14.02.2008 - 19:15 Uhr

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Wenn Zweijährige Marketing lernen: Julia wollte wissen, was Elite ist

Text: peter-wagner - Foto: Gerrit Hahn

Ein Jahr lang besuchte Julia Friedrichs, 28, sogenannte Eliteschmieden. Sie fragte sich, was Elite eigentlich ist. Heute sagt sie: An Elite-Schulen werden Menschen dem normalen Leben entzogen. Ein Interview über einen vielgebrauchten Begriff und darüber, was er mit Angst zu tun hat.

Du hast dich vor drei Jahren bei McKinsey beworben und einen Text über das dortige Auswahlverfahren geschrieben. War das der Ausgangspunkt zur Recherche für dein Buch*? Genau. McKinsey hat damals den Begriff "Elite" so propagiert: "Wir formen Eliten, wir machen Eliten. Wer bei uns ist, der ist Elite." Da dachte ich: Uh, was soll das heißen? Am Ende deiner Bewerbung lag sogar ein Vertrag vor dir. Hast du überlegt, zu unterschreiben? Ich hatte ein, zwei Wochen gezögert – die Verlockung war plötzlich so groß. Es hat mich selbst erschreckt, wie sehr es mich gekickt hat, das Verfahren geschafft zu haben. Und als ich dann den Vertrag in der Hand hatte, der soviel Geld bedeutet hätte … Wieviel wäre das gewesen? 67.000 Euro im ersten Jahr plus Auto … aber letztendlich war meine Skepsis größer. Aber du hast diesen Moment erlebt, in dem man das Gefühl hat, zu einem erlesenen Kreis zu gehören. Auf jeden Fall. Ist dieses Gefühl ein Motiv, zu einer Elite gehören zu wollen? Es ist mehr. Die Studenten an den Elite-Unis antworteten auf meine Frage, ob sie Angst hätten, arbeitslos zu werden kategorisch mit „Nein“. Wenn man Elite wird, ist man viele Sorgen los. Welche Unis hast du für deine Recherche besucht? Ich war vor allem an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel – dort habe ich einen Studenten über ein Jahr hinweg immer wieder getroffen. Dann war ich an der Bucerius Law School in Hamburg, an der WHU in Vallendar und dann habe ich noch Studenten der Bayerischen Eliteakademie getroffen. Wo hast du selbst studiert? In Dortmund. Was ist der Unterschied zwischen den Unis? An den privaten Wirtschaftsunis studieren nur 25 bis 30 Prozent Mädels - die kommende Wirtschaftselite scheint eine männliche zu sein. Und mir ist aufgefallen, dass alles nach wem heißt. Das neueste Gebäude an der EBS heißt Kiep-Center nach Walther Leisler Kiep. Der Eingangsbereich heißt nach einer Möbelfirma, die Hörsäle heißen „Deutsche Bank“-Hörsaal oder Daimler-Chrysler-Raum. Vielleicht schwer, aber: Kannst du „Elite“ definieren? „Elite“ ist für viele ein Label, sich selbst zu pushen. Der Begriff wird unscharf benutzt. Jeder benutzt ihn, wie er ihn braucht. An den Internaten, wo Noten keine Rolle spielen, wird gesagt: Wir sind eine Verantwortungselite. An den Wirtschaftsunis wird gesagt: Wir sind eine Leistungselite. Mein Eindruck aber war, dass dort die Geldelite eine wichtige Rolle spielt. Deshalb halte ich den Begriff heute für eine gesellschaftliche Debatte für unbrauchbar. Wenn mich jemand fragt, ob wir Eliten brauchen, könnte ich nicht sagen: Ja oder Nein. Ist nur der Begriff ein Problem? Oder ist es ein Problem, dass es prinzipiell Bereiche gibt, in die sich „Geldeliten“ oder „Leistungseliten“ zurückziehen können? Die private Bildungskarriere beginnt heute mit zwei Jahren. Eltern kaufen sich Kindergärten für 1.000 Euro im Monat und dann geht das so weiter bis zum Ende des Studiums. Diese Entwicklung halte ich für falsch. Weil ich das Gefühl habe, dass diese Kinder aus dem normalen Leben rausgezogen werden und mit allem, was normal ist, wenig zu tun haben. Ist das ein Kennzeichen von Elite? Ja. Allein die Orte sind sehr exklusiv. Dadurch wird ja schon eine Botschaft gesendet: Hier ist etwas Erlesenes. Und Elite funktioniert, indem man ein paar Leute nimmt und ihnen sagt, sie seien Elite. Die Studenten der Bayerischen Eliteakademie, die ich als sehr nachdenklich erlebt habe, die hatten deshalb ein Riesenproblem mit dem Begriff Elite. Weil die immer gesagt haben: Wir sind gute Studenten, wir strengen uns an. Aber von uns gibt es noch soviel mehr! Warum ist der Begriff so populär geworden? Es scheint mir, als würde der Begriff wie ein Werkzeug eingesetzt, mit dem man diverse Probleme, zum Beispiel in der Bildung, kurieren kann. Tja, am Ende dachte ich, ich hätte Mitleid mit dem Wort. Weil es eines der am meisten instrumentalisierten Wörter in der aktuellen Diskussion ist. Man will zum einen die deutsche Hinterherhink-Angst bekämpfen. Zum anderen benutzen es vor allem die privaten Bildungseinrichtungen, um sich selbst aufzuwerten. Es ist schicker zu sagen, dass hier Elite erzogen wird. Das klingt besser als "Wir sind für Kinder wohlhabender Eltern eine gute Schule oder Uni". Welche Erlebnisse hast du aus dem einen Jahr Recherche mitgebracht? Ich war zum Beispiel in einem privaten Kindergarten und habe dort eine Hausführung bekommen. Mir wurde dann auch der Keller gezeigt: Da war eine komplette Wellnesslandschaft mit Sauna und Physiotherapie – weil die auch schon oft Rückenschmerzen hätten. Das war wie ein Vorgriff auf das Managerleben. Hochgradig absurd. Kann es sein, dass wir das Elite-Wesen erst in den vergangenen 10, 15 Jahren gelernt haben? Gerhard Schröder hat 1998 gleich in seiner ersten Regierungserklärung gesagt: Jetzt brauchen wir wieder Eliten! So hat der natürliche Gegner der Eliten, die Sozialdemokratie das Okay gegeben. Das hat einen Umschwung gegeben, glaube ich. Und dass so viele Einrichtungen sich so offen als Elite bezeichnen, das hätte es vor ein paar Jahren nicht gegeben.
Julia Friedrichs arbeitet als Journalistin in Köln und Berlin.
Gibt es eine Verschärfung der Bildungsbedingungen? Dass der Mensch, naja, nutzbarer gemacht werden soll? Das hat sich durch meine Recherchen gezogen: Wissen soll immer direkt verwertbar sein. Das ist schon bei Zweijährigen zu beobachten, deren Eltern über Englisch und Chinesisch nachdenken, weil sie die Sprache für nutzbar halten. Und nicht, weil sie sie schön finden. Es geht um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und, noch ein Beispiel: Wir waren in einer Kleinkindschule für "ab 2-Jährige" - da lernen die Kinder Marketing! Wirklich? Mit zwei Jahren? Sie müssen ein Spielzeugmonster entwerfen unter dem Gesichtspunkt: Wie soll das Monster aussehen, damit es die meisten Kinder kaufen? Und die sind zwei, die Kinder! Das klingt nach einer Perversion des Frühförder-Gedankens. Aber auch diese Kleinkindschule erfreut sich einer großen Nachfrage. Die Eltern wollen das. Bei den Kleinkindern waren das vor allem obere Mittelschicht-Eltern, die einfach eine Höllenangst haben, dass ihr Kind scheitert oder arbeitslos wird. Die denken: Wenn er mit zwei Jahren schon soviel kann, dann kann er schon nicht scheitern. Da ist "Elite" wie eine Versicherung. Derzeit gibt es so viele Privatschulen wie noch nie. Der Anteil an den allgemeinbildenden Schulen ist auf 7,5 Prozent gewachsen. Haben diese Schulen wegen der Angst der Eltern soviel Zulauf? Das streben die Eltern an: Meinem Kind sollen die ganzen Sorgen erspart werden. Deshalb findet zwischen den Eltern der Kleinkinder schon ein Wettrüsten statt. Powerpointkurse für Vierjährige zum Beispiel – alles im Angebot. +++ *Gestatten, Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen von Julia Friedrichs ist bei Hoffmann und Campe erschienen und kostet 17,95 Euro.


