Wenn Zweijährige Marketing lernen: Julia wollte wissen, was Elite ist
Ein Jahr lang besuchte Julia Friedrichs, 28, sogenannte Eliteschmieden. Sie fragte sich, was Elite eigentlich ist. Heute sagt sie: An Elite-Schulen werden Menschen dem normalen Leben entzogen. Ein Interview über einen vielgebrauchten Begriff und darüber, was er mit Angst zu tun hat.
Du hast dich vor drei Jahren bei McKinsey beworben und einen Text über das dortige Auswahlverfahren geschrieben. War das der Ausgangspunkt zur Recherche für dein Buch*? Genau. McKinsey hat damals den Begriff "Elite" so propagiert: "Wir formen Eliten, wir machen Eliten. Wer bei uns ist, der ist Elite." Da dachte ich: Uh, was soll das heißen? Am Ende deiner Bewerbung lag sogar ein Vertrag vor dir. Hast du überlegt, zu unterschreiben? Ich hatte ein, zwei Wochen gezögert – die Verlockung war plötzlich so groß. Es hat mich selbst erschreckt, wie sehr es mich gekickt hat, das Verfahren geschafft zu haben. Und als ich dann den Vertrag in der Hand hatte, der soviel Geld bedeutet hätte … Wieviel wäre das gewesen? 67.000 Euro im ersten Jahr plus Auto … aber letztendlich war meine Skepsis größer. Aber du hast diesen Moment erlebt, in dem man das Gefühl hat, zu einem erlesenen Kreis zu gehören. Auf jeden Fall. Ist dieses Gefühl ein Motiv, zu einer Elite gehören zu wollen? Es ist mehr. Die Studenten an den Elite-Unis antworteten auf meine Frage, ob sie Angst hätten, arbeitslos zu werden kategorisch mit „Nein“. Wenn man Elite wird, ist man viele Sorgen los. Welche Unis hast du für deine Recherche besucht? Ich war vor allem an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel – dort habe ich einen Studenten über ein Jahr hinweg immer wieder getroffen. Dann war ich an der Bucerius Law School in Hamburg, an der WHU in Vallendar und dann habe ich noch Studenten der Bayerischen Eliteakademie getroffen. Wo hast du selbst studiert? In Dortmund. Was ist der Unterschied zwischen den Unis? An den privaten Wirtschaftsunis studieren nur 25 bis 30 Prozent Mädels - die kommende Wirtschaftselite scheint eine männliche zu sein. Und mir ist aufgefallen, dass alles nach wem heißt. Das neueste Gebäude an der EBS heißt Kiep-Center nach Walther Leisler Kiep. Der Eingangsbereich heißt nach einer Möbelfirma, die Hörsäle heißen „Deutsche Bank“-Hörsaal oder Daimler-Chrysler-Raum. Vielleicht schwer, aber: Kannst du „Elite“ definieren? „Elite“ ist für viele ein Label, sich selbst zu pushen. Der Begriff wird unscharf benutzt. Jeder benutzt ihn, wie er ihn braucht. An den Internaten, wo Noten keine Rolle spielen, wird gesagt: Wir sind eine Verantwortungselite. An den Wirtschaftsunis wird gesagt: Wir sind eine Leistungselite. Mein Eindruck aber war, dass dort die Geldelite eine wichtige Rolle spielt. Deshalb halte ich den Begriff heute für eine gesellschaftliche Debatte für unbrauchbar. Wenn mich jemand fragt, ob wir Eliten brauchen, könnte ich nicht sagen: Ja oder Nein. Ist nur der Begriff ein Problem? Oder ist es ein Problem, dass es prinzipiell Bereiche gibt, in die sich „Geldeliten“ oder „Leistungseliten“ zurückziehen können? Die private Bildungskarriere beginnt heute mit zwei Jahren. Eltern kaufen sich Kindergärten für 1.000 Euro im Monat und dann geht das so weiter bis zum Ende des Studiums. Diese Entwicklung halte ich für falsch. Weil ich das Gefühl habe, dass diese Kinder aus dem normalen Leben rausgezogen werden und mit allem, was normal ist, wenig zu tun haben. Ist das ein Kennzeichen von Elite? Ja. Allein die Orte sind sehr exklusiv. Dadurch wird ja schon eine Botschaft gesendet: Hier ist etwas Erlesenes. Und Elite funktioniert, indem