtes, sich mit den Problemen des eigenen Konsumverhaltens auseiander zu setzen, auch oder gerade wenn ich nicht auf all die tollen Waren verzichten kann oder möchte.

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