Gekommen, um sich einzumischen
Mode, bei der man gut schlafen kann - die Klamotten von
armedangels.de sind aus ökologischem Material gemacht und pro Kleidungsstück geht eine bestimmte Summe an einen wohltätigen Zweck.
Martin Höfeler, 25 und Anton Jurina, 28 sind die Geschäftsführer des Mode-Labels "armedangels". Seit Anfang der Woche präsentieren sie auf ihrer neuen Homepage die aktuelle Kollektion. jetzt.de hat mit Martin über moralische Mode gesprochen.

Fotos: Falco Peters Photography
Woher kam die Idee, ein T-Shirt-Label zu gründen?
Die Idee kam uns als wir zusammen auf einen BWL-Schein gelernt haben. Wir wollten zeigen, dass es auch anders geht. Dass nicht nur Geld im Vordergrund steht, sondern dass man ein Unternehmen auch aufbauen kann ohne dabei soziale, ethische Grundsätze und Werte völlig zu vernachlässigen. Das macht unglaublich viel Spaß, weil man jeden Tag mit einem guten Gefühl aufstehen kann.
Wann und wie habt ihr mit „armedangels“ angefangen?
Das war im Januar 2007. Wir haben bei mir in der WG angefangen, dann waren wir als Untermieter in einer Eventagentur, wo wir zwei Schreibtische angemietet hatten. Und als wir es uns dann endlich erlauben konnten, haben wir das Büro im Belgischen Viertel in Köln gemietet. Wir arbeiten zu acht hier, wollen aber noch viel mehr werden. Wir brauchen gute Leute, die auch Interesse daran haben, eine kleine gute Sache mit aufzubauen und denen es nicht nur ums Geld geht.
Wie ging es dann weiter?
Die Idee existiert schon länger, aber seit einem Jahr gibt es die GmbH. Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass es nötig ist, jemand mit rein zu nehmen, der uns tüchtig unterstützt. Man kann einfach nicht 300 T-Shirts produzieren. Man muss Kapital haben, um in Vorlage zu gehen, um zu investieren, um Mitarbeiter bezahlen zu können. Deswegen haben wir die GmbH gegründet und uns darum gekümmert, Investoren zu finden. Das war gar nicht so einfach, weil unser Konzept ziemlich kompliziert ist. Anfangs waren die Investoren nicht überzeugt. Aber wir haben es geschafft und nun insgesamt fünf Unterstützer, mit denen wir im engen Kontakt stehen und die uns beratend zur Seite stehen.
Aber ihr beide, Anton und du, seid die Gründer?
Ja, wir sind Gründer, Geschäftsführer und Hauptanteilseigener. Alles liegt bei uns. Es war uns extrem wichtig, unabhängig zu sein. Wenn das nicht der Fall wäre, würde ich hier nie so sitzen können für so eine Sache. Wir reißen uns echt den Hintern auf, wir arbeiten 16 Stunden am Tag. Das ist schon hart und geht auch nur dann, wenn das dein Ding ist, dein Baby, das du von Anfang an begleitest und das du groß und erfolgreich machen willst. Und das auch noch mit einem guten Anspruch.
Ihr unterstützt verschiedene Hilfsprojekte, welche sind das?
Wir wollen uns auf zwei Dinge konzentrieren: einmal ist uns das Thema Trinkwasser sehr wichtig. Durch die ganzen Schädlingsbekämpfungsmittel, die über die Baumwolle in den Boden kommen, wird das Wasser so sehr verunreinigt, dass es Gebiete gibt, in denen man im Umkreis von 100 Kilometern das Wasser nicht mehr trinken kann, nur wegen des Baumwollanbaus. 25 Prozent aller Pestizide weltweit werden für Baumwolle verwendet. Das gilt es abzubauen, denn das fügt der Umwelt Schaden zu.
Und das zweite Projekt?
Da geht es um die Bildung von Kindern. Das ist einfach das Beste, was man machen kann. Kinder werden irgendwann erwachsen und können sich dann selbst finanzieren und brauchen keine fremde Hilfe mehr. Das Hilfsprojekt nennt sich „Pratham“. Es hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2010 allen Kindern in Indien Lesen und Schreiben beizubringen. Und wenn man bedenkt, wie viele Kinder in Indien leben, ist das Wahnsinn. Aber sie haben ein gutes System aufgebaut, mit dem sie Hausfrauen Lesen und Schreiben beibringen und gleichzeitig ein System, mit dem sie das relativ leicht an Kinder weitervermitteln können. Diese Hausfrauen verpflichten sie für ein ganz gutes Gehalt als Lehrer. Schon zehn Millionen Kindern wurde so Lesen und Schreiben beigebracht und das Projekt wird inzwischen von großen Firmen unterstützt.
Und wie unterstützt der Shirt-Kauf jetzt das Projekt?
Jedes T-Shirt von uns finanziert einen Monat Schulbildung für ein Kind in Indien. Dieses Projekt passt perfekt zu uns, weil wir auch in Indien produzieren. So schließt sich der Kreis und wir können uns auf die Fahne schreiben, dass wir Indien und das Produktionsgebiet selbst unterstützen.
Auf der nächsten Seite geht das Interview weiter: Martin erklärt, wann Kleidung ökologisch ist - und zeigt T-Shirts seiner Kollektion.
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