man ein paar Leute nimmt und ihnen sagt, sie seien Elite. Die Studenten der Bayerischen Eliteakademie, die ich als sehr nachdenklich erlebt habe, die hatten deshalb ein Riesenproblem mit dem Begriff Elite. Weil die immer gesagt haben: Wir sind gute Studenten, wir strengen uns an. Aber von uns gibt es noch soviel mehr! Warum ist der Begriff so populär geworden? Es scheint mir, als würde der Begriff wie ein Werkzeug eingesetzt, mit dem man diverse Probleme, zum Beispiel in der Bildung, kurieren kann. Tja, am Ende dachte ich, ich hätte Mitleid mit dem Wort. Weil es eines der am meisten instrumentalisierten Wörter in der aktuellen Diskussion ist. Man will zum einen die deutsche Hinterherhink-Angst bekämpfen. Zum anderen benutzen es vor allem die privaten Bildungseinrichtungen, um sich selbst aufzuwerten. Es ist schicker zu sagen, dass hier Elite erzogen wird. Das klingt besser als "Wir sind für Kinder wohlhabender Eltern eine gute Schule oder Uni". Welche Erlebnisse hast du aus dem einen Jahr Recherche mitgebracht? Ich war zum Beispiel in einem privaten Kindergarten und habe dort eine Hausführung bekommen. Mir wurde dann auch der Keller gezeigt: Da war eine komplette Wellnesslandschaft mit Sauna und Physiotherapie – weil die auch schon oft Rückenschmerzen hätten. Das war wie ein Vorgriff auf das Managerleben. Hochgradig absurd. Kann es sein, dass wir das Elite-Wesen erst in den vergangenen 10, 15 Jahren gelernt haben? Gerhard Schröder hat 1998 gleich in seiner ersten Regierungserklärung gesagt: Jetzt brauchen wir wieder Eliten! So hat der natürliche Gegner der Eliten, die Sozialdemokratie das Okay gegeben. Das hat einen Umschwung gegeben, glaube ich. Und dass so viele Einrichtungen sich so offen als Elite bezeichnen, das hätte es vor ein paar Jahren nicht gegeben.
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Aber Obacht: wer überheblich empfindet, hat sich schnell überhoben.
riesenherz sagte:
Wo Elite ist, da ist Überheblichkeit und Arroganz nicht weit.
ja. und jeden jungen menschen der sich für elite hält und mir bis jetzt über den weg gelaufen ist war ein absolutes karrakterschwein und gleichzeitig ein charakterkrüppel.
aber das ding ist ja, dass es solche leute schlicht und einfach nicht interessiert. deren überheblichkeit reicht über jedes argument.
14.02.2008 - 20:34 Uhr
filler_thriller
kind ist also dreieinhalb monate in frankreich. zum abholen nimmt sich mama einen tag frei.
was ist passiert?
das kind ist lernfähig: es sagt jetzt zur tante mama und spricht fließend französisch. leider kann es kein deutsch mehr.
glücklicherweise war die mutter so von der aberkennung ihrer rolle gekränkt, dass sie nachgedacht hat und den jungen von der kleinkindschule genommen und in einen privaten kindergarten mit englischunterricht gesteckt hat.
Ich möchte ja nicht aufdringlich sein. aber:
Ich bin selber an einer Eliteschule in der Schweiz. Diese Darstellung der Elitenschulen finde ich ziemlich einseitig.
ich traue diesem elitärem gehabe nicht.
man kann sich sich nicht selbst die krone aufsetzen (mckinsey), zur elite wird man durch anerkennung und respekt - es liegt an uns ob wir der inszenierung des elitären glauben und sie somit tatsächlich zur elite küren.
Außerdem @ filler: hier habe ich andere Erfahrungen gemacht. In meiner Stadt herrschen große Vorurteile gegenüber mir und meinen Kommilitonen. Die meisten, die mein Umfeld jedoch näher kennengelernt haben, waren eher angenehm überrascht. Und dazu gehörten neben BWLern und Juristen vor allem Geisteswissenschaftler der staatlichen Uni.
Also Eltern sind jedes Mittel Recht ihre Kinder in soetwas hineinzudrängen.
