07.04.2008 - 19:00 Uhr

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Die neue Öko-Avantgarde: Politik aus der Geldbörse

Text: johannes-graupner - Foto: Axel Martens

Beim Begriff "Lohas" leuchten bei vielen Marktforschern und Unternehmern die Augen. Sie wittern finanzkräftige Konsumenten aus der Oberschicht, die viel Geld für Bio-Produkte und ethische T-Shirts bezahlen. Doch wie sind Lohas wirklich? Und haben sie wirklich die Macht, die Konzerne zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen?

jetzt.de hat bei Christoph Harrach, 34, nachgefragt. Er ist freier Marketing-Berater, "Öko-Trendscout" und gehört mit seinem Blog "Karmakonsum" zu den aktivsten deutschen Lohas-Bloggern. Christoph, du bloggst über das Lohas-Phänomen. Was ist dein Antrieb, verdienst du damit Geld? Nein, mit dem Bloggen selbst verdiene ich kein Geld, aber die Resonanz auf das Blog ist sehr positiv. Ich habe damit ein breites virtuelles Netzwerk aufgebaut, das ich jetzt in die reale Welt hole. Ich habe ich meinen vorigen Job gekündigt und mich als Marketing-Berater und Öko-Trendscout selbstständig gemacht. Jetzt organisiere ich gerade die zweite deutsche Lohas-Konferenz, die Ende Mai in Frankfurt stattfindet. Damit werde ich dann auch Geld verdienen.
Christoph Harrach Wie sieht denn der typische Lohas-Anhänger aus? Es ist schwierig, einen menschlichen Lohas-Prototypen zu benennen. Für mich ist es eher ein Prozess der Werte- und Konsumveränderung. Wenn jemand anfängt, Bio-Produkte im Discounter zu kaufen, zum Homöopathen geht und Ökostrom-Kunde ist, dann hat er schonmal das Grundpotential für Lohas. Es beginnt mit der hedonistischen und egoistischen Motivation, sich selbst etwas Gutes zu tun. Der Lohas-Einstieg kommt meistens tatsächlich über die Bio-Lebensmittel. Da gibt es noch keine altruistische Motivation, die Welt zu retten. Aber nach und nach stellt man sein Leben um, spätestens bei Textilien rückt dann auch der Aspekt der sozialverträglichen Produktion in den Mittelpunkt. So verschiebt sich das Wertekonstrukt der Konsummotivation vom egoistischen zum sozialen Motiv. Wo liegt denn der wesentliche Unterschied zwischen dem traditionellen Öko und dem „Öko 2.0“? Da gibt es verschiedene Ebenen. Die erste Öko-Generation war verzichtsorientiert, die neue Generation ist genussorientiert. Die erste Generation war eher streng und dogmatisch, mit sich und mit anderen. Es wurde gern der moralische Zeigefinger gehoben. Wir neuen Ökos verstehen uns eher in einem Prozess. Wir wissen, dass wir nicht von heute auf morgen unser komplettes Leben umkrempeln können. Wir sind bereit, uns zu ändern, wollen dabei aber auch genießen können. Wir wollen nicht verbittert werden. Die Lebensfreude darf nicht zu kurz kommen. Wie viel Lohas gibt es denn eigentlich in Deutschland? Es gibt diese kursierende Zahl von 30 Prozent der deutschen Bevölkerung. Das ist aber keine valide Zahl, daher bin ich damit sehr vorsichtig. Es läuft aber gerade eine neue Studie an, die genauere Zahlen ermitteln soll. Erst danach wird man sehen können, welche verschiedenen Typen von Lohas-Konsumenten in Deutschland überhaupt zu finden sind und welchen prozentualen Anteil sie ausmachen. Peter Unfried von der taz hat im jetzt.de-Interview gesagt, die neuen Ökos würden auf ihren Individualismus viel Wert legen. Keiner wolle sich den Lohas-Stempel aufdrücken lassen. Ist Lohas also doch nur ein schillernder Begriff aus dem Marketing, der die grüne Goldgräberstimmung der Wirtschaft bedient? Der Begriff ist doch ein völliger Insider-Begriff, denn kennt ja eigentlich niemand. Mir hilft der Begriff einfach, Komplexität zu reduzieren und eine Menschengruppe näher zu beschreiben, deswegen nutze ich ihn gern. Ich habe kein Problem damit zu sagen, dass ich ein Lohas bin. Für mich ist das Wort einfach eine praktische Hülle. Kein Mensch möchte gerne in Schubladen gesteckt werden, außer vielleicht Dogmatiker. Führst du tatsächlich ein komplett nachhaltiges Leben? Kein H&M, kein Aldi, keine großen Elektronik-Fachmärkte? Ja, schon. Es gibt ein paar Bereiche, wo das noch nicht so ganz klappt. Ich bin Yoga-Lehrer und dazu hat Gandhi mich auch geprägt. Er hat gesagt, man muss erst selbst den Wandel durchleben, den man in der Welt sehen will. Daran glaube ich fest und habe den Anspruch an mich, das umzusetzen. Die Umweltsünde, die ich mir leiste, sind Einwegwindeln für unsere kleine Tochter. Auf der nächsten Seite: Christoph über giftige Apple-Rechner und die Frage, ob man durch Konsum die Welt verbessern kann
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johannes-graupner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.