Die 50er und 60er Jahre und die angebliche 68er Revolution
Text: Digital_Data
Diesen Text schreibe ich hier jetzt mal, weil anscheinend ein vollkomen falsches Bild der 50er und 60er Jahre in den Köpfen der heutigen Generationen besteht.
Die 50er und 60er Jahre werden auch heute noch als die Wirtschaftswunder Jahre bezeichnet. Gleichzeitig waren die Jahrgänge 1955 bis 1965 mit die geburtenstärksten Jahrgänge Deutschlands. Weiter wird ein Hausfrauenbild vermittelt, bei dem die Frau nach dem ersten Kind nur noch zu Hause am Herd stand.
Dann frage ich mal ganz provokant: Wo kam dann das Wirtschaftswunder her, wenn alle Frauen nur am Herd standen ?
Weil so viele Herde verkauft wurden ? Sorry, aber da muss ich auch im Nemen meiner Mutter aufstehen und sagen, Ihr habt ne vollkommen falsche Vorstellung dieser Zeit und dem, was die 68er bewirkt haben.
Zunächst muss man nach dem Krieg anfangen. Die Frauen räumten Deutschland auf. Sagt hier irgendjemand noch der Begriff Trümerfrauen was. Warum war das so ? Die Männer waren gefallen oder in Kriegsgefangenschaft und so mußten die Frauen die Trümmer wortwörtlich aufräumen. Und zwar ohne das die Männer ihnen diese Erlaubnis gaben.
Es mag vielleicht ja sein, dass manche paradoxe Dinge im Gesetz festgeschrieben waren wie, dass eine Frau nur arbeiten durfte mit der Erlaubnis des Ehemannes, aber auch im Gesetz von Tennessee steht heute noch, dass Frauen alleine nicht Autofahren dürfen. Und ? Nur weil es im Gesetz so drinstand, heißt das nicht, dass es in der Familie so gemacht wurde. Ich war 1968 6 Jahre alt und stellt Euch vor im Supermarkt saß an der Kasse ne Frau und beim Metzger gab mir die Verkäuferin ein Radel Gelbwurscht und ich sagte artig Danke und beim Friseur, damals war ich noch dort, schnitt mir ne Frau die Haare. In der Grundschule und im Kindergarten arbeiteten Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen und die hatten teilweise selber Kinder und meine Mutter hatte einen Job während der ganzen Zeit während ich aufwuchs.
Sagt mal was habt ihr bitte für Vorstellungen von den 60ern ? Das grenzt ja schon an Gehirnwäsche.
Das war ab 68 bis 72 nicht plötzlich eine andere Welt in der wir lebten. Klar gab es Berufe, die Frauen nicht so einfach wählen konnten und es ist gut, dass das nicht mehr so ist, dass heißt aber nicht dass die Frauen überhaupt nicht arbeiteten oder ab dem ersten Kind nur Hausfrau waren. Gerade viele Frauen arbeiteten aber in Berufen, in denen Sie Beruf und Kinder gut unter einen Hut bringen konnten. In der gemeinsamen Metzgerei war hinter der Metzgerei ne Wohnung und dort waren dann die Kinder und wenn jemand in das Geschäft kam und die Klingel ging, deshalb war am Eingang diese Klingel (!), dann stand die Frau vom Helfen bei den Hausaufgaben auf, bediente die Kundschaft im Geschäft und ging danach zurück zum Spößling. Auch meine Mutter arbeitete sozusagen zu Hause, weil wir unsere Wohnung am Arbeitsplatz miner Mutter hatten.
Und mehr, die gemeinsame Metzgerei, der Familienvater schlachtete, machte die Wurst und die Schnitzel und die Frau verkaufte sie, es waren gemeinsame Entscheidungen. Die Frau sagte zum Mann, Du Deine Gelbwurst verkauft sich schlecht, da müssen wir was machen und dann verbesserte man geminsam den Geschmack, der Konsistenz oder der Halzbarkeit. So lief das ab.
Das Problem ist, dass das heute beim Real eben nicht mehr geht. Hier wurde durch Großkonzerne mit Dumpingpreisen und Marktmacht eine Infrastruktur in der Familie vernichtet, auch deshalb ist es für Frauen heute so schwer Arbeit und Beruf unter einen Hut zu bringen. Weil die guten und gewachsenen Umstände der 50er Jahre vernichtet wurden.
Und was haben wr davon ? Nun sind alle kleinen Geschäfte eliminiert und die Lebensmittelpreise steigen drastisch. Warum ? Weil die Großkonzerne nun keine Konkurrenzt mehr haben und sich einfach absprechen. So läuft das !