Abgesehen davon: Es wird den Deutschen mal ganz gut tun, wenn sie ihren Blick auf andere Länder richten und sich ansehen, was von dort in den nächsten Jahren auf sie zukommen wird. Denn dort gibt es Länder, in denen die Menschen nicht dümmer sind als hier, jedoch sehr viel hungriger - in jeglicher Hinsicht. Auch sollten die Deutschen mal ihren Beißreflex abstellen, wenn es um die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Universitäten geht. Dann würden die Leute hier vielleicht auch mal erkennen, wo die Vorteile liegen, wenn Hörsäle von Firmen bezahlt werden.
Erinnert mich an das eine oder andere asiatische Land..
Aber nun das Bild zu zeichnen, dass man dort arrogant auf dem hohen Ross sitzt ist schlicht falsch. Ich habe selten so viele Leute getroffen, die sich wirklich von Herzen sozial engagieren und sich integer verhalten.
Das Kindergartenbeispiel ist auch von einem anderen Stern. Das sind totale Ausnahmen, die sich in Prozent gar nicht mehr messen lassen.
mit elite sind zum einen wissenschafter gemeint, die vielleicht durch ihre arbeit mal einem nobelpreis nahe kommen und zum andren ein teil der gesellschaft, der sich als etwas besseres fühlt.
das erste ist gut und wichtig, das zweite ist scheisse
Das ist soziale Avantgarde, wie sie der angeblich so soziale Staat noch nicht zu leisten vermag.
das ist sogar gerecht, auch wenn das neider natürlich nicht einsehen wollen - denn es war für die anschaffenden generationen oft eine starke motivation, ihrem nachwuchs etwas bieten zu können, und wir wissen nicht, ob sie ohne diese aussicht genauso viel geleistet hätten. wie auch immer: es geht andere schlicht nichts an, ob und wieviel reiche ihre kinder fördern, es ist ja deren eigentum. und auch für die gesamtgesellschaft ist es sehr gut, wenn zumindest mal ein teil der leute durch private absicherung aus dem spinnennetz der sozialstaatlichen abhängigkeiten entkommt.
wie der reiche nachwuchs seine besseren startchancen verwandeln kann steht auf einem anderen blatt. denn motivation und leistungsbereitschaft können durch die begleitumstände bereits vorhandenen wohlstands durchaus auch leiden. aber mal von einigen negativen ausnahmen abgesehen wird das in der erziehung bereits berücksichtigt - und sie merken oft schneller als beispielsweise intellektuelle eliten, wie schädlich überheblichkeit beim erreichen von zielen sein kann.
dass aber, wie das riesenherz andeutet, erfolg und leistungswille automatisch bestraft werden, mag der wunsch der neider sein, ist aber meist nicht so. wir alle profitieren von den fortschritten, die andere generationen erzielt haben - in form von technischen errungenschaften etwa. und bei einigen kommt eben individuelles glück dazu.
aber diese idee, dass jeder besonders glückliche für seine glücklichen voraussetzungen bestraft wird und am ende bei allen dasselbe rauskommt, ganz unabhängig vom aufrichtigen bemühen um ein sinnvolles leben, das vom eigenen startpunkt aus noch weiter nach vorne geht - diese art von schicksalssozialismus ist gottseidank nur ein wunschtraum, mit dem sich neider trösten.
Habe Tränen gelacht als ich das gelesen habe :D Bitte im Duden nachschlagen, was "Leistung" heißt.
Ich bin gerade in Schweden an einer Uni, wo es einige dieser Säle gibt und die Uni ist sehr, sehr gut ausgestattet. Warum sollte die Wirtschaft nicht ein bisschen sponsern, wenn sie den Studenten dadurch bessere Studienbedingungen ermöglichen?
deine_Eltern_sind_auf_einem_Tennisturnier sagte:
Wollte nur was zum Thema Hörsäle mit Unternehmensnamen sagen:
Ich bin gerade in Schweden an einer Uni, wo es einige dieser Säle gibt und die Uni ist sehr, sehr gut ausgestattet. Warum sollte die Wirtschaft nicht ein bisschen sponsern, wenn sie den Studenten dadurch bessere Studienbedingungen ermöglichen?
die nicht ganz unberechtigte sorge ist, dass auch einfluss auf lehrinhalte ausgeübt werden könnte. vielleicht nur subtil, aber eben doch.