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moe123
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2008 - 19:33 Uhr
moe123

hab mal im stern n artikel von nem sozialwissenschaftler gelesen, der der festen überzeugung war, dass man nur zur elite gehören kann, wenn man schon als kleinkind lernt souverän mit macht umzugehen, da dachte ich schon "ach, du scheiße" aber das,was sie hier berichtet, setzt dem ganzen die krone auf....

riesenherz
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2008 - 19:59 Uhr
riesenherz

Wo Elite ist, da ist Überheblichkeit und Arroganz nicht weit.
Aber Obacht: wer überheblich empfindet, hat sich schnell überhoben.

filler_thriller
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14.02.2008 - 20:28 Uhr
filler_thriller

riesenherz sagte:
Wo Elite ist, da ist Überheblichkeit und Arroganz nicht weit.


ja. und jeden jungen menschen der sich für elite hält und mir bis jetzt über den weg gelaufen ist war ein absolutes karrakterschwein und gleichzeitig ein charakterkrüppel.
aber das ding ist ja, dass es solche leute schlicht und einfach nicht interessiert. deren überheblichkeit reicht über jedes argument.

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14.02.2008 - 20:34 Uhr
filler_thriller

und noch eine nette anekdote zur thematik im speziellen früherziehung: familie meint kind muss elite sein, kind ist gerade drei und ein junge. kind hat tante in frankreich. kind ist zwar erst drei, aber französisch sollte es doch sprechen können... also denken sich mutter und vater, schicken wir unseren goldjungen doch einfach mal nach frankreich. mitkommen kann man natürlich nicht, man ist ja hier und da und dort im vorstand.
kind ist also dreieinhalb monate in frankreich. zum abholen nimmt sich mama einen tag frei.
was ist passiert?
das kind ist lernfähig: es sagt jetzt zur tante mama und spricht fließend französisch. leider kann es kein deutsch mehr.
glücklicherweise war die mutter so von der aberkennung ihrer rolle gekränkt, dass sie nachgedacht hat und den jungen von der kleinkindschule genommen und in einen privaten kindergarten mit englischunterricht gesteckt hat.

Noka
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14.02.2008 - 21:25 Uhr
Noka

Hallo zusammen.
Ich möchte ja nicht aufdringlich sein. aber:
Ich bin selber an einer Eliteschule in der Schweiz. Diese Darstellung der Elitenschulen finde ich ziemlich einseitig.

Celleci
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14.02.2008 - 21:43 Uhr
Celleci

@Noka: Dann berichte! Wir hören.

koons
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14.02.2008 - 22:47 Uhr
koons

ich glaube wirkliche "eliten" sind schlau genug sich nicht als eliten zu bezeichnen...

ich traue diesem elitärem gehabe nicht.
man kann sich sich nicht selbst die krone aufsetzen (mckinsey), zur elite wird man durch anerkennung und respekt - es liegt an uns ob wir der inszenierung des elitären glauben und sie somit tatsächlich zur elite küren.

curious82
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14.02.2008 - 23:09 Uhr
curious82

Moin auch - komme ebenfalls von einer Hochschule, die (in erster Linie von Außenstehenden) gerne als Elitehochschule bezeichnet wird und kann nur den differenzierten Blick einfordern. Den Klischeeelitestudenten (in erster Linie wohl BWLer, aufgrund der großen Zahl privater Business Schools) gibt es ebenso wie den Klischeegermanisten und den Klischeephysiker. Sie sind manchmal eher die Regel, manchmal auch nur die Ausnahme. Menschen, die in ihre Bildung investieren und damit vielleicht die dicke Brieftasche von Papi, vielleicht aber auch hohen Leistungswillen demonstrieren per se zu verurteilen halte ich doch für reichlich armselig. Viele meiner Kommilitonen haben ihre Ausbildung durch Erspartes oder Kredite finanziert, weil sie der Überzeugung waren (und sind), dass es sich in diesem (nicht in jedem) Fall lohnt und demonstrieren heute jeden Tag im Job, dass sie etwas aus ihrer Ausbildung ziehen konnten (immerhin ist noch keiner entlassen worden).

Außerdem @ filler: hier habe ich andere Erfahrungen gemacht. In meiner Stadt herrschen große Vorurteile gegenüber mir und meinen Kommilitonen. Die meisten, die mein Umfeld jedoch näher kennengelernt haben, waren eher angenehm überrascht. Und dazu gehörten neben BWLern und Juristen vor allem Geisteswissenschaftler der staatlichen Uni.

DarkAngel9434
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14.02.2008 - 23:28 Uhr
DarkAngel9434

Viele Beispiele in dem Artikel kamen auch in der Doku auf Phoenix vor, die erst vor ein paar Tagen lief. Z.B. das mit dem Spielzeugmonster. Auf die Frage hin, ob die Englischlehrerin im Kindergarten überzeugt davon ist, dass die Kinder (das jüngste war gerade 3 Jahre alt) sie denn verstehen:Sie ist überzeugt davon. Dabei können die meisten gerade mal Verneinen oder Bejahen. Einige können sogar auf englisch bis 14 zählen! Der Direktor einer bestimmten EliteUniversität hat auf die Frage hin, was mit Menschen ist, die sich das nicht leisten können schlichtweg gesagt: ,,Die haben Pech gehabt." Und auch die Schüler die bei einem Mittagessen befragt wurden, waren ebenso penetrant: ,,HartzIV-Empfänger passen hier nicht rein.Die Einstellung kommt ja auch von den Eltern, und wenn die schon arbeitslos sind...". Als die Mutter eines 5 Jährigen Kindes, nicht auf einer englischen Privatschule für Grundchulkinder einen Platz für ihren Sohn bekommen konnte, (weil alles besetzt war) war diese sogar bereit die Schule zu verklagen. In Anbetracht dieser Drohung gestattete die Schule die Aufnahme.
Also Eltern sind jedes Mittel Recht ihre Kinder in soetwas hineinzudrängen.

theborg
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14.02.2008 - 23:41 Uhr
theborg

Man trage einen schicken Nadelstreifenanzug, produziere den ganzen Tag bunte Power-Point Präsentation und finde sich selbst unglaublich toll. Ich frag mich was die Leute auf diesen Elite-Schulen beigebracht bekommen? Wenn ich sehe, was mir in meinem Leben schon für ach so tolle "Unternehmensberater" vor der Nase rumgelaufen sind, die von tuten und blasen keine Ahnung hatten, aber blödquatschen konnten... Ich frag mich immer noch, welcher Firmenchef so blöd ist, und solche Geldvernichter ins Haus holt...

