Öko wird modern: Peter Unfried hat ein Buch über die Neuen Ökos geschrieben
Auf der Mitte des grasgrünen Covers steht Öko. Darunter: "Al Gore, der neue Kühlschrank und ich". Auf den folgenden Seiten erklärt Peter Unfried, wie er sein grünes Gewissen entdeckte - und dabei zu einem besseren Leben fand. Ein Interview über die Wiederentdeckung der Umweltbewegung
Sie sprechen in Ihrem Buch auch den Gedanken an, dass diese Form des Konsums auch an Ihrer eigenen Lebenssituation liegen könnte. Sie sind nicht mehr 20, haben Kinder und wollen jetzt Ihren Konsum moralisch veredeln. Wie bei Trainerentlassungen in der Bundesliga, ist es auch in diesem Fall so, dass man das sehr individuell betrachten muss. Bei mir ist es so, dass ich zu dieser ironischen Generation der Leute gehöre, die ein Schuldgefühl hatten, weil sie 68 und auch 78 verpasst haben, aber eigentlich dachten, sie müssten ihr Leben an diesen hohen Werten und Vorgaben ausrichten. Zum anderen hat man seine Ironie zu einer Art Widerstand stilisiert, der es aber letztlich nicht war. Und jetzt bin ich in einer Lebensphase – bei mir dauert es immer etwas länger als bei anderen – in der ich denke: Schluss mit ironischen Zuschauen und Kommentieren aus dem Off. Ich ändere jetzt ein paar Dinge, damit mein Leben besser wird. Und das ist auch das Mindeste, was dabei rauskommen kann: Egal, ob der Klimawandel verlangsamt wird oder wir tatsächlich einen moralischen Markt bekommen: Mein persönliches Leben ist eindeutig besser geworden. Es geht aber nicht nur um die eigenen Befindlichkeit, sondern um eine neue Form der Gegenkultur. Auf dem Buchrücken wird Daniel Cohn-Bendit mit dem Wort der „Öko-Revolte“ zitiert. Das scheint aber eine sehr friedliche Revolte zu sein, die im Bio-Laden stattfindet und durch den Erwerb von Öko-Milch sich erfüllt. Das kann man ja auch als zivilisatorischen Fortschritt interpretieren, dass man keine Pflastersteine mehr wirft oder dass Polizisten nicht mehr die Revoltierenden umbringen müssen, wie das 68 noch war oder dass Springer nicht mehr dazu aufruft, die Leute zu stoppen, sondern sich eingereiht hat. Wenn man es differenzierter betrachtet, muss man sagen: Diese Revolte hat natürlich eine Grenze. Sie ist nicht so weit reichend wie man sich früher eine Revolte gedacht hat. Für mich ist der Entwicklungsschritt, dass ich sage, ich werde zu meinen Lebzeiten den Kapitalismus nicht mehr stürzen. Deshalb geht es letztlich darum, dass sich diese neue Konsumentenklasse über den ökologischen Konsum hinaus vernetzt. Damit da tatsächlich auch ein politischer Druck entsteht.
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