aber: firmen und interessengruppen stehen miteinander im wettbewerb, und wenn alle ohne große hürden sponsern können heben sich die einflussnahmen im kampf um die objektiv beste wissenschaft gegenseitig auf. also wäre es wichtig, die hürden für das sponsern deutlich herabzusetzen.
anders ist es, wenn der staat einfluss auf lehrinhalte nimmt: der kann falsche dogmen wesentlich länger aufrechterhalten, weil er zwingen kann.
ich finde, es sollte mehr "eliten" geben, für die a) die basis ist und vllt gutes geld bringt, irgendwann früher oder später. je mehr es von der b) sorte gibt, desto größer wird das "neidgefühl" unter den anderen und der zweifel daran, ob wirklich die besten der besten auf den plätzchen sitzen, die für die besten der besten gedacht sind.
ps: zu den hörsälen fällt mir eine lustige geschichte ein. ich dachte auch als ich neu an die uni kam, dass unsere hörsäle gesponsort wären. bis ich dann merkte, dass die namen einfach nur die abkürzungen bestimmter fächer waren, die bevorzugt von studenten besucht wurden: REchnungsWEsen und BILAnzen...
ich fine, mit aler naivität, jeder sollte in ein besonderen fähigkieten gefördert werden. und jeder solte die möglichkeit haben diese zu entdecken. ich weiss das das in der realität nicht geschieht. aber zumindest sollte man denen, die sich als elite sehen klar machen, das es sich um leitunsgförderung in nur einem bestimmten bereich handelt, die ihnen zu teil wird.
Ich war übrigens in einen sg. elite internat und mir wird gern immer mal wieder gesagt "du warst doch auf dieser schule für lernbehinderte kinder reicher eltren"
(und dass man dafür geld bekommt bunte folien zu machen und unfug zu reden wundere ich mich jeden tag selbst...)
15.02.2008 - 11:07 Uhr
louisalou
15.02.2008 - 11:09 Uhr
louisalou
Was daran verwerflich sein soll?
zu einer wirklichen elite sollte aber mehr gehören und damit meine ich nicht den besuch absurder frühkindlicher bildungseinrichtungen oder einer "elite"wirtschaftshochschule. sondern vor allem eine ziemlich umfassende bildung, die es ermöglicht, sachverhalte in der gesellschaft aus verschiedenen blickwinkeln wahrzunehmen und zu beurteilen. wenn diese fähigkeit auf "elite"instituten jeder art vermittelt wird, gut, aber ich fürchte, das kommt zu kurz weil es anscheinend vor allem auf marktgängigkeit ankommt.
das hat aber ebenso viel mit "elite" zu tun wie "elite" mit geld.
der wahrste satz ist wohl der, dass nur diejenigen sich selbst als elite bezeichnen, die es nicht sind. so eine selbstbezeichnung zeigt eigentlich nur, dass man von sich selbst völlig überzeugt ist.
nunutella sagte:
der wahrste satz ist wohl der, dass nur diejenigen sich selbst als elite bezeichnen, die es nicht sind. so eine selbstbezeichnung zeigt eigentlich nur, dass man von sich selbst völlig überzeugt ist.
unsinn. wenn im sport jemand einen rekord erzielt sagt er auch ich bin weltmeister und es trifft trotzdem objektiv zu.
hier geht es eben um unscharfe talente und fähigkeiten, die man nur schwer in einer formel zum ausdruck bringen kann. trotzdem sind die, die sich für eine elite halten, deshalb nicht automatisch keine.
aber natürlich werden immer mehr elite werden wollen als es am ende tatsächlich sein können. das ist ganz normaler wettbewerb.
Dennoch gibt es viele Eliten- in der Wissenschaft, der Bildung, der Politik, durch Geld, usw... Wenn jemand in die eine Elite gehoert, ist er noch lange nicht in der anderen. Was jedoch alle diese Eliten ausnahmslos besitzen, ist, dass sie keine Beruehrungsangst vor den anderen Eliten besitzen.
Ich denke, es ist leichter, herauszufinden, wer nicht in eine dieser Eliten gehoert: Das sind die Menschen, die ihnen unbekannte Stars/Personen bewundern, sie wie Paparazzis ablichten oder es ganz toll finden, von diesen erzaehlen zu koennen. Die es als absolutes Highlight in ihrem Leben ansehen wuerden, bestimmte Menschen zu treffen oder mit ihnen reden zu duerfen.
