28.02.2008 - 19:00 Uhr

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Junge Männer im "Zeugungsstreik": Warum wir keine Väter mehr werden wollen

Text: johannes-graupner - Illustration: katharina-bitzl / Fotos: B.Huber (DJI) und ddp

Deutschlands junge Männer wollen scheinbar keine Kinder mehr zeugen. Stattdessen: Wohnen bei Mutti, Hobbies pflegen, Selbstverwirklichung. Doch woran liegt das? jetzt.de hat im Deutschen Jugendinstitut nachgefragt

In der öffentlichen Diskussion vermutet man das Problem mal bei den Frauen, dann mal wieder bei den Männern. Kann der Staat etwas ändern, damit aus jungen Männern auch junge Väter werden? Wie der Soziologe Ulrich Beck schon richtig gesagt hat, ist die Geschlechterfrage ein Jahrhundertthema. Wir müssen also gewaltig umstrukturieren, neue Ideen und Konzepte des Zusammenlebens entwickeln. Dabei wird deutlich, dass eine Verantwortungs-Zuweisung an Männer oder Frauen, beziehungsweise eine gerechte Aufteilung zwischen beiden, einfach nicht aufgeht. Das Zauberwort lautet nun „öffentliche Erziehung“. Die ganzen aktuellen Diskussionen um Krippenausbau und Ganztagesschulen zeigen, dass die Frage des Aufwachsens nicht mehr der instabilen Kleinfamilie überlassen wird. Das Umfeld des Aufwachsens wird öffentlicher. Der Journalist und Autor Tobias Kaufmann hat die These aufgestellt, dass der Kindermangel nicht an falschen Männer- oder Frauenrollenbildern liege, sondern am aktuellen Kinderbild. Kinder hätten einfach ein schlechtes Image, noch schlechter als das von großen Hunden. Sind Kinder unsexy? Wir haben es uns in Deutschland angewöhnt, in vielen gesellschaftlichen Bereichen immer die Schattenseiten in den Blick zu nehmen. Ich sage immer, dass es im Leben eigentlich keinen intensiveren und emotionaleren Moment als die Geburt eines Säuglings gibt. Natürlich kann es auch sehr belastend sein, Kinder aufzuziehen. Gesellschaftlich wird leider meist nur diese Last kommuniziert, nicht die große Bereicherung, die Kinder ins Leben bringen. Andererseits führt ein kinderfreundliches Klima auch nicht zu unmittelbarer Zeugungs- und Gebärfreudigkeit. Das ist ein Problem, dass man eigentlich in allen modernen Gesellschaften findet. In Italien zum Beispiel sind Kinder in der Gesellschaft heiß geliebt – die Geburtenrate ist trotzdem extrem niedrig. Die Gründe dafür sind immer diffizil und vielschichtig. Wichtig ist also die Summe aller Faktoren – Wie kann man sie so beeinflussen, dass die jungen Leute wieder gerne Kinder bekommen?
Der neue Papa-Typ? Wie kann man uns jungen Männern denn wieder nahebringen, dass Kinder eine schöne Sache sind? Ein Grund ist bestimmt das öffentliche Bild, das auch über die Medien kommuniziert wird. In Soaps und im Tatort kommen Kinder kaum vor. Es gibt überall quirlige Jugendliche, aber dort sind Kleinkinder nicht Bestandteil des Lebens. An der Kultur der öffentlichen Akzeptanz von Kindern müssen sicher alle mitarbeiten – ein quengelndes Kind in der Gaststätte ist für viele ja der Horror. Ich würde mir wünschen, dass auch der Anreiz zum Kontakt mit Kindern früher kommt. 14- oder 15-jährige Jungs müssen dringend in Kontakt mit Kleinkindern kommen. Jungen leben oft über ein Jahrzehnt ohne näheren Kontakt zu einem Kleinkind. Ich könnte mir Praktika für diese Altersgruppe in Kindergärten vorstellen, damit Jungs einen Zugang zu kleinen Kindern bekommen und auch den emotionalen positiven Aspekt an Kindern entdecken. Aber insgesamt ist das natürlich ein langwieriger und mühsamer Prozess. Wie könnte denn nun das neue Rollenbild eines jungen Mannes und Vaters aussehen? Ganz persönlich würde ich sagen, dass Jungen in ihrem Erwachsenwerden lernen müssen, dass Kinder ein integraler Bestandteil einer männlichen Biographie sind. Diese Fremdheit von Kindern muss überwunden werden. Die Erziehungsfrage darf auch nicht zum Geschlechterkampf stilisiert werden, an denen die Beziehungen dann zugrunde gehen. Es bleibt natürlich weiterhin ein Balanceakt zwischen den Erwartungen, die die Partnerin und die Gesellschaft an den Mann haben – und seinen eigenen Gefühlen und Erwartungen. Dafür wird es leider keine schnellen und einfachen Lösungen geben. Wenn wir aber Männer und Frauen beiderseitig für die komplexe Gesamtsituation sensibilisieren können und die Probleme des anderen Geschlechtes darlegen, dann könnten wir uns einer Lösung annähern.
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