Filmkolumne (V): Wie schafft man es, dass der Film wie ein Film aussieht?
Nadine erzählt in acht Folgen von einem Projekt, aus dem nach eineinhalb Jahren ein echter Film wurde. In der vierten Folge erklärt sie, was man alles braucht, damit der Film auch wie ein echter Film aussieht. Und warum nicht das Essen, sondern die Technik am wichtigsten ist



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Es mag sein, dass ihr am Set den Eindruck bekommt, dass ihr ungestört und viel einfacher arbeiten konntet, als wenn ihr einfach vorhandenes verwendet hättet. Nur wenn man überlegt wieviel man in den 4 Wochen in den eigentlichen Film investieren hätte können, dann muss man wirklich fragen, ob dieser Aufwand dem Film etwas bringt, nicht Euch. Hier muss die Produktion überlegen, ob das wirklich sein muss und ob es dem Film am Ende so viel bringt, dass es wirklich sichtbar wird, denn nur das zählt. Es zählt nur, was von der Leinwand auf den Zuschauer runterstrahlt.
Deshalb werden diese Aufgaben beim Film getrennt. Den Schnitt macht eine andere Position, weil er nicht weiß, wie viel Arbeit in der Szene steckt. Es interessiert ihn nicht, das man an dieser Szene einen halben Tag gearbeitet hat, er prüft ob sie in den Film paßt und wenn nicht wirft er sie vollkommen emotionslos weg.
Ähnliche Interessenkonflikte sehe ich hier bei Euch. Wenn der Drehbuchschreiber mit in die Auswahl des Drehortes involviert ist, dann ist das grundsätzlich falsch. Das ist nicht die Aufgabe der Autorin. Drehorte sucht der Regisseur alleine aus und der Produzent prüft alleine ob das machbar ist und sinnvoll. Dabei wägt der Produzent ab, wieviel Arbeit ein Drehort mit sich bringt, wieviele Kosten und was auf der Habenseite als Vorteile stehen. Wenn 4 Wochen für die Vorbereitung des Drehortes auf der Sollseite stehen, dann kann die Habenseite nicht mehr überwiegen, da 4 Wochen schon ein ziemlich langer Dreh sind. Oder anders ausgedrückt, man hätte 8 Wochen Zeit an vorhandenen Orten zu drehen, mehr Zeit die Szenen einzurichten, noch einen weiteren Take zu drehen etc. Eine Zwischenszene zu machen, die gar nicht im Drehbuch steht und das bringt dem Film wesentlich mehr, als die Anmietung eines genzen Wohnhauses.
Und noch etwas zu vorhandenen Orten. Vorhandene Orte leben, denn sie werden bewohnt. Man geht an diesen Ort, entfernt alles, was nicht zum Film paßt, tauscht persönliches aus z.B. Fotos und das war es. Der Ort lebt dadurch, dass er in Jahren entstanden ist, dass kann manchmal mehr wert sein als ungestört zu arbeiten.
Digital_Data
Ich freue mich sehr über Dein Engagement diese Kolumne zu kommentieren. Du gehörst ja mittlerweile auch zu den Stammlesern, und das finde ich toll. Dennoch glaube ich, dass Du den Sinn dieser Kolumne missverstehst. Es geht hier nicht darum, eine Richtlinie für perfekte Drehs aufzustellen. Vielmehr soll es ein unterhaltsamer Erfahrungsbericht sein, gelegentlich zugespitzt, aber fußend auf einer echten Erfahrung.
Uns zu unterstellen, dass wir dies oder jenes "falsch" gemacht haben, ist dein gutes Recht, hilft aber letztlich niemandem. Dass es viele Wege zum Ziel gibt, ist ja unbestreitbar, und immerhin haben unsere Methoden dazu geführt, dass wir ohne Geld einen Langspielfilm drehen konnten, so schlecht können sie also nicht sein.
In diesem Sinne: viele Grüße aus dem Produktionsbüro
Kein Problem, aber merke, man lernt nur aus der Diskussion. Deshalb ist es so wichtig, dass auf Filmfestivals auch über die Filme geredet wird, weil man durch diese Diskussion viel lernen kann. Das werdet Ihr auf den Festivals noch merken. Natürlich führen viele Wege nach Rom, trotzdem sollte man nicht ganz aus den Augen verlieren wie Film nun mal gemacht wird und warum das so ist. Und Film sieht eben nicht wie Film aus, weil mein ein Mehrfamilienhaus anmietet.
Ich stelle gerade was ähnliches zusammen, zwar zu einer Sportreportage, aber Film ist Film und ich glaube es wäre viel besser zu schreiben, was die Gründe sind. Z.B. ist die Geschichte mit dem Geodreieck interessant, weil solche Dinge eben passieren, aber Staubwischen hat nicht wirklich mit dem Film zu tun, da wäre wohl viel interessanter Einblick zu gewähren wie ermittelt wird, wer wo wohnt, wie die Wohnung der einzelnen Protagonisten gestaltet wird und auf welche Details Rücksicht genommen wird, z.B: Türschilder, Gardinen wegen Beobachtungsszenen etc. So erscheint mir das alles etwas oberflächlich.