Aber: alle arbeiten dieser Auffassung zu, die das Problem der Elite auf diesen fragwürdigen finanziellen Aspekt beschränkt sehen.
Elite, das Wort heißt erst einmal Auslese. Und genau in dieser normativen Zuschreibung von Schlechten und Guten liegt der undemokratische Kern des, fast möchte man schon sagen, Trends.
Nicht mehr, daß jeder sein Bestes gibt, sich nach Kräften und Möglichkeiten bemüht, ist das Ziel, sondern Elitebildung will ja gerade durch den verstärkten Wettbewerb motivieren, besser zu sein als andere. In diesem Komparativ liegt auch der Grund für die fast zwangsläufige Überheblichkeit jener, die sich zur Elite zählen (möchten).
Was übrigens nicht heißt, daß auch eine sog. Eliteschule eine gute Schule sein kann. Es kommt immer darauf an, ob sich die Schüler/Studenten einem Leistungsgedanken unterziehen, der zuvorderst die Leistung im Vergleich zu den anderen bemißt und nicht danach, was unter gegebenen (persönlichen, faktischen) Umständen eine sachangemessene Lösung darstellt.
Denn egal, welcher ideologischen Ausrichtung man sich verbunden fühlt, eins sollte unter Demokraten eine selbstverständliche Grundlage sein: hinsichtlich der Eigenschaft "menschliche Würde" kann es keine Unterschiede geben, da sind alle als Träger dieser Menschenwürde gleich. Weswegen eine normativ wertende Auslese von Guten, Besseren, Besten etc. immer eine falsche Kausalität bzw. Verknüpfung von Leistung und Leistungsmöglichkeit einerseits mit dem Merkmal des gesellschaftlichen Ansehens (und der entsprechenden Belohnung) verwendet.
Und an dieser werden sich die Überheblichen schlicht verheben müssen: immer in jenen Grenzsituationen menschlichen Daseins, wo Leistung, Geld, Macht, Ansehen nicht mehr zählen, sondern es nur noch menschliche Hoffnung gibt.
Deswegen sterben die Elitemanager am gleichen Krebs wie die "Ausgelesenen", deswegen sterben Elitesoldaten in den gleichen schmutzigen Kriegen wie die einfachen Söldner, deswegen ist das Bekenntnis einer Liebe für jeden eine Entwaffnung und ein Sich-Preisgeben.
Jeder sollte seine Fähigkeiten bestmöglich entwickeln dürfen, aber niemand sollte (ich sage das mal neutral) dazu gebracht werden, seine Fähigkeiten zu entwickeln, um besser zu sein als andere.
These: je weiter die gesellschaftlichen Lebensverhältnisse in einem Land auseinanderklaffen, desto eher wird der Elite-Gedanke Verbreitung finden können.
Relativ homogene Gesellschaften werden die Vorteile des Bewußtseins vom gleichen Wert eines jeden menschlichen Daseins zu schätzen wissen.
15.02.2008 - 12:14 Uhr
riesenherz
Ich mach mal eine Vorgabe: hier in der Nähe gibt es das Internat Louisenlund, eine Schule im Salem-Verbund, auf die der schleswig-holsteinische Adel und der Geldadel seine Kinder schickt.
Die umliegenden Gymnasien rümpfen über die Leistungen dort eher ein wenig die Nase (da verhalten sich die normalen Schulen sehr elitär), das Sozialisierungsprogramm mit Aufgaben und Pflichten für das Gemeinwohl in dem Internat ist sehr anspruchsvoll, und natürlich bedeutet die Aufnahme in die Geminschaft dort eine fast lebenslange Absicherung gegen Arbeitslosigkeit. Dennirgendeiner kann immer weiterhelfen.
Jedoch: dabei mtzumachen, bedetuet eben auch Ja zu sagen zu einer Gesellschaft, die auf eine ganz bestimmte Weise verfaßt ist. Oder, anders gesagt: die ganz große Unabhängigkeit und Freiheit der Entscheidung gibt man schnell auf. Denn nur wer die Regeln der Gesellschaft (wie verlogen sie im Einzelfall auch sein mögen) nicht antastet, hat die Chance, sanft gebettet zu sein.
Das sieht man am besten an den Folgen der Exzellenzinitiative.
