25.02.2008 - 17:51 Uhr

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Empehlungen, die etwas andere - Bücher halt

Text: Herr_K

Herr_K ist krank. Seit 2 Wochen liegt er zuhause und es werden wohl laut heutiger ärztlicher Auskunft auch mindestens noch mal 2. Und um nicht dem Hartz-IV-Fernsehen anheim zu fallen und weil es auch gar nicht genügend gute DVDs gibt (und weil der K es ja nicht mal in die Videothek schafft) liest er jetzt Amazon leer. Hier also eine unerwartete Kurzzeit-Rückkehr aus unerwartetem Grund. Und die ganze Welt hat was davon: Buch-Empfehlungen, gelesen in den letzten 2 Wochen, chronologisch:
Phillip Roth, Der menschliche Makel Ich mag Roth seit ich vor Jahren „Portnoys Beschwerden“ las, ein wirklich saukomisches Buch über einen New Yorker Juden, seine dominante Mutter und seine (leicht ödipalen) Beschwerden. Absolut empfehlenswert, aber das nur am Rand. Ach ja, wer sich mal so richtig intellektuell fühlen will, liest „Die Täuschung“. Das ist schwere Kost auf nicht mal 200 Seiten. „Der menschliche Makel“ also. Coleman Silk, Professor an einer amerikanischen Uni wird kurz vor seiner Pensionierung in die Kündigung getrieben, ihm werden (zu Unrecht) rassistische Äußerungen vorgeworfen. Im englischen Original ist der Stein des Anstoßes das Wort „Spooks“ – in meiner Ausgabe erklärt der Übersetzer in einem Vorwort, dass es keine deutsche Entsprechung gibt und er sich deshalb für „dunkle Gestalten, die das Sonnenlicht scheuen“ entscheidet. Mutig, aber es funktioniert. Und dieser Vorgang ist ja auch nur der Aufhänger: Kurze Zeit später stirbt Silks Ehefrau und er beginnt einer Affäre mit einer Putzfrau der Universität. Das alles kann ich hier schreiben ohne zu viel zu verraten, denn es passiert auf den ersten 40 Seiten. Roth beschreibt den Rest des Buches die Gefühle der Beiden, die Reaktionen der Umwelt und der Familie, sowie die Vorgeschichte der Protagonisten. Etwas schade finde ich, dass er sehr früh den großen Twist des Buches, die alles entscheidende Änderung, das Geheimnis des Coleman Silk verrät. Auf weiten Strecken wirkt das Buch daher irgendwie … ja… überflüssig. Roth ist ein großartiger Erzähler, daher wird es auch nicht langweilig, wenn er einen Handlungsstrang, einen Gedanken zum Hundertsten Mal aufgreift – aber 100 Seiten weniger (es sind knapp 400) hätten es auch getan. Die Querverweise zur Clinton-Lewinsky-Affäre sind am Anfang noch interessant und hilfreich (Roth will offensichtlich ein Plädoyer gegen die Engstirnigkeit der Gesellschaft halten) aber irgendwann hat man das verstanden und überliest weitere Hinweise. Alles in allem ein fantastisch geschriebenes Buch, eine spannende Erzählung, eine faszinierende Geschichte und ein wichtiges Statement gegen Vorurteile und Ressentiments – das zum Ende hin aber einfach zu lang wird. Roth findet kein Ende. Lesen weil - Roth einer der ganz großen ist. - der Literaturnobelpreis sicher noch in diesem Jahrzehnt kommt - die Geschichte kraftvoll und warmherzig zugleich ist Im Regal stehen lassen weil - die Moral manchmal einfach zu dick aufgetragen daher kommt - die ständigen Wiederholungen irgendwann langweilen - man viel Zeit braucht (kein Buch für den Tag am Strand)
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