Und das zieht sich durch die Ganze Kolumne. z.B. "Wie schreibt man ein Drehbuch ?" Damit assoziiere ich zumindest, dass da bei Euch ein Lernprozess war, es kann aber nicht sein, dass sich dieser Lernprozess darauf beschränkt, dass eine Seite im Drehbuch ne Minute Film ist und das man das 60 mal umschreiben muss. Ihr zeigt aber an keinem konkreten Beispiel, was sich warum geändert hat. Damit habe selbst ich Probleme irgendwie nachzuvollziehen, was da passiert ist. Und damit verkommt der Titel jedes Mal zu etwas, dass zwar eine netter Teaser ist, aber mit dem Inhalt nichts zu tun hat. Was aber gerade auch beim Film oft ein Problem ist (Titel Film).
Zwar kann man natürlich einfach schreiben, dass ist schön, aber wenn wir jetzt so darüber diskutieren, dann lernen wir womöglich alle was ;-) und damit meine ich auch explizit mich.
Digital_Data
Ich finde die Kolumne sehr interessant, empfehle sie weiter (zum Bsp meinem an einer Filmhochschule studierenden Sohn), aber sie ist sicher doppelt so wertvoll durch die Kommentierungen von digital_data.
Es ist doch keine Kritik an dem, was ihr macht, sondern eine Ergänzung, aus der sehr viel Erfahrung spricht. Das könnte auch den Machern des Films, um den es hier geht, fürderhin durchaus nützlich sein.
@digital_data: ich hoffe, du gibst auch weiterhin deine Kommentare dazu.
Man kam ans Set und war Teil der Geschichte. Man war im Haus. Ging in der Bude der alten Leute aufs Klo, Mittag gab`s beim Polizisten und wenn man mal richtig fertig war, haute man sich in der Homo-WG auf die Couch. Textprobe bei den Spießern gegenüber.
Das Haus hat uns komplett an Bord geholt. Jeden einzelnen - und für den Drehzeitraum nicht mehr losgelassen. Und ich glaube, das spürt der Zuschauer.
Soll heissen: Inidividuelle Vorgehensweise schadet doch nicht. Und auf welche Weise die Gesamtkreativität eines Teams, das gemeinsam einen Film erschafft, dadurch positiv beeinflusst wird, lässt sich als Aussenstehender wohl nicht bewerten. Und sofern diese positive Beeinflussung stattfand, kann geschehen was will und der Zuschauer wird diese am Ende auch - als fertiges, bestmögliches Gesamtergebnis - mitbekommen.
Den Punkt mit den Kosten hat Nadine ja erläutert - es gab nunmal diese fast unglaubliche Chance, das Haus kostenlos zu bekommen. Also warum soll man diese nicht nutzen? Dann darf man doch auch etwas Zeit in die Ausstattung und Säuberung stecken. Zudem finde ich gerade diese Details immer interessant zu lesen. Wie viel Vorarbeit und wirklich individuelle Hingabe in diesem Projekt steckt, was man einfach merkt, wenn man sich vor Augen führt, wie sich das staubige Haus der amerikanischen Soldaten dadurch in das lebendige Domizil der Bewohner im Film verwandelt hat.
RedMorpheus muss ich insofern zustimmen, dass diese - vielleicht unbewusste - Benennung "falscher" Vorgehensweisen nicht sonderlich produktiv ist. Nirgendwo muss man soviele Kompromisse finden und mit sovielen Umwegen, Tricks und innovativen Ideen den Weg zum erträumten Gesamtergebnis gehen wie bei einem Low-Budget-Projekt. Und in dieser Kolumne erzählt Nadine, wie sie und ihr Team diesen Weg bestritten haben - und zumindest ich (und ganz offensichtlich genug andere auch) finde(n) das sehr interessant!
daher finde ich sowohl die kommentare digital_datas als auch die kolumne an sich lehrreich, wir lernen doch bei der diskussion besonders viel, wenn auch teilweise ein wenig zu sehr kritisiert wird - denn RedMorpheus hat doch recht, wenn er sagt viele wege führen nach rom. ein wenig unperfektionismus und innovation hat doch noch nie geschadet, solange das ergebnis hinterher so ist, wie es sein soll, ist doch der weg völlig unentscheidend.
Zum einen, Digital data, weil es für mich persönlich teilweise auch zu wischi-waschi ohne Detail geschrieben ist... auch wenn ich insgesamt diese Kolumne sehr mag, hätte ich mir als Filmstudentin mehr Detail gewünscht.
Teilweise finde ich Datas Kommentare, die zwar sehr lehrreich sind, ein wenig zu sehr mit erhobenen Zeigefinger geschrieben. Man macht Fehler, aber man kann auch lächelnd auf sie zurückblicken und draus lernen...
Und Begreifer macht mit seinem Kommentar meiner Ansicht nach deutlich, dass sich die Ausstattung im Miethaus tatsächlich gelohnt hat: Wenn die Schauspieler sich so ins Drehbuch reinversetzt fühlen, wie er es beschrieben hat, dann hat sich auch der Aufwand gelohnt, wie ich finde. Auch wenn ich wahrscheinlich wirklich eine Wohnung von Bekannten o.ä. als Drehort gewählt hätte...








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29.02.2008 - 11:19 Uhr
Sargobert