Folge ich also der offiziellen Aussendarstellung der Uni Freiburg, darf ich mich theoretisch auch Elitestudent nennen.
@KG: der Vergleich mit dem Sport hinkt aber ganz gewaltig. Aber das weisst Du sicher. (mir fällt gerade auch ein, daß ich noch gehört habe, wie sich ein Sportler selbst als Elite bezeicht. Oder liegt das nur am oft beschränkten Wortschatz?)
Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, dass bessere Bildungseinrichtungen auch mehr Geld kosten. Solange es für talentierte Menschen aus sozial schwächeren Schichten genügend Fördermöglichkeiten gibt. Und da hinkt Deutschland immer noch sehr hinterher. Dafür ist aber der Staat mindestens ebenso wie die Wirschaft verantwortlich.
ich studiere bwl und informatik in köln. die studenten hier kommen sich auch sehr geil vor. zum schießen, wie da manchmal gegockelt wird. schmalspurbildung ist hier an der tagesordnung, es wird immer schön im sinne der initiative neue marktwirtschaft gedrillt.
ob frühkinderförderung in marketing sinnvoll ist? kinder haben doch erstmal die grundlagen menschlichen zusammenlebens zu lernen, bevor man sie so verdirbt.
Es gibt kein anderes Land, in dem das Wort so negativ besetzt ist wie hier.
webs sagte:
@KG: der Vergleich mit dem Sport hinkt aber ganz gewaltig. Aber das weisst Du sicher. (mir fällt gerade auch ein, daß ich noch gehört habe, wie sich ein Sportler selbst als Elite bezeicht. Oder liegt das nur am oft beschränkten Wortschatz?)
Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, dass bessere Bildungseinrichtungen auch mehr Geld kosten. Solange es für talentierte Menschen aus sozial schwächeren Schichten genügend Fördermöglichkeiten gibt. Und da hinkt Deutschland immer noch sehr hinterher. Dafür ist aber der Staat mindestens ebenso wie die Wirschaft verantwortlich.
das wort elite ist im sport einfach unüblich, meint aber im prinzip dasselbe. interessanterweise ist im golfsport häufiger von der "golfelite" die rede.
ich bin gegen jegliche staatliche einflussnahme auf bildung. das halte ich für die allergrößte aller gefahren für eine freie gesellschaft, auch wenn sie getarnt in form einer förderung daher kommt. den betrieb öffentlicher schulen verbitte ich mir vollständig. wenn man sozial schwache talente fördern möchte, dann bitte über private initiativen, bei denen die varietät dadurch gesichert ist, dass sie untereinander in konkurrenz stehen.
und wie ich schon oft erläutert habe: gerade kapitalisten wissen in der regel, dass es gefährlich ist sich nur auf die zu verlassen, die schon oben sind und der wettbewerb um talente alle schichten der bevölkerung mit einschliessen muss.
wirklich misstrauisch bin ich bei staatlichen eliteinstituten, die sind eine ungeheure gefahr. aus frankfreich kennen wir das ja alle besonders gut.
15.02.2008 - 17:53 Uhr
diedrossel
15.02.2008 - 18:06 Uhr
octopussy
Kann man Eliten formen? Meiner Meinung nach nicht.
im ernst, ein gewisses mass an "elite"-foerderung haette ich fuer mich selbst auch gut gefunden, aber bitte nicht schon mit 2, und ohne druck. die idealen eltern sind halt aufmerksame, die das individuelle potential in ihrem kind erkennen (das tatsaechlich vorhandene, nicht nur das, das am meisten geld bringen wuerde) und foerdern - durch geld an gute schulen, oder auch "nur" durch eigene intelligenz und zeit. oder lernmaterial. internetzugang. ermutigende worte. es geht wohl auch ganz ohne, aber sicherlich nicht so leicht.
