"Hass auf Schwule": Die Kontroverse um Bounty Killers Deutschland-Konzerte
Text: sascha-chaimowicz - und Carla-Schif
Am Freitag gab Dancehall-Star Bounty Killer in München ein Konzert, das bis zuletzt höchst umstritten war. Die Bundesregierung war eingeschaltet, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Eine Chronologie der Ereignisse und ein Konzertbesuch
27. März
Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen teilt mit, dass er, gemäß Paragraph 111, 130 StGB, Strafanzeige gegen die Verbreitung von Bounty-Killer-Platten, auf denen offen zu Gewalt und Morden an Homosexuellen aufgerufen wird, gestellt hat. Außerdem habe ihm das Bundesinnenministerium mitgeteilt, dass Bounty Killer zur Zurückweisung an der Grenze ausgeschrieben ist.
Das Backstage in München meldet auf seiner Homepage: „Das Bounty Killer-Konzert am 28. März findet statt!“
Das Backstage verlegt das Konzert aus der kleineren Halle in die größere „Werk“-Halle, um die Sicherheit der Besucher besser gewährleisten zu können. Es wird mit einem großem Medienaufkommen gerechnet und sehr viel Polizei.
28. März
Neues auf der Backstage-Homepage: „Wie wir heute erfahren mussten, läuft angeblich auf Betreiben des Grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck gegen den Künstler jetzt ein Einreiseverbot“. Laut Backstage-Informationen liegen weder Bounty Killer, noch seinem Management ein entsprechendes Einreiseverbot vor. Das Backstage geht weiter davon aus, dass das Konzert am Abend stattfindet.
Der LSVD reagiert offenbar auf die Ankündigungen vom Backstage, in denen es heißt, das Konzert finde statt: „Eigentlich dürfte das Konzert nicht stattfinden. Das wäre absurd“.
Das Bundesinnenministerium bestätigt das Einreiseverbot für Bounty Killer gegenüber jetzt.de.
Das Backstage setzt für 19 Uhr eine Pressekonzerenz an. Ab 20 Uhr ist Einlass zum Konzert.
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19.15 Uhr im Backstage:
Der von den Kontroversen der letzten Tage sichtlich gezeichnete Backstage-Chef Hans-Georg Stocker stellt sich gemeinsam mit Rita Braaz, Spitzenkandidatin der Rosa Liste und CSD-Sprecherin, den Fragen der Presse.
Rita Braaz: "Wir haben vor zwei Wochen mit Hans-Georg Kontakt aufgenommen. Der Veranstalter hat sich anders entschieden, als ich es tun würde. Bounty Killer hat schriftlich versichert, seine schwulen -und lesbenfeindliche Texte nicht aufzuführen. Mit dem Kompromiss konnte ich leben".
Stocker: "Das Konzert findet statt. Mit den Behörden ist abgeklärt, dass Bounty Killer nicht verhaftet wird. Sollte er seine homophoben Texte auf der Bühne präsentieren, wird das Konzert sofort abgebrochen"
Für den 6. Juni wird eine Veranstaltung im Backstage angekündigt, in der Vertreter der Homosexuellenszene mit Vertretern der Reggae-Szene und Stadtfunktionären debattieren sollen.
Stocker: "Als Backstage waren wir mit der Situation überfordert. Wir müssen das Problem auf einer größeren Basis lösen."
Braaz: "Wir müssen in den nächsten Monaten Strategien finden für den Umgang mit gewaltverherrlichender Musik in München."
Um das Konzert zu überwachen, sind Behördenvertreter vor Ort (Kreisverwaltungsreferat, Polizei), die sich laut Veranstalter mit Reggae auskennen. Sie sollen einschreiten, falls Bounty Killer sein Versprechen bricht und sich auf der Bühne homophob äußert.
22 Uhr
Bounty Killers Promoter Alwin Heim äußert sich Backstage gegenüber jetzt.de: "Ich bin nicht Bounty Killers Meinung. Wir haben darüber auch schon öfters gesprochen. Es ist allerdings der falsche Weg, diesen Konfrontationskurs mit ihm zu fahren. So verhärten sich nur die Fronten. Das bringt nichts.
Ich glaube, Bounty Killer ist durchaus von den Vorgängen hier in Deutschland beeindruckt. Ich denke nicht, dass er in der Verfassung ist, sich den Fragen der Presse zu stellen."
23 Uhr
Bounty Killer zeigt sich Backstage erstmals der Presse. Er lässt sich kurz fotografieren und reagiert launisch auf kurze Zwischenfragen. Er verlässt den Backstageraum und betritt die Bühne.
Die Halle ist voll. Die Zuschauer empfangen Bounty Killer begeistert.
Nach etwa fünf Minuten benutzt Bounty Killer das erste Mal das Wort "Battyboy". Die Zuschauer reagieren emotional, es gibt Buh-Rufe, Mittelfinger und Jubel. Das Wort "Battyboy" wird noch einige Male fallen.
Gegen 24 Uhr ist das Konzert vorbei.
Bounty Killer-Promoter Heim stellt jetzt.de ein Statement von Bounty Killer zum Thema Homosexualität in Aussicht.
28. April
Einen Monat nach der Ankündigung des Promoters gibt es noch immer kein Statement von Bounty Killer.