Und natürlich haben wir als Folge kein Wirtschaftswunder mehr !
Was haben nun die 68er bewirkt, bzw. was haben Sie uns gebracht oder gegen was sind sie aufgestanden ?
Wenn man die 68er betrachtet, dann muss man sich mit vielen Dingen aus der damaligen Zeit befassen. Seit 1966 gab es die große Koalition, die Notstandsgesetze wurden eingeführt, auf der anderen Seite gab es erstmals Arbeitslose in Deutschland, viele waren der Meinung, dass die Nazizeit nicht richtig aufgearbeitet wurde, bzw. viele der damals Schuldigen weiter gute Jobs hatten.
Aus diesem Konglomerat von Ereignissen, der Student Benno Ohnesorg wurde bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien (!) erschossen, entstanden die 68er. Für viele gilt der Tod von Benno Ohnesorg bis heute als Start der 68er Bewegung und das hat wenig mit Frauen am Herd zu tun. Man wollte eine Befreiung von der Staatsmacht und der Macht des Kapitalismus, die extremste Form dieses Wiederstands war schließlich die RAF, die auch aus diesen Zusammenhängen entstand. Das zeigt auch der Zusammenhang RAF und Schily, Ströbele als deren Verteidiger, die auch in den 68er führend tätig waren, auch wie Joschka Fischer.
Wie genau diese 68er entstanden kann wohl heute keiner mehr genau richtig nachverfolgen, da in so einer Masse viele sehr unterschiedliche Interessen oder Vorstellungen haben, die initialen Ereignisse hatten aber wenig mit der Emanzipation und dem konventionellen Rollenbild der Frau zu tun. Auch wenn das heute gerne so gesehen wird. Und wenn Senta Berger das sagt, dann mögen das ihre Ansätze gewesen sein, es geht aber um die Masse der Leute. Auch war die Emanzipation schon in den Familien viel weiter, wie in der Gesetzgebung und der Wirtschaft. Im Endeffekt wollte die 68er Bewegung wohl die Freiheit in den Köpfen der Bevölkerung, davon war ein Teil wohl auch die Emanzipation, in die Gesetzgebung und Wirtschaft bringen, die diese "Un"freiheiten noch verteidigen wollten.
Damit kann man zwar die ganze Emanzipationsbewegung mit den 68ern in Verbindung bringen, in den Köpfen der meisten Leute war sie aber schon vorher fest verankert. Auf jeden Fall ist die Aussage, dass in den 50ern und 60ern die Frauen hauptsächlich zu Hause am Herd standen so schlicht nicht haltbar. Veilleicht muss man den 68ern aber zu Gute halten, dass sie einen Wandel in der Wirtschaft erkannten, der dem einzelnen Menschen nicht wirklich zum Vorteil gereichte. Auch ein Teil der Aussagen der RAF müssen in diese Richtung gedeutet werden, wenn auch die Wahl der Aktionen vollkommen falsch war. Aber die extremsten einer Bewegung zeigen oft am deutlichsten, was eine Bewegung wirklich erreichen will.
Insofern muss man heute irgendwo bestätigen, dass einige der Warnungen der RAF so wohl heute Einzug gehalten haben. Wie gesagt die Wahl der Aktionen der RAF war vollkommen falsch, die Kernaussagen, die sich ja auch aus den 68ern entwickelten, treffen aber überraschend ins Schwarze. Das die 68er aber auf die Befreiung der Frau und die Befreiung der Sexualität reduziert werden ist sicher vollkommen falsch.
Digital_Data
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29.02.2008 - 19:22 Uhr
riesenherz
Was die "68er" allgemein betrifft, waren die deutschen Verhältnisse sicher auch noch einmal besonders, denn die Auseinandersetzung der erwachsen werdenden Kinder mit ihren NS-Tätereltern, die bislang geschwiegen und sich in Aufbauarbeiten gestürzt hatten, gab den jungen Leute doch andere Motivation für die Veränderung sozialer Verhältnisse.
Die Aufarbeitung der NS-Zeit in den Familien geschah also entlang einer bestimmten Jahrgangskohorte. Die letzten Täter-Jahrgänge (1926, 1927, vielleicht noch manchmal 1928) haben entsprechend halbwegs normaler Familienplanung bis zum Ende der 50 er Jahre die Kinder bekommen, folgerichtig waren es die Jahrgänge bis 56, 57, 58, die mit erwachendem politischem Bewußtsein Rechenschaft einforderten.
Ab den 60er Jahrgängen stand hier eine andere Ausrichtung der Jugendbewegung.