Meyer_Lansky
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14.02.2008 - 23:52 Uhr
Meyer_Lansky

@Curious82: Eben. Das Ganze kommt mir hier eher vor wie eine schlechte Neid-Debatte. Man sollte sich hier mal lieber Gedanken darüber machen, dass der Großteil dieses Landes in einem beschissenen staatlichen Bildungssystem rumhängt und die BRD zunehmend ein geistiges Ghetto wird. Bald wird den Kindern zur Einschulung auch noch eine Hymne vorgesungen werden: Been spending most their lives, living in a gangsta's paradise...

Abgesehen davon: Es wird den Deutschen mal ganz gut tun, wenn sie ihren Blick auf andere Länder richten und sich ansehen, was von dort in den nächsten Jahren auf sie zukommen wird. Denn dort gibt es Länder, in denen die Menschen nicht dümmer sind als hier, jedoch sehr viel hungriger - in jeglicher Hinsicht. Auch sollten die Deutschen mal ihren Beißreflex abstellen, wenn es um die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Universitäten geht. Dann würden die Leute hier vielleicht auch mal erkennen, wo die Vorteile liegen, wenn Hörsäle von Firmen bezahlt werden.

strikingback
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15.02.2008 - 01:25 Uhr
strikingback

Sorry, aber ich habe selten so schlechte Interview-Fragen gelesen. Weiterbilden!!!

seleukos
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15.02.2008 - 07:19 Uhr
seleukos

Krass, aber wenig überraschend, wie ich finde.
Erinnert mich an das eine oder andere asiatische Land..

Austin08
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Mag ich Mag ich nicht

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15.02.2008 - 08:49 Uhr
Austin08

Vielleicht kann ich Noka ja etwas beispringen. Auch ich war an einem sog. Eliteinternat, danach an einer sog. Eliteuni. Und meine Erfahrung ist nicht halb so überzeichnet, wie in dem Interview dargestellt. Wirklich nur eine ganz kleine Minderheit sah sich an beiden Institutionen wirklich als Elite. Die allermeisten wussten und wissen, dass man Elite erst ist, wenn man sowohl beruflich erfolgreich (was nicht am Geld zu messen ist) als auch sozial verantwortlich sein muss. Der Dekan unserer Uni hat sogar ausdrücklich und zu Recht darauf hingewiesen, dass das Wort Elite wirklich IMMER nur von denen benutzt wird, die es gerade nicht sind. Auch glaube ich, dass hier der deutsche Neidkomplex das viel größere Problem ist. Wenn jemand an teure Internate und Unis gehen will, dann ist das doch seine freie Entscheidung - schön für ihn. Und wenn man dort besser ausgebildet wird (was nun einmal der Fall ist), dann ist das einem auch zu gönnen.
Aber nun das Bild zu zeichnen, dass man dort arrogant auf dem hohen Ross sitzt ist schlicht falsch. Ich habe selten so viele Leute getroffen, die sich wirklich von Herzen sozial engagieren und sich integer verhalten.
Das Kindergartenbeispiel ist auch von einem anderen Stern. Das sind totale Ausnahmen, die sich in Prozent gar nicht mehr messen lassen.

marksu_
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15.02.2008 - 08:56 Uhr
marksu_

ich seh da zwei höchst unterschiedliche dinge ... zu einen ist es gut und wichtig begabten menschen besondere einrichtungen zur bildung und forschung zur verfügung zu stellen, damit sie besondere leistungen im späteren forschungs- oder berufsleben erbringen können ............. ich finde es aber gesellschaftlich extrem kritisch, wenn als zugangskriterium für solche einrichtungen geld oder eh schon vorhandene macht im spiel ist .... das soll man einfach sagen, dass es eine schule für reiche ist

mit elite sind zum einen wissenschafter gemeint, die vielleicht durch ihre arbeit mal einem nobelpreis nahe kommen und zum andren ein teil der gesellschaft, der sich als etwas besseres fühlt.

das erste ist gut und wichtig, das zweite ist scheisse

Austin08
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15.02.2008 - 09:09 Uhr
Austin08

Das stimmt natürlich. Aber auch hier muss man feststellen, dass das (schriftliche) Auswahlverfahren der Eliteunis streng anonym ist - es somit auf soziale Herkunft nicht ankommt, und zweitens die Finanzierung sehr sozial gestaffelt ist - so dass es auch auf das Einkommen (der Eltern) nicht ankommt. Auch diese soziale Komponente vermag der Staat im Moment nicht zu leisten. An der WHU kann man z.B. ein Modell wählen, bei dem man die Gebühren erst bezahlt, wenn man verdient. Für einen bestimmten Zeitraum, muss man dann einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens zurück zahlen. Wer viel verdient, zahlt viel zurück, wer wenig verdient, zahlt wenig, manchmal sogar gar nichts zurück. Und das ganze ist dann auch noch zeitlich begrenzt, so dass niemand fürchten muss, dauerhaft zahlen zu müssen.
Das ist soziale Avantgarde, wie sie der angeblich so soziale Staat noch nicht zu leisten vermag.

der_neue_orhe
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15.02.2008 - 09:10 Uhr
der_neue_orhe

marksu, du hast wunderbar auf den punkt gebracht, was ich eben auch sagen wollte. nur ein flasch gebrauchter elite-begriff ist zu kritisieren. elite an sich keineswegs.

kulturgut
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15.02.2008 - 09:13 Uhr
kulturgut

es ist ganz normal und wünschenswert, dass der reichtum, den sich vorhergehende generationen erarbeitet haben, auch dem nachwuchs bessere ausgangschancen verschafft.

das ist sogar gerecht, auch wenn das neider natürlich nicht einsehen wollen - denn es war für die anschaffenden generationen oft eine starke motivation, ihrem nachwuchs etwas bieten zu können, und wir wissen nicht, ob sie ohne diese aussicht genauso viel geleistet hätten. wie auch immer: es geht andere schlicht nichts an, ob und wieviel reiche ihre kinder fördern, es ist ja deren eigentum. und auch für die gesamtgesellschaft ist es sehr gut, wenn zumindest mal ein teil der leute durch private absicherung aus dem spinnennetz der sozialstaatlichen abhängigkeiten entkommt.

wie der reiche nachwuchs seine besseren startchancen verwandeln kann steht auf einem anderen blatt. denn motivation und leistungsbereitschaft können durch die begleitumstände bereits vorhandenen wohlstands durchaus auch leiden. aber mal von einigen negativen ausnahmen abgesehen wird das in der erziehung bereits berücksichtigt - und sie merken oft schneller als beispielsweise intellektuelle eliten, wie schädlich überheblichkeit beim erreichen von zielen sein kann.

dass aber, wie das riesenherz andeutet, erfolg und leistungswille automatisch bestraft werden, mag der wunsch der neider sein, ist aber meist nicht so. wir alle profitieren von den fortschritten, die andere generationen erzielt haben - in form von technischen errungenschaften etwa. und bei einigen kommt eben individuelles glück dazu.

aber diese idee, dass jeder besonders glückliche für seine glücklichen voraussetzungen bestraft wird und am ende bei allen dasselbe rauskommt, ganz unabhängig vom aufrichtigen bemühen um ein sinnvolles leben, das vom eigenen startpunkt aus noch weiter nach vorne geht - diese art von schicksalssozialismus ist gottseidank nur ein wunschtraum, mit dem sich neider trösten.

