29.02.2008 - 14:00 Uhr

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Warum Köln jetzt zwei Literaturfeste hat - eines für "reiche" und eines für "arme" Schriftsteller

Text: lars-weisbrod

Auf der lit.cologne wird sich in den nächsten Tagen wieder das Literatur-Establishment die Klinke in die Hand drücken. Mittendrin sicher auch ein paar Erfolgsautoren, die für ihr Alter ausgesorgt haben. Aber was machen eigentlich die Schriftsteller, die keinen großen Verlag im Rücken haben? Auf der Little Cologne, einer kleinen Parallelveranstaltung, sprechen dieses Jahr die Lesebühnenautoren Katinka Buddenkotte, Christian Bartel und Olaf Guercke über ihr Verhältnis zum Geld und zur Agentur für Arbeit.

Olaf Guercke (links) und Christian Bartel. Bild: slamaniac.de Warum gibt es die Little Cologne? Stimmt was nicht mit der lit.cologne? Christian Bartel: Während die lit.cologne wie ein wild gewordener Labrador durch die ganze Stadt ramentert, wird sich die Little Cologne unaufdringlich und unprätentiös zeigen. Wir sind gewissermaßen der Streichelzoo unter den Literaturveranstaltungen. Außerdem bin ich bei der lit.cologne nicht eingeladen. Wahrscheinlich ein Versehen. Katinka Buddenkotte: Als wir die Little Cologne im letzten Jahr ins Leben gerufen haben, lag das vor allem daran, dass wir von der vorjährigen lit.cologne enttäuscht waren. Die Veranstaltungen, die uns interessant erschienen, waren schnell ausverkauft, und wollte man sich in einer Woche wirklich mehrere Veranstaltungen ansehen, wäre das wirklich fast unerschwinglich geworden. Vielleicht ist das auch eine Sache des persönlichen Geschmacks. Ich bin auch kein Fan von "Rock am Ring". Olaf Guercke: Bei der Little Cologne geht es dieses Jahr um Geld haben und kein Geld haben. Die soziale Frage also. Ein Thema, das auf der lit.cologne zwar auch vorkommt, jedoch eher am Rande. Jede Menge guter Stoff, der darauf wartet, in möglichst feine Kunst umgefrickelt zu werden. Eine Veranstaltung der Little Cologne verheißt "einen heiteren Abend mit der Arbeitsagentur". Was verbirgt sich dahinter? Buddenkotte: In den letzten beiden Jahren haben ein paar meiner Freunde unter den Hartz-Reformen gelitten, das war alles andere als heiter. Aber wenn man einige Passagen aus den Schreiben mit der Arbeitsagentur mal aus dem Kontext nimmt, sind sie zumindest skurril. Guercke: Ich möchte ergänzend hinzufügen, dass sich die Arbeitsagentur seit der Einführung von Hartz IV zunehmend als Verursacherin guter Lesebühnen-Literatur verdient gemacht hat. Sie bestellt die Autoren ein, veranstaltet mit ihnen ihre entwürdigenden Spielchen und erzeugt damit einen Grimm, der sich in zum Teil prachtvollen Texten Bahn bricht. "Geld, ein besonderer Saft", heißt eine weitere Veranstaltung der Little Cologne. Wieso Saft? Bartel: "Geld, ein ganz besonderer Saft" ist ein Titel, der sehr schön nach einfältigem Servicejournalismus klingt. So hätte auch die „Apotheken-Umschau“ titeln können. Außerdem ist das Bild vollkommen schief. Das hat uns sehr gefallen.
Katinka Buddenkotte Katinka Buddenkotte wird als "Deutschlands prekärste Poetin" angekündigt. Würdet ihr euch tatsächlich zu dem zählen, was in der vergangenen Debatte Prekariat genannt wurde? Buddenkotte: Nein, nachdem ich in den letzten zwei Jahren unfreiwillige Direktrecherche im Prekariat gemacht habe, zähle ich mich nicht dazu. Guercke: Als Inhaber eines zeitlich befristeten Arbeitsvertrages und Amateur-Autor befinde ich mich in einer einigermaßen komfortablen Lage, die jedoch sehr schnell prekär werden könnte. Die Kollegen, die den Mut haben, es mit der Profi-Schriftstellerei zu versuchen, haben es mit Sicherheit sehr viel schwerer als ich, ernten