Fremde im eigenen Büro: Wie Journalisten mit Leser-Kommentaren umgehen
Journalismus im Netz wird zum Dialog - den Leser wie Redakteure erst lernen müssen. Eine Umfrage in der jetzt.de-Redaktion zum schwierigen Thema "Leser-Kommentare"
Wie hat sich deine Meinung über Kommentare im Web in den vergangenen Jahren verändert? Grundsätzlich halte ich Kommentare für eine Errungenschaft. Der Reiz des schnellen Feedbacks geht aber verloren, wenn man feststellt, dass es eben "schnell" ist. Und wenn sich Beleidigungen häufen, neigt man dazu, sich abzuwenden. Manchmal lese ich Kommentare nicht mehr. Dann geht es mir besser. Im Wald ist es zu laut geworden. Hm. Ich war, was das betrifft, nie besonders euphorisch - von wegen "Weisheit der Massen" und so. Deswegen kann ich auch nicht bestätigen, dass das schlimmer geworden wäre. Ich glaube, es hat mehr damit zu tun, wie wichtig man das nimmt. Klar, persönliche Beleidigungen müssen tabu sein. Wenn ich eine private Homepage oder ein Blog betreiben würde, würde ich den Kommentaren enge Grenzen setzen, die vorher klar gemacht werden. In einem Magazin wie jetzt.de ist sowas nicht sinnvoll und durchsetzbar. Man sollte aber nicht jeden Wildwuchs unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit tolerieren. Sowas ruiniert in der Tat das Niveau. es kommt darauf an: Wenn man ein spezialisiertes Projekt, z.B. ein Blog, betreibt und auf niveauvolle, konstruktive Diskussion aus ist, kann man Nervensägen ruhig mal rauskicken. Mit Beschneidung von Meinungsfreiheit hat das dann nix zu tun. Meinungsmülldeponien gibt es ja in Hülle und Fülle. Sie sind hirn- und liebloser geworden (z.B. *kotz* statt “gefällt mir nicht, ich bin anderer Meinung”) Es gibt unter den Kommentatoren gute und schlechte, genau wie es gute Zeitungen und schlechte Zeitungen gibt. Der Unterschied verläuft nicht zwischen Redakteur und Leser, der Unterschied läuft zwischen stilvollen und stillosen Äußerungen. Mehr zum Thema auf jetzt.de: >> Die jetzt.de-Netiquette >> Die Debatte im jetzt.de-Kosmos >> Der Fluch der Oberflächlichkeit - Johannes Boie über digitale Diffamierungen.- Gekommen, um zu gehen 27.02.2012
- Warum ich protestiere 13.02.2012
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