__xxx__
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15.02.2008 - 09:35 Uhr
__xxx__

"An den Wirtschaftsunis wird gesagt: Wir sind eine Leistungselite"

Habe Tränen gelacht als ich das gelesen habe :D Bitte im Duden nachschlagen, was "Leistung" heißt.

deine_Eltern_sind_auf_einem_Tennisturnier
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15.02.2008 - 09:41 Uhr
deine_Eltern_sind_auf…

Wollte nur was zum Thema Hörsäle mit Unternehmensnamen sagen:
Ich bin gerade in Schweden an einer Uni, wo es einige dieser Säle gibt und die Uni ist sehr, sehr gut ausgestattet. Warum sollte die Wirtschaft nicht ein bisschen sponsern, wenn sie den Studenten dadurch bessere Studienbedingungen ermöglichen?

kulturgut
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15.02.2008 - 09:46 Uhr
kulturgut

deine_Eltern_sind_auf_einem_Tennisturnier sagte:
Wollte nur was zum Thema Hörsäle mit Unternehmensnamen sagen:
Ich bin gerade in Schweden an einer Uni, wo es einige dieser Säle gibt und die Uni ist sehr, sehr gut ausgestattet. Warum sollte die Wirtschaft nicht ein bisschen sponsern, wenn sie den Studenten dadurch bessere Studienbedingungen ermöglichen?


die nicht ganz unberechtigte sorge ist, dass auch einfluss auf lehrinhalte ausgeübt werden könnte. vielleicht nur subtil, aber eben doch.

aber: firmen und interessengruppen stehen miteinander im wettbewerb, und wenn alle ohne große hürden sponsern können heben sich die einflussnahmen im kampf um die objektiv beste wissenschaft gegenseitig auf. also wäre es wichtig, die hürden für das sponsern deutlich herabzusetzen.

anders ist es, wenn der staat einfluss auf lehrinhalte nimmt: der kann falsche dogmen wesentlich länger aufrechterhalten, weil er zwingen kann.

suesswarenabteilung
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15.02.2008 - 10:05 Uhr
suesswarenabteilung

ich muss ganz ehrlich sein: wenn es um elite geht, habe ich einzig und allein ein problem mit dem guten geld. von diesem modell der whu hab ich auch schonmal gehört, also scheint das wohl zu stimmen, finde ich gut. ich glaube, was die meisten leute an "elite" stört, ebenso auch mich, ist die tatsache, dass man die zugehörigkeit [und auch schon die möglichkeit dazu] zu einer elite oft an das finanzielle wohl koppelt - überspitzt gesagt, wer geld hat, kann sich in das elitäre system hineinkaufen. natürlich gibt es auch aufnahmeprüfungen und dergleichen. wenn nicht, wäre das ja auch ein armutszeugnis. aber für mich gibt es zwei verschiedene sichtweisen von elite: a) die geldunabhängige, die nur mit der kompetenz, der intelligenz und ähnlichen komponenten zusammenhängt und b) die sichtweise, in der eben auch die menge an geld, die man besitzt eine große rolle spielt [ohne oder plus der genannten merkmale aus a)].
ich finde, es sollte mehr "eliten" geben, für die a) die basis ist und vllt gutes geld bringt, irgendwann früher oder später. je mehr es von der b) sorte gibt, desto größer wird das "neidgefühl" unter den anderen und der zweifel daran, ob wirklich die besten der besten auf den plätzchen sitzen, die für die besten der besten gedacht sind.

ps: zu den hörsälen fällt mir eine lustige geschichte ein. ich dachte auch als ich neu an die uni kam, dass unsere hörsäle gesponsort wären. bis ich dann merkte, dass die namen einfach nur die abkürzungen bestimmter fächer waren, die bevorzugt von studenten besucht wurden: REchnungsWEsen und BILAnzen...

HansQuax
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15.02.2008 - 10:57 Uhr
HansQuax

Ein vergleichender Blick nach Frankreich würde das Bild schön abrunden. In Frankreich ist der Frühkindergarten zumindest unter den Bessergestellten gang und gäbe, ebenso die Vermittlung im Elternhaus, etwas Besseres zu sein. Man muß einmal das Selbstbewußtsein - bösartig: die Arroganz - junger Franzosen aus gutem Hause beobachtet oder erlebt haben um das richtig genießen zu können. Diese erbliche Eliteschicht auf breiter Basis gibt es in Deutschland noch nicht - vielleicht vorteilhaft, weil so auch nicht die institutionelle Blockade von Fortschritt durch wirklich etablierte Eliten möglich ist. Bei uns kjann man durch Fehlverhalten immer wieder rausfallen.

louisalou
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15.02.2008 - 11:05 Uhr
louisalou

was ist denn das für eine elite die sich lediglich aus nach dem kriterium reiches elterhaus rekrutiert? zumal ich das wort elite völlig falsch finde weil es ja um leistung in ganz bestimmten bereichen geht.
ich fine, mit aler naivität, jeder sollte in ein besonderen fähigkieten gefördert werden. und jeder solte die möglichkeit haben diese zu entdecken. ich weiss das das in der realität nicht geschieht. aber zumindest sollte man denen, die sich als elite sehen klar machen, das es sich um leitunsgförderung in nur einem bestimmten bereich handelt, die ihnen zu teil wird.
Ich war übrigens in einen sg. elite internat und mir wird gern immer mal wieder gesagt "du warst doch auf dieser schule für lernbehinderte kinder reicher eltren"
(und dass man dafür geld bekommt bunte folien zu machen und unfug zu reden wundere ich mich jeden tag selbst...)

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15.02.2008 - 11:07 Uhr
louisalou

tja ud wie ihr seht, richtig tippen hab ich auch nicht gelernt!!!

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15.02.2008 - 11:09 Uhr
louisalou

schreibbehindert!aber fotos machen kann ich..und die leite nehm ich sowas von gar nicht ernst.

Investmentbanker
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15.02.2008 - 11:27 Uhr
Investmentbanker

Es is doch vollkommen wünscheswert, dass gerade im Fach BWL eine enge Kooperation von Wirtschaft und den privaten Universitäten besteht. Jeder Student der auf eine dieser Unis geht will einfach einen bomben Job bekommen. Und wenn die Uni die Ausbildung so ausrichtet, auch mit dem Geld der Unternehmen, dass die Absolventen das richtige Profil für die Unternehmen haben, dann kommen die Studenten eben besser an richtige gute Jobs und sind besser vorbereitet.
Was daran verwerflich sein soll?

nunutella
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15.02.2008 - 11:45 Uhr
nunutella

es ist ja eigentlich nichts neues, dass in deutschland der bildungserfolg von kindern eng an den sozialen status des elternhauses gekoppelt ist. deshalb wundert es auch nicht wirklich, dass die "elite" hauptsächlich eine geldelite ist. wobei geld-haben eigentlich überhaupt nichts aussagt ausser dass man geld hat.
zu einer wirklichen elite sollte aber mehr gehören und damit meine ich nicht den besuch absurder frühkindlicher bildungseinrichtungen oder einer "elite"wirtschaftshochschule. sondern vor allem eine ziemlich umfassende bildung, die es ermöglicht, sachverhalte in der gesellschaft aus verschiedenen blickwinkeln wahrzunehmen und zu beurteilen. wenn diese fähigkeit auf "elite"instituten jeder art vermittelt wird, gut, aber ich fürchte, das kommt zu kurz weil es anscheinend vor allem auf marktgängigkeit ankommt.
das hat aber ebenso viel mit "elite" zu tun wie "elite" mit geld.

der wahrste satz ist wohl der, dass nur diejenigen sich selbst als elite bezeichnen, die es nicht sind. so eine selbstbezeichnung zeigt eigentlich nur, dass man von sich selbst völlig überzeugt ist.

kulturgut
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15.02.2008 - 11:51 Uhr
kulturgut

nunutella sagte:
der wahrste satz ist wohl der, dass nur diejenigen sich selbst als elite bezeichnen, die es nicht sind. so eine selbstbezeichnung zeigt eigentlich nur, dass man von sich selbst völlig überzeugt ist.