aber dafür mehr Ruhm. Bartel: Ich leide keinen existenziellen Mangel und mag den Begriff "Prekariat" ohnehin nicht, weil er zu ungenau ist. Gleichwohl macht sich bei mir an schlechten Tagen bisweilen auch mal ein Prekariatsgefühl breit. Aber das vergeht. Ich muss kein Fastfood essen, habe ausreichend Zugang zu Kulturgütern und fahre ans Meer, wann immer ich Lust dazu habe. Welchen Berufen geht ihr neben dem Schriftstellerdasein nach? Buddenkotte: Schön, dass du nicht fragst, ob wir davon leben können, sondern direkt davon ausgehst, dass wir das nicht tun. Bei mir ist es zu Glück mittlerweile so, dass ich mit dem "Dasein" völlig ausgelastet bin. Guercke: Ich bin Krankenpfleger und arbeite im Bereich Drogensubstitution. Das hält mich zwar oft vom Schreiben ab, bewahrt mich aber auch davor, mich als Autor auf dem freien Markt durchsetzen zu müssen. Bartel: Neben reinen Brotjobs, die reichlich unspektakulär sind, bin ich Mitherausgeber der Zeitschrift EXOT und gebe Seminare im Kreativen Schreiben. Es gibt da keine feste Grenze zwischen Lustbarkeit und Beruf. Das nervt zugegebenermaßen manchmal auch. Macht ihr euch manchmal Sorgen um eure Altersvorsorge? Buddenkotte: Ja. Guercke: Natürlich. Ich zum Beispiel habe gerade einen Riester-Rentenvertrag abgeschlossen und paar Tage später erfahren, dass die ca. 200 Euro im Monat, die dabei für mich als Rentner herausspringen würden, vom Staat wieder einkassiert würden, falls ich nicht über die sogenannte Grundsicherungsrente hinauskommen sollte. Bartel: Ich mache mir sogar öffentlich Sorgen, z.B. in meinem Text "Selbstbildnis des Künstlers als fieser alter Sack", den ich am Dienstag lesen werde. Autoren arbeiten oft in prekären Verhältnissen. Ist es ein politisches Problem, das nach einer Lösung verlangt, oder einfach eine Gegebenheit, die zum Autorendasein "dazugehört"? Buddenkotte: Weder noch. Berufswahl ist immer ein Risiko. Einziges zusätzliches Problem als freischaffender Künstler ist, dass Geld, Ruhm und Erfolg immer in so unberechenbarer Reihenfolge und nie zugleich auftreten. Aber da wüsste ich nicht, wie die Politik das noch richte sollte. Ich kann so leben, wie ich lebe, weil ich einen langen Atem, ein Problem mit Autoritäten und Büropartys sowie sehr geduldige Eltern habe. Dafür lebe ich in der ständigen Angst, jemand könnte mich in Interviews nach meiner Altersvorsorge fragen. Bartel: Das Problem unsicherer Arbeitsverhältnisse betrifft ja schon lange nicht mehr nur die Produzenten der guten alten "brotlosen Kunst". Insofern würde ich sagen, es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Selbstständigkeit, in der man sich ja auch als Autor befindet, wurde von einigen als das Arbeitsmodell der Zukunft gefeiert. Glaubt ihr das auch? Buddenkotte: Wenn sie das Gegenmodel zu dem darstellt, wie sich bei Privatsendern junge Leute um eine Ausbildungsstelle als "Sandwich-Artist" im Subway balgen, dann unbedingt. Guercke: Mir macht das Prinzip des Wettbewerbs Angst, weil jeder Wettbewerb neben Gewinnern auch Verlierer produziert. Selbstständigkeit bedeutet ja auch Selbstvermarktung und ein ständiges Sich-Abstrampeln gegen den drohenden Untergang. Mich schreckt das eher ab, auch weil ich glaube, dass ich's wahrscheinlich nicht schaffen würde. Werdet ihr eine der lit.cologne-Veranstaltung dieses Jahr besuchen? Bartel: Zu Feridun Zaimoglu wäre ich gern gegangen, aber da kann ich ja nicht. Außerdem ist er ausverkauft. Buddenkotte: Nö, kein Geld. Guercke: Ich würde zum Simpsons-Symposium gehen, kann aber nicht, weil ich da eine Spätschicht habe. Die Little Cologne findet vom 2. bis zum 4. März im Raketenclub in Köln statt. Mehr dazu auf www.little-cologne.de.


