25.03.2008 - 14:00 Uhr

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Die Web! Ist das Internet jetzt weiblich?

Text: christina-waechter - Illustration: Katharina Bitzl; Foto: privat

Eine Umfrage für das „Pew Internet & American Life Project“ über Jugendliche und ihren Umgang mit sozialen Netzwerken hat Erstaunliches ermittelt: Vor allem Mädchen und junge Frauen sind gerade dafür verantwortlich, dass das Web 2.0 so rasant wächst. Überall, wo im Internet von Nutzern Inhalte eingestellt werden, sind die Frauen in der Überzahl – abgesehen vom Video-Portal YouTube, das vor allem von Jungs genutzt wird. Am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg arbeitet Jan Schmidt, 36, als wissenschaftlicher Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation. jetzt.de sprach mit ihm über Geschlechterrollen im Internet.

jetzt.de: Kann man das Ergebnis der Pew-Studie auf Deutschland übertragen?
Schmidt: Wir wissen aus Befragungen, dass Männer und Frauen unter den Nutzern von Weblogs ungefähr gleich stark repräsentiert sind. Das Irritierende aus unserer Sicht ist aber, dass Frauen „unsichtbarer“ sind, weil der Anteil der Männer in den sichtbaren Blogs – also den Blogs, die oft zitiert werden und verlinkt werden – sehr viel höher ist. In einer Auswertung der 180 meistverlinkten Blogs haben wir festgestellt, dass deren Betreiber zu 75 Prozent männlich waren, obwohl unter allen Bloggern die Geschlechterverteilung in etwa gleich hoch ist.



jetzt.de: Woran liegt es, dass Frauen zumindest hinsichtlich der Relevanz im Netz so schwach sind?
Schmidt:
Das hat mit der Themenwahl zu tun. Es gibt unterschiedliche Praktiken des Bloggens, die unterschiedliche Chancen darauf haben, gelesen zu werden. Bei den Top-Blogs finden wir in Deutschland Themen wie Medien, Internet-Technologie und Wirtschaftsthemen. Ein Fachblog hat größere Chancen, bekannt zu werden als ein persönliches Tagebuch im Netz. Und bei persönlichen Tagebüchern haben die Frauen einen höheren Anteil. Eine andere Erklärung für die mangelnde Relevanz könnte sein, dass Frauen weniger Interesse daran haben, sich über das Bloggen oder über die Technik auszutauschen. Das ist wiederum ein Merkmal fast aller Top-Blogs – die tauschen sich übers Bloggen und den Einfluß von Blogs aus.

jetzt.de: Eigentlich könnte man ja meinen, dass im Netz das Geschlecht erst einmal egal ist, oder?
Schmidt:
Schon, aber das Internet ist eng in unsere Alltagswelt eingebunden, so dass sich auch dort Geschlechtsunterschiede wiederfinden. Anfangs gab es die Vorstellung, dass plötzlich alle im Internet anfangen würden, ihre Identitäten neu zu erfinden. Aber bald zeigte sich, dass dies für die Mehrheit der Nutzer keinen Reiz hat. Ein Kernmerkmal gerade des Web 2.0 ist heute, dass man sich mit seiner „realen“ Identität ins Netz begibt. Das sieht man vor allem bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing.

jetzt.de: Der Umfrage zufolge hat sich die Zahl der Teenager, die bloggen, nahezu verdoppelt – und das ist alleine die Schuld der Mädchen. Hat sich der Ort, Klatsch auszutauschen vom Telefon ins Netz verlagert?
Schmidt:
Für viele Teenager, die bloggen und ein Netzwerk haben, wachsen die Kommunkationskanäle zusammen. Wir reden hier ja nicht von Weblogs wie bildblog.de, wo Leute eine eigene Domain haben, sondern es geht da eher um MySpace, wo User Journal-Blogs führen. In diese Kommunikationsumgebung tragen Jugendliche ihre sozialen Netzwerke, ihre Freundschaften hinein – das Alltägliche, den Austausch über Erlebnisse, auch den Klatsch. Das Netz ist ja ein Werkzeug für die wirkliche Welt.

Jan Schmidt.

jetzt.de: Yahoo arbeitet gerade mit Hochdruck an einer Website, die den Fokus auf Frauen zwischen 25 und 54 Jahren richtet. Kann man mit Frauen besser Geld verdienen?
Schmidt:
Im Netz gibt es einen Trend zur personenspezifischen Werbung. Wenn man nun weiß: Wir haben auf einer Plattform Frauen bis 50, dann kann man bestimmte Werbung einblenden, die auf die Zielgruppe zugeschnitten ist. Vor dem Hintergrund ist die Strategie von Yahoo verständlich.

jetzt.de: Das Internet ist also nicht zu einem weiteren Schauplatz des Kampfes der Geschlechter geworden?
Schmidt:
Nein, denn in den meisten Fällen macht es keinen Unterschied, ob ein Blog von einem Mann oder einer Frau betrieben wird. Einen Krieg der Geschlechter – dass zum Beispiel Frauen vorgeworfen würde, sie seien zu banal – gibt es nicht. Die Konflikte in den deutschsprachigen Blogs drehen sich nicht um Geschlechter, sondern eher darum, wie und ob man mit Blogs Geld verdienen darf.]


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9 Kommentare

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cathie
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Mag ich Mag ich nicht

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25.03.2008 - 15:07 Uhr
cathie

Ich glaub ja auch dass es hier auch so funktioniert und Texte von männlichen Usern öfter gelesen/ bewertet werden als die von weiblichen obwohl es wohl mehr weibliche Schreiber gibt.

dichtmeister
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Mag ich Mag ich nicht

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25.03.2008 - 15:29 Uhr
dichtmeister

ist doch klar wieso: web2.0 bedeutet klatsch, tratsch, dekorieren und einrichten :D

susette
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Mag ich Mag ich nicht

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25.03.2008 - 16:31 Uhr
susette

eine wunderhübsche fehe!

marksu_
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25.03.2008 - 16:34 Uhr
marksu_

@dichtmeister: ja, mit web2.0 ist die sinnlose barriere der html/css programmiererei endlich weggefallen

rabidrabbit
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25.03.2008 - 18:13 Uhr
rabidrabbit

@cathie:

Qualität lässt sich nun einmal nicht durch Quantität ersetzen ;)

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25.03.2008 - 18:14 Uhr
rabidrabbit

@cathie:

Qualität ist nun einmal nicht durch Quantität ersetzbar ;)

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Mag ich Mag ich nicht

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25.03.2008 - 18:15 Uhr
rabidrabbit

Allerdings: doppelt gemoppelt hält besser ;)

nixbewiesenausserich
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26.03.2008 - 18:25 Uhr
nixbewiesenausserich

*schnarch*

bessergeldverdienen
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26.09.2010 - 17:34 Uhr
bessergeldverdienen

Interessant. Eigentlich sollte das ganze Web 2.0 Frauen-lastig sein. Schliesslich hat es etwas mit Kommunikation und sozialer Integration zu tun und da haben Frauen durchaus einen Vorteil.

In den USA sind Frauen im Web längst auf dem Vormarsch und schon lange nicht mehr nur als Zuschauer, sondern als aktive Kommentatoren und vor allem Betreiber unterschiedlichster Blogs. So genannte Mommie-Blogger, also Frauen, die über das Muttersein bloggen, sind nicht nur extrem beliebt, sondern verdienen mit ihren Blogs oftmals mehr als es sich so mancher Mann mit seinem Technikblog wünschen würde.

Da haben wir hier wohl noch einiges nachzuholen.


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