unsinn. wenn im sport jemand einen rekord erzielt sagt er auch ich bin weltmeister und es trifft trotzdem objektiv zu.

hier geht es eben um unscharfe talente und fähigkeiten, die man nur schwer in einer formel zum ausdruck bringen kann. trotzdem sind die, die sich für eine elite halten, deshalb nicht automatisch keine.

aber natürlich werden immer mehr elite werden wollen als es am ende tatsächlich sein können. das ist ganz normaler wettbewerb.

daboese
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15.02.2008 - 11:52 Uhr
daboese

Ich finde den ganzen Artikel sehr undifferenziert. Meiner Ansicht nach machen die Eliteinstitutionen groesstenteils die gute Betreuungsrate aus, also dass sehr wenige Studenten auf einen Professor kommen. Dort lernst Du zusaetzlich den Umgang und die Sprache auf einem hohen Niveau, so dass Du in der Lage bist, Dich in den besten Gesellschaftskereisen zu bewegen und auszudruecken, ohne unangenehm aufzufallen. Auf diese soziologische Komponente wurde in dem Artikel ueberhaupt nicht eingegangen!
Dennoch gibt es viele Eliten- in der Wissenschaft, der Bildung, der Politik, durch Geld, usw... Wenn jemand in die eine Elite gehoert, ist er noch lange nicht in der anderen. Was jedoch alle diese Eliten ausnahmslos besitzen, ist, dass sie keine Beruehrungsangst vor den anderen Eliten besitzen.
Ich denke, es ist leichter, herauszufinden, wer nicht in eine dieser Eliten gehoert: Das sind die Menschen, die ihnen unbekannte Stars/Personen bewundern, sie wie Paparazzis ablichten oder es ganz toll finden, von diesen erzaehlen zu koennen. Die es als absolutes Highlight in ihrem Leben ansehen wuerden, bestimmte Menschen zu treffen oder mit ihnen reden zu duerfen.

riesenherz
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15.02.2008 - 12:08 Uhr
riesenherz

Die Vereinnahmung der gesellschaftlichen Zuteilungschancen von jenen, die Geld haben, ist eine Zumutung.
Aber: alle arbeiten dieser Auffassung zu, die das Problem der Elite auf diesen fragwürdigen finanziellen Aspekt beschränkt sehen.

Elite, das Wort heißt erst einmal Auslese. Und genau in dieser normativen Zuschreibung von Schlechten und Guten liegt der undemokratische Kern des, fast möchte man schon sagen, Trends.
Nicht mehr, daß jeder sein Bestes gibt, sich nach Kräften und Möglichkeiten bemüht, ist das Ziel, sondern Elitebildung will ja gerade durch den verstärkten Wettbewerb motivieren, besser zu sein als andere. In diesem Komparativ liegt auch der Grund für die fast zwangsläufige Überheblichkeit jener, die sich zur Elite zählen (möchten).

Was übrigens nicht heißt, daß auch eine sog. Eliteschule eine gute Schule sein kann. Es kommt immer darauf an, ob sich die Schüler/Studenten einem Leistungsgedanken unterziehen, der zuvorderst die Leistung im Vergleich zu den anderen bemißt und nicht danach, was unter gegebenen (persönlichen, faktischen) Umständen eine sachangemessene Lösung darstellt.

Denn egal, welcher ideologischen Ausrichtung man sich verbunden fühlt, eins sollte unter Demokraten eine selbstverständliche Grundlage sein: hinsichtlich der Eigenschaft "menschliche Würde" kann es keine Unterschiede geben, da sind alle als Träger dieser Menschenwürde gleich. Weswegen eine normativ wertende Auslese von Guten, Besseren, Besten etc. immer eine falsche Kausalität bzw. Verknüpfung von Leistung und Leistungsmöglichkeit einerseits mit dem Merkmal des gesellschaftlichen Ansehens (und der entsprechenden Belohnung) verwendet.

Und an dieser werden sich die Überheblichen schlicht verheben müssen: immer in jenen Grenzsituationen menschlichen Daseins, wo Leistung, Geld, Macht, Ansehen nicht mehr zählen, sondern es nur noch menschliche Hoffnung gibt.

Deswegen sterben die Elitemanager am gleichen Krebs wie die "Ausgelesenen", deswegen sterben Elitesoldaten in den gleichen schmutzigen Kriegen wie die einfachen Söldner, deswegen ist das Bekenntnis einer Liebe für jeden eine Entwaffnung und ein Sich-Preisgeben.

Jeder sollte seine Fähigkeiten bestmöglich entwickeln dürfen, aber niemand sollte (ich sage das mal neutral) dazu gebracht werden, seine Fähigkeiten zu entwickeln, um besser zu sein als andere.

These: je weiter die gesellschaftlichen Lebensverhältnisse in einem Land auseinanderklaffen, desto eher wird der Elite-Gedanke Verbreitung finden können.
Relativ homogene Gesellschaften werden die Vorteile des Bewußtseins vom gleichen Wert eines jeden menschlichen Daseins zu schätzen wissen.

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15.02.2008 - 12:14 Uhr
riesenherz

Noka: wir wären hier, glaube ich , ehrlich interessiert an deinen Erfahrungen mit einem Leben in einem Elite-Internat.

Ich mach mal eine Vorgabe: hier in der Nähe gibt es das Internat Louisenlund, eine Schule im Salem-Verbund, auf die der schleswig-holsteinische Adel und der Geldadel seine Kinder schickt.
Die umliegenden Gymnasien rümpfen über die Leistungen dort eher ein wenig die Nase (da verhalten sich die normalen Schulen sehr elitär), das Sozialisierungsprogramm mit Aufgaben und Pflichten für das Gemeinwohl in dem Internat ist sehr anspruchsvoll, und natürlich bedeutet die Aufnahme in die Geminschaft dort eine fast lebenslange Absicherung gegen Arbeitslosigkeit. Dennirgendeiner kann immer weiterhelfen.

Jedoch: dabei mtzumachen, bedetuet eben auch Ja zu sagen zu einer Gesellschaft, die auf eine ganz bestimmte Weise verfaßt ist. Oder, anders gesagt: die ganz große Unabhängigkeit und Freiheit der Entscheidung gibt man schnell auf. Denn nur wer die Regeln der Gesellschaft (wie verlogen sie im Einzelfall auch sein mögen) nicht antastet, hat die Chance, sanft gebettet zu sein.

webs
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15.02.2008 - 12:27 Uhr
webs

Wie hier schon erwähnt wurde macht das Wort Elite eigentlich nur als Teil eines Kompositums Sinn, weil es alleine viel zu unscharf ist.
Das sieht man am besten an den Folgen der Exzellenzinitiative.
Folge ich also der offiziellen Aussendarstellung der Uni Freiburg, darf ich mich theoretisch auch Elitestudent nennen.

@KG: der Vergleich mit dem Sport hinkt aber ganz gewaltig. Aber das weisst Du sicher. (mir fällt gerade auch ein, daß ich noch gehört habe, wie sich ein Sportler selbst als Elite bezeicht. Oder liegt das nur am oft beschränkten Wortschatz?)

Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, dass bessere Bildungseinrichtungen auch mehr Geld kosten. Solange es für talentierte Menschen aus sozial schwächeren Schichten genügend Fördermöglichkeiten gibt. Und da hinkt Deutschland immer noch sehr hinterher. Dafür ist aber der Staat mindestens ebenso wie die Wirschaft verantwortlich.

