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Interview
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Grün| Berlin | 12.03.2008 14:00Öko wird modern: Peter Unfried hat ein Buch über die Neuen Ökos geschrieben
Text: dirk-vongehlen
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Auf der Mitte des grasgrünen Covers steht Öko. Darunter: "Al Gore, der neue Kühlschrank und ich". Auf den folgenden Seiten erklärt Peter Unfried, wie er sein grünes Gewissen entdeckte - und dabei zu einem besseren Leben fand. Ein Interview über die Wiederentdeckung der Umweltbewegung
Wenn der stellvertretende Chefredakteur der taz ein Buch mit dem Titel Öko schreibt, wundert man sich ein wenig. Warum sind Sie jetzt erst darauf gekommen?Zum einen muss man natürlich zwischen meinem Arbeitgeber der taz und mir persönlich trennen. Zum anderen haben wir eine sehr heterogene Leserschaft und auch Redaktion. Das heißt wir haben Leser, die seit zwanzig Jahren Hardcore-Ökos sind, die selbstverständlich nicht fliegen. Und wir haben auch jüngere Leute, die nicht mit dem Bewusstsein der ökologischen Bewegung der späten 70er aufgewachsen sind und die eine gesunde Gleichgültigkeit an den Tag legen. Bis vor einer Weile zählten Sie wohl auch zu jenen, die eine gesunde Gleichgültigkeit pflegten. Und dann kam Al Gore... Ja, richtig. Das ist einerseits natürlich ein bisschen peinlich, wenn man in einen Al Gore-Film geht und dann denkt, jetzt muss man was tun. Aber es war tatsächlich so: Ich war im Sommer 2006 in Kalifornien und habe den Film gesehen und gedacht: So kann es nicht weiter gehen, ich muss jetzt was tun. ![]() Al Gore als Auslöser: Der Friedensnobelpreis-Träger ist indirekt Schuld an Peter Unfrieds Buch. Nachdem dieser seinen Film gesehen hatte, entschied er, was zu ändern. Und dann haben Sie sich ein Drei-Liter-Auto gekauft - wie Sie schreiben, ebenfalls ein wichtiger Punkt auf Ihrem Weg zum neuen Öko. Funktioniert Ökologie heute über Konsum? Konsum ist ein wichtiges Moment im Leben. Aber es ist auch so, dass man sich oft nicht viel Mühe gibt beim Konsum. Ich habe festgestellt, dass ich hauptsächlich zwei Arten von Konsum praktiziere: Nämlich einerseits Sparkonsum, also möglichst billig. Das habe ich aus meinen studentischen Leben mitgenommen. Und andererseits Prestigekonsum, wo ich sage: Jetzt leiste ich mir was, aber nicht genau beurteilen konnte, inwiefern das ausgegebenen Geld auch wirklich für eine bestimmte Leistung steht. Und jetzt kommt der ökologische Konsum? Genau, und dabei ist es so, dass er einen aus dem Dilemma der Unsicherheit befreit. Denn ich habe jetzt ganz klare Kriterien, an denen ich mich beim Einkaufen orientiere. Und deshalb läuft Ökologie heute nicht mehr über Gewissen und Verzicht, sondern über auch Lust. Aber auch über die Lust der Firmen, die an dieser Form des Konsums verdienen. Da ist jetzt ein gigantischer Markt, den die Trendforscher und Industrien entdeckt haben und es gibt Propheten dieses Marktes, die den Unternehmen beibringen, wie sie diese Kundschaft kriegen können. Das ist aber nur der eine Teil der Wahrheit. Der andere Teil ist das Entstehen des so genannten moralischen Marktes; Dass es jetzt eine Bewegung hin zu einem sozio-ökologischen Konsums gibt. Diesen Wunsch, ein aktiver Marktteilnehmer zu werden, muss man nicht nur negativ sehen. Das bringt es allein noch nicht, wenn das aber genügend Leute tun, bekommen wir eine neue Konsumentenklasse, die Einfluss nehmen kann auf den Markt. Ist das nicht ein wenig naiv? Das kann man so sehen, aber ich weiß nichts Besseres und ich will jetzt erstmal sehen, ob das nicht doch geht. Und deshalb haben Sie ein Buch zu dem Thema geschrieben? Mir geht es darum, auch Leute zu erreichen, die sich von dem Thema bisher abgeschreckt fühlten, weil es entweder unsexy war oder viel zu komplex war. Das kann man auch in Redaktionen beobachten, dass es keine gemeinsame Sprache gibt zwischen den Experten für Emissionsrecht und den anderen. Das muss sich ändern, deshalb finde ich diese Portale, die sich im Netz zu dem Thema bilden oder auch das grüne Ressort bei jetzt.de wichtig, weil man da tatsächlich versucht, einen neuen Kommunikationsweg zu finden. Dafür ist es auch wichtig, einen Begriff für diese neue Konsumenten-Gruppe zu finden. Sie nennen sie die Neuen Ökos. Es gibt nur wenige, die sich Lohas nennen möchten. Eigentlich möchte niemand sich unter irgendeinem Begriff subsummieren lassen, weil der Individualismus ja sehr ausgeprägt ist. Deshalb ist da eine gewisse Skepsis da. Aber es gibt definitiv einen Wandel des Begriffs „Öko“ von einem negativ aufgeladenen Begriff zu einem zumindest neutralen. Auf der nächsten Seite: Warum ein A++-Kühlschrank für Modernität steht und welche Folgen schwarz-grün haben kann. Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!
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