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die_liebe
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 14:29 Uhr
die_liebe

gutes interview. vielen dank. ich sehe das mit der lit. cologne genauso wie die autoren, wobei auch die promo meines erachtens ziemlich dürftig war, und die angebotenen nebenveranstaltungen auch. literatur sollte mehr spaß machen (um junge leute anzulocken).

ausserdem überleg ich gerad ob die katinka die tochter von meinem englischlehrer ist,... hmmm.. schwierig *wühl*stalk*googlel*

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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 14:37 Uhr
die_liebe

öi, das kann sogar sein.. katinka falls du da liest fände es mal interessant wie du mit deinem dad klar kommst ^^ ist ja schon ne nummer für sich, der herr! super englischlehrer und ich war mal ein jahr lang sein lieblingskind in der klasse ;) FALLS das jetzt echt dein dad war, bei mir aufm internat... kannst ja mal zurückschreiben.. *gg*
ach, und nen punkt kriegt ihr auch noch von mir :)

air_kaviar
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29.02.2008 - 14:39 Uhr
air_kaviar

lit cologne? gehe ich so selten aus dem haus, dass mir das völlig entgangen ist?

webs
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 15:03 Uhr
webs

Offensichtlich. Und Du fährst wohl auch nie Bahn oder betrittst einen Buchladen. Irgendwie unheimlich, diese Amazon-Generation.

air_kaviar
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 15:12 Uhr
air_kaviar

@webs:
semesterferien. ich verlasse das haus nur zum angeln. und am mülheimer hafen wird nur für karitatives und den besuch von erdogan geworben.

deeli
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 15:28 Uhr
deeli

mit den preisen haben sie recht. ich schau mir heut abend martin walser an und durfte dafür 18 euro irgendwas pro karte latzen. find ich schon extrem viel.

rousseau
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 16:07 Uhr
rousseau

Protest hinterher ist sinnlos - denn durch den Kauf deiner Karte
hast Du diesem System doch zugestimmt.

Karten zu diesem Preis nicht kaufen und
selber vorlesen - das ist eine Alternative.

Hinterher zu meinen: Uiuiui - das ist aber teuer
ist allerhöchstens belustigend für mich .)

Danke dafür.

groover_washington
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 16:22 Uhr
groover_washington

Hätte ich mit nachfolgendem gedicht eine chance auf einem der festivals?

Feel Gefühl

Du bist mein allerliebster Schatz ,
an deiner Seite ist mein Platz .
Weil ich dich so gerne kuschel ,
bist du mein süßer Schnuffel .

Kuschel , kuschel , kuschel , kuschel ,
du bist mein kleiner süßer Schnuffel .
Du bist mein kleiner süßer Stern ,
hab dich zum kuscheln gern .

You are my sweetest love,
this love I allays wanna hug,
because I realy love you,
the world just has to know.

I do anything for you,
there is nothing I wouldn't do.
?smile a kinda and then hug me,
with you I always want to be.

la, la, la...

Kuschel , kuschel , kuschel , kuschel ,
du bist mein kleiner süßer Schnuffel .
Du bist mein kleiner süßer Stern ,
hab dich zum kuscheln gern .

I do anything for you
there is nothing I wouldn`t do
?smile a kind and often hug me
with you I always want to be

Du bist mein allerliebster Schatz ,
an deiner Seite ist mein Platz .
Und weil ich dich so gerne kuschel ,
bist du mein süßer Schnuffel .

Kuschel , kuschel , kuschel , kuschel ,
du bist mein kleiner süßer Schnuffel .
Du bist mein kleiner süßer Stern ,
hab dich zum kuscheln gern

rousseau
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 16:26 Uhr
rousseau

Das hast Du doch geklaut .)

Das ist dieser Kuschelhasen-Klingelton, der laut Auskunft der Hersteller schon über 20.000 Fans gefunden hat
und neuerdings auch auf CD erhältlich ist.

Auf diesem Festival könntest Du aber immerhin als schlechtes Beispiel dienen.

Oder vielleicht gibt es ja auch eine Trash-Veranstaltung. Da könnte noch was gehen.

diejodie
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Mag ich Mag ich nicht

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29.02.2008 - 17:48 Uhr
diejodie

@groover: nur, wenn du dir einen langen metaler-pferdeschwanz dazu wachsen lässt.

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lars-weisbrod

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