Kaddinsky
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15.02.2008 - 12:31 Uhr
Kaddinsky

ich will doch nicht Elite sein! Bäh

air_kaviar
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15.02.2008 - 12:42 Uhr
air_kaviar

leistungselite muss sein. man sollte die begabten und ehrgeizigen ja nicht an die kette legen. aber eine geldelite?

ich studiere bwl und informatik in köln. die studenten hier kommen sich auch sehr geil vor. zum schießen, wie da manchmal gegockelt wird. schmalspurbildung ist hier an der tagesordnung, es wird immer schön im sinne der initiative neue marktwirtschaft gedrillt.

ob frühkinderförderung in marketing sinnvoll ist? kinder haben doch erstmal die grundlagen menschlichen zusammenlebens zu lernen, bevor man sie so verdirbt.

daboese
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15.02.2008 - 12:42 Uhr
daboese

Warum wird in Deutschland Elite eigentlich immer mit Arroganz oder mit "besser sein" gleichgesetzt?
Es gibt kein anderes Land, in dem das Wort so negativ besetzt ist wie hier.

pikachu
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15.02.2008 - 13:36 Uhr
pikachu

ich war auf einer staatlischen Schule, die als Eliteschmiede verschrien war - nur deshalb, weil viele reiche Kinder da hingegangen sind. Ist mir nie klargewesen, warum das eine Schule automatisch zur Eliteschule macht. Das Abi von da galt als schwerer zu erreichen als an anderen Schulen, aber dank Zentralabi ist das ja nicht wirklich haltbar.

blinkblink
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15.02.2008 - 14:32 Uhr
blinkblink

...vieleicht, weil der Unterricht schlechter war? ;-)

kulturgut
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15.02.2008 - 15:10 Uhr
kulturgut

webs sagte:

@KG: der Vergleich mit dem Sport hinkt aber ganz gewaltig. Aber das weisst Du sicher. (mir fällt gerade auch ein, daß ich noch gehört habe, wie sich ein Sportler selbst als Elite bezeicht. Oder liegt das nur am oft beschränkten Wortschatz?)

Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, dass bessere Bildungseinrichtungen auch mehr Geld kosten. Solange es für talentierte Menschen aus sozial schwächeren Schichten genügend Fördermöglichkeiten gibt. Und da hinkt Deutschland immer noch sehr hinterher. Dafür ist aber der Staat mindestens ebenso wie die Wirschaft verantwortlich.


das wort elite ist im sport einfach unüblich, meint aber im prinzip dasselbe. interessanterweise ist im golfsport häufiger von der "golfelite" die rede.

ich bin gegen jegliche staatliche einflussnahme auf bildung. das halte ich für die allergrößte aller gefahren für eine freie gesellschaft, auch wenn sie getarnt in form einer förderung daher kommt. den betrieb öffentlicher schulen verbitte ich mir vollständig. wenn man sozial schwache talente fördern möchte, dann bitte über private initiativen, bei denen die varietät dadurch gesichert ist, dass sie untereinander in konkurrenz stehen.

und wie ich schon oft erläutert habe: gerade kapitalisten wissen in der regel, dass es gefährlich ist sich nur auf die zu verlassen, die schon oben sind und der wettbewerb um talente alle schichten der bevölkerung mit einschliessen muss.

wirklich misstrauisch bin ich bei staatlichen eliteinstituten, die sind eine ungeheure gefahr. aus frankfreich kennen wir das ja alle besonders gut.

E_grazie_per_linformazione
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15.02.2008 - 15:14 Uhr
E_grazie_per_linforma…

den bericht von/mit der Julia Friedrichs in einem ard-magazin (kontraste, ttt?) über mckinsey fand ich damals etwas unflektiert. schön, dass sie versucht sich dem begriff elite nun etwas ausführlicher zu nähern.

Alecsis
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15.02.2008 - 16:55 Uhr
Alecsis

Das erinnert mich an diese komische schwarze, möchtegern-edle Homepage, die nur "Elite" Leute aufgenommen hat. Wie hieß die nur? Hm.

diedrossel
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15.02.2008 - 17:51 Uhr
diedrossel

man erzaehlt uns praktikanten derzeit regelmäßig, dass wir zur elite gehören, handverlesen unter hunderten bewerbern aufgrund unserer überragenden qualifikation und persönlichkeit etcpp. wir sind auch dementsprechend alle extrem beeindruckt von den lebensläufen der mitpraktikanten (doktor der geschichte in cambridge, doktor in kunstgeschichte an der sorbonne). bei dem einen oder anderen bier kam dann heraus, dass wir uns eigentlich alle wie hochstapler fühlen, die jede minute rausgeworfen werden können, dass wir uns deswegen den arsch abarbeiten um ja nicht unangenehm aufzufallen. vielleicht wird man dadurch zur elite, aber man kann sich definitiv nicht generell selbst zu einer elite erklären und damit eine höherwertigkeit der eigenen existenz begründen. ich mag zwar in meinem fach zur elite zählen, aber das macht mich deswegen noch lange nicht zu einen edleren, besseren, wertvolleren menschen.

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15.02.2008 - 17:53 Uhr
diedrossel

und ich wuenschte, die leute wuerden ihre kinder einfach mal ein paar jahre kinder sein lassen und sie nicht nur als förderpotential sehen. wenn man den wunsch und das talent hat wird man auch genau sein feld ohne französischen kindergarten finden. eingepaukte talent funktioniert nämlich nicht. das durchbeißen und selber-wollen ist doch die triebfeder.

eisengrau
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15.02.2008 - 17:59 Uhr
eisengrau

Was mich interessieren würde, und was im Interview leider nicht angesprochen wird, ist, ob diese Elitemenschen dann auch die Besten der Besten in ihrem Beruf, in Bildungsstand, in Diplomatie, im Umgang mit anderen Leuten sind, oder ob Elite nur bedeutet, dass man unter sich bleiben möchte.

octopussy
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15.02.2008 - 18:05 Uhr
octopussy

Ausserdem passt die HEadline nicht ganz so zum Text. Dachte es geht jetzt um Begabtenförderung oder Frühschule oder oder...

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15.02.2008 - 18:06 Uhr
octopussy

Und überhaupt stellen sich einige Fragen.
Kann man Eliten formen? Meiner Meinung nach nicht.

ein_oxymoron
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15.02.2008 - 19:14 Uhr
ein_oxymoron

ich finde es sehr gut, in den kommentaren so viele meinungen zu hoeren, die den artikel relativieren oder auch mal bestaetigen. es muss also nicht schrecklich sein, als kind reicher, ambitionierter eltern aufzuwachsen, kann aber ;)
im ernst, ein gewisses mass an "elite"-foerderung haette ich fuer mich selbst auch gut gefunden, aber bitte nicht schon mit 2, und ohne druck. die idealen eltern sind halt aufmerksame, die das individuelle potential in ihrem kind erkennen (das tatsaechlich vorhandene, nicht nur das, das am meisten geld bringen wuerde) und foerdern - durch geld an gute schulen, oder auch "nur" durch eigene intelligenz und zeit. oder lernmaterial. internetzugang. ermutigende worte. es geht wohl auch ganz ohne, aber sicherlich nicht so leicht.

