Filmkolumne (VI): Leute, die einem helfen, ein Perpetuum Mobile zu bauen
Text: nadine-gottmann
Nadine erzählt in acht Folgen von einem Projekt, aus dem nach eineinhalb Jahren ein echter Film wurde. In der sechsten Folge erkennt sie Freunde und Feinde
Wer unterstützt einen eigentlich bei der Verwirklichung eines Filmes und wer legt einem Steine in den Weg? Eine kurze Typologie
Pause während des Lichtaufbaus
FEINDE:
1. Die Skeptiker:
Die erste Überraschung beim Filmdrehen: Diejenigen, von denen man glaubt, sie würden einem helfen, weil das ja ihr Job ist, helfen einem nicht: Die Filmförderungen.
Als junge enthusiastische und vor allem nette Filmemacher bewarben wir uns direkt nach Ablauf der Anmeldefristen bei allen möglichen Filmstiftungen. Das war aber nicht schlimm, denn wir hätten die Filmförderungen eh nicht bekommen. Mal hieß es, Studenten würden nicht gefördert, ein anderes Mal, unsere Eigenbeteiligung sei zu gering, meistens jedoch, es sei zu unsicher, dass wir das Fördergeld wieder einspielten. Fördergelder werden als Darlehen vergeben. So kommt es, dass solide Filme wie „Neues vom Wixxer“ Fördergelder aus Nordrhein-Westfalen erhalten, weil die Schwester des Hundes des Regieassistenten aus Köln kommt und Fördergelder aus Bremen, weil der Setaufnahmeleiter Werder Bremen-Fan ist. Uns kennt niemand (außer den jetzt.de-Kolumnenlesern), daher wissen die Skeptiker nicht, ob wir das Geld zurückzahlen können, geben uns also lieber auch mal keine Chance dazu.
2. Die Opportunisten:
Es kommt auch in den besten Schauspielerfamilien vor, dass man sich einfach mal auf jede Ausschreibung bewirbt, egal ob die Rolle zu einem passt oder nicht. Um das Ganze stets individuell zu gestalten, ändert man einfach ein paar Einzelheiten in der Anrede. Bewirbt man sich zum Beispiel für den lustigen Studenten von nebenan, beginnt man mit "Hey hey!" oder "Ahoi!" und endet mit "Ciao ciao" oder "Keep cool!" Merkt man eine Woche später, dass man doch eher der perfekte schwule Mittdreißiger ist, begrüßt man das Regie-Team lieber mit "Einen wunderschönen guten Morgen ihr Süßen" und verabschiedet sich mit "Adieu". Dass wir Stunden damit verbringen, nutzlose Bewerbungen, auszusortieren, interessiert die Opportunisten nicht. Sie schicken uns weiterhin Fotos von sich vor ihrer Schalke-Fanschal-Sammlung oder rufen uns an, um in gebrochenem Deutsch zu fragen, was eine Vita sei.
Noch schlimmer sind jedoch diejenigen, die sich solange für eine Rolle bei uns interessieren, bis sie ein besseres Angebot bekommen. Am schlimmsten ist es, wenn dieses bessere Angebot zwei Wochen vor unserem Drehbeginn hereinplatzt, sodass wir die größte Mühe haben, schnell noch einen würdigen Ersatz zu finden. Wenn man kein Geld hat, nützen auch Verträge nichts.
3. Der Nihilist:
Wir kennen bisher nur einen, einen Kopierwerksbesitzer, und hoffen einfach mal, dass es diese Sorte nicht im Plural gibt und er auch nicht auf die Idee kommt, sich selbst zu kopieren. Sebastian und ich wollten eigentlich nur ein Angebot zur Filmentwicklung bei ihm einholen, doch er hielt uns vier Stunden bei sich fest, um uns eine Sammlung der selbstbeweihräucherndsten Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Ein Angebot wollte er uns machen, unter der Bedingung, dass er uns beim Dreh beratend zur Seite stehen dürfte. Als wir das ablehnten, bekam er einen Tobsuchtsanfall. "Sie werden das nicht schaffen", prophezeite er uns. Doch, werden wir.
Regel 6: Man sollte dem Teufel nicht seine Seele verkaufen. Das schadet nur dem Film.
Auf der nächsten Seite: die Guten: die Freunde