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15.02.2008 - 19:30 Uhr
ein_oxymoron

oh, ich war ja eigentlich auch auf einer "eliteschule", zumindest auf dem besten gymnasium im weiteren umkreis. weil ich in der zweiten klasse erfahren hatte, dass es da eine schule ganz ohne jungs gibt, da wollte klein-oxy un-be-dingt hin (fuer nicht-mehr-so-klein-oxy voellig unverstaendlich)... und weil die mutter nie gesagt haette, dass wir uns etwas nicht leisten koennen, hat sie das schulgeld (von dem klein-oxy nichts wusste, war aber zum glueck nicht so viel) zusammengekratzt und oxy war zwar immer noch unterfordert, hat aber dann an der uni einen deutlichen unterschied zu den staatlich verschulten gespuert. und neid/unverstaendnis gab es ueberall, auch innerhalb der regionalelite. neid ist eine schreckliche krankheit.

Sillium
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15.02.2008 - 19:39 Uhr
Sillium

Sehr guter Artikel. Wobei das fatale in der ganzen Sache nicht unbedingt nur an dem, dass sich eine bestimmte, wohlhabende Schicht von den anderen immer weiter abgrenzt (das hat die Oberschicht schon immer getan ,nichts neues) liegt, sondern vor allem daran, wie falsch in diesen Kreisen der Begriff Leistung bewertet wird. Bei Eltern, die aus finanziellen Gründen (und damit einhergehend schulischen) doch überhaupt keine Bedenken um die berufliche Laufbahn ihrer Kinder haben müssten, dass da die Kinder mit 2 Jahre nur auf erbrachte Leistung getrimmt werden! Was kommen denn da bitteschön später für Menschen bei raus? Warum muss Leistung denn unbedingt Arbeit durch Zeit sein? Warum nicht einfach Prozess?

diedrossel
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15.02.2008 - 21:50 Uhr
diedrossel

jesus. ich bin in bremen aufs gymnasium gegangen - und angeblich auch noch auf eines der anspruchslosesten, da die kombi kunst/deutsch leistungskurs dort angeboten wurde (zur strafe mussten wir zwar ein prüfungsfach mehr machen und mathe und geschichte als pflichtprüfung, aber das wird natürlich beim bashing nie erwähnt.... egal.). hat mir nicht geschadet. ich habe jede aufnahmeprüfung in folge bestanden und bilde mir ein, eigenständig denken zu können. schlechte förderung beeinträchtigt nicht die superschlauen, sondern die, die schwächen haben. die aus familien kommen, in denen es mehr fernsehzeitschriften als bücher gibt.

Begunje62
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15.02.2008 - 22:41 Uhr
Begunje62

Sehr interessante kommentare... meine erfahrung mit "eliteschulen" habe ich ueber freunde gemacht, ich selbst habe mich durch gute wahl meines studienfachs diesem theater entzogen... (als klassischer musiker ist man eh immer elite ;-))
allerdings muss ich sagen, dass auf den studenten von elite-unis, die ich kenne, ein unglaublicher druck vonseiten ihrer eltern lastet. ein freund von mir haette gern archaeologie studiert- er ist nun investmentbanker. weil er wohl angst hatte, mit seinem eigentlichen wunschjob nicht soviel geld, anerkennung etc. zu verdienen, wie das eben in unserer (oder in seiner) gesellschaft noetig ist, um neben den eltern bestehen zu koennen.
natuerlich ist das nur ein beispiel, aber ich frage mich, wie viele leute einfach von klein auf dazu programmiert wurden, zu "funktionieren" und dann eben das tun, was von ihnen erwartet wird... ohne sich selbst zu fragen was sie WIRKLICH tun MOECHTEN.
ich stimme riesenherz zu (jaja, wie so oft), jeder sollte nach seinen faehigkeiten gefoerdert werden und nicht an anderen gemessen werden.
mein sohn ist jetzt 14 monate alt, vielleicht sollte ich mir ja mal gedanke darueber machen, ob er neben slowenisch, deutsch und englich (das ist bei uns einfach... wir machen das nicht absichtlich) auch doch noch chinesisch lernen sollte... ;-)

rockerking
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16.02.2008 - 02:20 Uhr
rockerking

Komme aus einem artikelischen Elitaerinstitut und kann ausser Zynismus nichts an oder in mir entdecken, dass abtraeglich ist. Ausser die Sache mit dem Bier. Und der Faulheit.
*

rekwiem
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16.02.2008 - 12:40 Uhr
rekwiem

na das ist ja ein ganz dufter artikel.
elite nicht definieren können, weil das so unscharf ist, aber trotzdem einen artikel lang drüber reden.
sagen elite hätte vielleicht viel mit finanziellem background zu tun, und dann - verwundert?!?! - feststellen, dass die reichen keine angst vor arbeitslosigkeit haben. ich bin völlig perplex, das hätte ich nie gedacht. auch das leute, die an super unis studieren keine angst vor arbeitslosigkeit haben. wow!
und das an eliteunis alles einen namen trägt. na, wie das wohl kommt? vielleicht könnten wir auch noch verwundert feststellen, dass ein klaus- zumwinckel- briefkasten auch noch von klaus zumwinckel bezahlt worden ist.
irgendwie rührend diese naivität.

Saupierre
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17.02.2008 - 21:51 Uhr
Saupierre

Zu dem Kindergarten und dem Marketing-Monster fällt mir direkt "Mario" von Tele ein:

....Er war gesund, eine Maschine, die lief. Einen Grund sich zu beklagen gab es für ihn nie. Nur: er war gefangen und er konnte nicht fort, in einem Schloss so groß wie ein Dorf....
....Er hatte viel mehr Ideen, wollte sie niemand erzählen und nichts lieber als gehen. Aber er blieb, wo er war. Machte die Träume seiner Eltern wahr mit fünfundzwanzig übernahm er den Laden und wurde reicher als sein Vater je gewesen war....

Ansönsten interessanter Artikel und lesenswerte Kommentare!
Guten Abend

Medien2008
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20.02.2008 - 17:13 Uhr
Medien2008

Ich bin Schüler im 13. Jahrgang der Schule Schloss Salem. Mein Schulbesuch wird mir, wie ca. 30% aller Salem Schüler, durch ein Leistungsstipendium ermöglicht, welches für soziales, politisches, sportliches und musisches Engagement vergeben wird. Auch gute Schulnoten sind Voraussetzung.
Im vergangenen Sommer gaben ein Freund und ich das Interview, das Frau Friedrichs als Grundlage für ihre Aussagen über Salem diente. Außerdem hat sie in einem viertätigen Aufenthalt weitere Einblicke in das Internatsleben erhalten können.
Immer wieder wurde sie während dieser Zeit mit der Philosophie unserer Schule konfrontiert, die auf den Gründer und bekannten Reformpädagogen Kurt Hahn zurückzuführen ist. Sein Leitsatz war: "Plus est en vous!" - "In euch steckt mehr!". Dieser Leitsatz bedeutet die Forderung der Salemer Schüler auf allen Gebieten, auch auf dem Feld der Verantwortungsübernahme. Jeder von uns ist in einem sogenannten Dienst tätig. Dieser kann die Mitgliedschaft in der örtlichen Feuerwehr, dem THW oder dem Rettungsdienst sein und somit ständige Einsatzbereitschaft bedeuten. Er kann aber auch Nachhilfe in einer Sonderschule oder die Betreuung alter und Behinderter Menschen in Pflegeheimen bedeuten.
Außerdem engagieren sich jedes Jahr zahlreiche Schüler in internationalen Hilfsprojekten, bei denen sie Trinkwasserleitungen im thailändischen Urwald einrichten oder wie ich im letzten Sommer in einer südafrikanischen Kleinstadt mit einer AIDS Rate von 30% durch die Sanierung eines Kindergartens wenigstens etwas Licht in das Leben der wirklich Benachteiligten bringen. Das Geld für diese Projekte bezahlen wir in der Regel vom eigenen Ersparten oder arbeiten dafür.
Diese Aktivitäten sind für uns selbstverständlich. In Kombination mit unseren Leittugenden "Mut, Verantwortung und Wahrheitsliebe" erziehen sie uns zu Menschen, die einmal positiv in Verantwortungspositionen für die Gesellschaft wirken sollen.
Selbstverständlich sind auch gute akademische Leistungen dafür notwendig, welche von jedem eingefordert werden. Wir müssen die Anforderungen des baden-württembergischen Zentralabiturs erfüllen, bei dem wir überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, oder den äußerst hohen Ansprüchen des International Baccalaureate genügen, wo wir europaweite Standards setzten.
Aufgrund all dieser Tatsachen ist mir unklar, wie Frau Friedrichs zu ihrem Schluss kommt, dass unser Anspruch der Verantwortungselite nur aufgrund mangelnder intellektueller Fähigkeiten besteht.
Ich würde mich persönlich sehr freuen, wenn mehr Bereitschaft bestünde unsere Schule Schloss Salem differenzierter und ohne Vorurteile in den Medien darzustellen.

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20.02.2008 - 17:14 Uhr
Medien2008

Ich bin Schüler im 13. Jahrgang der Schule Schloss Salem. Mein Schulbesuch wird mir, wie ca. 30% aller Salem Schüler, durch ein Leistungsstipendium ermöglicht, welches für soziales, politisches, sportliches und musisches Engagement vergeben wird. Auch gute Schulnoten sind Voraussetzung.
Im vergangenen Sommer gaben ein Freund und ich das Interview, das Frau Friedrichs als Grundlage für ihre Aussagen über Salem diente. Außerdem hat sie in einem viertätigen Aufenthalt weitere Einblicke in das Internatsleben erhalten können.
Immer wieder wurde sie während dieser Zeit mit der Philosophie unserer Schule konfrontiert, die auf den Gründer und bekannten Reformpädagogen Kurt Hahn zurückzuführen ist. Sein Leitsatz war: "Plus est en vous!" - "In euch steckt mehr!". Dieser Leitsatz bedeutet die Forderung der Salemer Schüler auf allen Gebieten, auch auf dem Feld der Verantwortungsübernahme. Jeder von uns ist in einem sogenannten Dienst tätig. Dieser kann die Mitgliedschaft in der örtlichen Feuerwehr, dem THW oder dem Rettungsdienst sein und somit ständige Einsatzbereitschaft bedeuten. Er kann aber auch Nachhilfe in einer Sonderschule oder die Betreuung alter und Behinderter Menschen in Pflegeheimen bedeuten.
Außerdem engagieren sich jedes Jahr zahlreiche Schüler in internationalen Hilfsprojekten, bei denen sie Trinkwasserleitungen im thailändischen Urwald einrichten oder wie ich im letzten Sommer in einer südafrikanischen Kleinstadt mit einer AIDS Rate von 30% durch die Sanierung eines Kindergartens wenigstens etwas Licht in das Leben der wirklich Benachteiligten bringen. Das Geld für diese Projekte bezahlen wir in der Regel vom eigenen Ersparten oder arbeiten dafür.
Diese Aktivitäten sind für uns selbstverständlich. In Kombination mit unseren Leittugenden "Mut, Verantwortung und Wahrheitsliebe" erziehen sie uns zu Menschen, die einmal positiv in Verantwortungspositionen für die Gesellschaft wirken sollen.
Selbstverständlich sind auch gute akademische Leistungen dafür notwendig, welche von jedem eingefordert werden. Wir müssen die Anforderungen des baden-württembergischen Zentralabiturs erfüllen, bei dem wir überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, oder den äußerst hohen Ansprüchen des International Baccalaureate genügen, wo wir europaweite Standards setzten.
Aufgrund all dieser Tatsachen ist mir unklar, wie Frau Friedrichs zu ihrem Schluss kommt, dass unser Anspruch der Verantwortungselite nur aufgrund mangelnder intellektueller Fähigkeiten besteht.
Ich würde mich persönlich sehr freuen, wenn mehr Bereitschaft bestünde unsere Schule Schloss Salem differenzierter und ohne Vorurteile in den Medien darzustellen.

the-wrong-girl
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20.02.2008 - 17:17 Uhr
the-wrong-girl

Hu Du kommst einem aber auch unheimlich "auf Linie" vor. Naja, gut, ich les vielleicht erstmal den Artikel.

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20.02.2008 - 17:22 Uhr
the-wrong-girl

Hö, jetzt hab ich's zwar gelesen, finde aber nirgendwo das Wort Salem. Kann das sein, dass das zwar im Buch aber nicht hier stand oder bin ich Analphabetin?

kulturgut
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20.02.2008 - 17:51 Uhr
kulturgut

the-wrong-girl sagte:
Hu Du kommst einem aber auch unheimlich "auf Linie" vor. Naja, gut, ich les vielleicht erstmal den Artikel.


stimmt, er ist ziemlich auf linie. aber in dem alter ist jeder entweder auf irgendeiner linie oder in opposition zu ihr, auch ausserhalb elitärer zirkel, und beides wird im laufe der zeit relativiert.

wobei eliten durch die vielfalt der möglichkeiten eher relativierungsmöglichkeiten haben als die anderen. also keine sorge.

diedrossel
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21.02.2008 - 23:07 Uhr
diedrossel

klingt eher wie ein pressemitteilung. frage mich, ob da wirklich ein echter schueler hinter steckt. medien 2008,...

astridnelke
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22.02.2008 - 20:14 Uhr
astridnelke

Mit aller Gewalt zur Elite – oder: Wie stricke ich mir eine Story



Als betroffene Mutter, über deren Kinder sowohl in dem genannten Buch als auch in dem von der Autorin gedrehten Film berichtet wird, kann ich nur sagen: Wir sind bestürzt über so eine einseitige Berichterstattung und über derart gezielt eingesetzte Schnitt-Techniken. Der Film sollte alternative Bildungswege und bilinguale Erziehung als Innovation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dokumentieren. Von einem parallel erscheinenden Buch wussten wir nichts. Nun werden unsere Kinder als „Einheizer“ bei Lesungen zur Vermarktung eines Buches benutzt - das ist Kapitalismus pur und damit genau das, was Julia Friedrichs mit ihrem Buch vorgibt, anzuprangern.


Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder früh Englisch lernen, weil sie in jungen Jahren eine zweite Sprache viel einfacher aufnehmen können, aber nicht, um aus ihnen Investmentbanker oder Unternehmensberater zu machen oder sie auf eine andere Art in eine nebulöse Elite zu pressen. Auch einem Bauarbeiter oder einer Friseurin schadet es nicht, fließend Englisch zu sprechen und was meine Kinder später beruflich machen, entscheiden sie sowieso selbst. Leider wurde das von der Autorin komplett anders dargestellt - so passt es ja auch nicht zu ihren aufgestellten Thesen, also nehmen wir uns mal die journalistische Freiheit und schneiden bzw. zitieren das so, wie es zur eigenen Meinung passt: Und schon ist die Story gestrickt!

kulturgut
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23.02.2008 - 14:28 Uhr
kulturgut

astridnelke: zumal eine kollektivistische anti-eliten-erziehung, wie sie frau friedrichs eventuell für richtiger hielte, genauso wenig den anspruch erheben kann ausschliesslich am kindeswohl orientiert zu sein wie irgendeine andere form von inhaltlicher erzieherischer lenkung.

wichtig ist dass die eltern die freiheit haben, ihre kinder nach ihren massstäben zu erziehen - auch wenn dabei fehler gemacht werden. schlimm wird es erst, wenn der staat sich hier einmischt mit standards, die die elterliche autorität untergraben.


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