15.02.2008 - 19:30 Uhr
ein_oxymoron
allerdings muss ich sagen, dass auf den studenten von elite-unis, die ich kenne, ein unglaublicher druck vonseiten ihrer eltern lastet. ein freund von mir haette gern archaeologie studiert- er ist nun investmentbanker. weil er wohl angst hatte, mit seinem eigentlichen wunschjob nicht soviel geld, anerkennung etc. zu verdienen, wie das eben in unserer (oder in seiner) gesellschaft noetig ist, um neben den eltern bestehen zu koennen.
natuerlich ist das nur ein beispiel, aber ich frage mich, wie viele leute einfach von klein auf dazu programmiert wurden, zu "funktionieren" und dann eben das tun, was von ihnen erwartet wird... ohne sich selbst zu fragen was sie WIRKLICH tun MOECHTEN.
ich stimme riesenherz zu (jaja, wie so oft), jeder sollte nach seinen faehigkeiten gefoerdert werden und nicht an anderen gemessen werden.
mein sohn ist jetzt 14 monate alt, vielleicht sollte ich mir ja mal gedanke darueber machen, ob er neben slowenisch, deutsch und englich (das ist bei uns einfach... wir machen das nicht absichtlich) auch doch noch chinesisch lernen sollte... ;-)
*
elite nicht definieren können, weil das so unscharf ist, aber trotzdem einen artikel lang drüber reden.
sagen elite hätte vielleicht viel mit finanziellem background zu tun, und dann - verwundert?!?! - feststellen, dass die reichen keine angst vor arbeitslosigkeit haben. ich bin völlig perplex, das hätte ich nie gedacht. auch das leute, die an super unis studieren keine angst vor arbeitslosigkeit haben. wow!
und das an eliteunis alles einen namen trägt. na, wie das wohl kommt? vielleicht könnten wir auch noch verwundert feststellen, dass ein klaus- zumwinckel- briefkasten auch noch von klaus zumwinckel bezahlt worden ist.
irgendwie rührend diese naivität.
....Er war gesund, eine Maschine, die lief. Einen Grund sich zu beklagen gab es für ihn nie. Nur: er war gefangen und er konnte nicht fort, in einem Schloss so groß wie ein Dorf....
....Er hatte viel mehr Ideen, wollte sie niemand erzählen und nichts lieber als gehen. Aber er blieb, wo er war. Machte die Träume seiner Eltern wahr mit fünfundzwanzig übernahm er den Laden und wurde reicher als sein Vater je gewesen war....
Ansönsten interessanter Artikel und lesenswerte Kommentare!
Guten Abend
Im vergangenen Sommer gaben ein Freund und ich das Interview, das Frau Friedrichs als Grundlage für ihre Aussagen über Salem diente. Außerdem hat sie in einem viertätigen Aufenthalt weitere Einblicke in das Internatsleben erhalten können.
Immer wieder wurde sie während dieser Zeit mit der Philosophie unserer Schule konfrontiert, die auf den Gründer und bekannten Reformpädagogen Kurt Hahn zurückzuführen ist. Sein Leitsatz war: "Plus est en vous!" - "In euch steckt mehr!". Dieser Leitsatz bedeutet die Forderung der Salemer Schüler auf allen Gebieten, auch auf dem Feld der Verantwortungsübernahme. Jeder von uns ist in einem sogenannten Dienst tätig. Dieser kann die Mitgliedschaft in der örtlichen Feuerwehr, dem THW oder dem Rettungsdienst sein und somit ständige Einsatzbereitschaft bedeuten. Er kann aber auch Nachhilfe in einer Sonderschule oder die Betreuung alter und Behinderter Menschen in Pflegeheimen bedeuten.
Außerdem engagieren sich jedes Jahr zahlreiche Schüler in internationalen Hilfsprojekten, bei denen sie Trinkwasserleitungen im thailändischen Urwald einrichten oder wie ich im letzten Sommer in einer südafrikanischen Kleinstadt mit einer AIDS Rate von 30% durch die Sanierung eines Kindergartens wenigstens etwas Licht in das Leben der wirklich Benachteiligten bringen. Das Geld für diese Projekte bezahlen wir in der Regel vom eigenen Ersparten oder arbeiten dafür.
Diese Aktivitäten sind für uns selbstverständlich. In Kombination mit unseren Leittugenden "Mut, Verantwortung und Wahrheitsliebe" erziehen sie uns zu Menschen, die einmal positiv in Verantwortungspositionen für die Gesellschaft wirken sollen.
Selbstverständlich sind auch gute akademische Leistungen dafür notwendig, welche von jedem eingefordert werden. Wir müssen die Anforderungen des baden-württembergischen Zentralabiturs erfüllen, bei dem wir überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, oder den äußerst hohen Ansprüchen des International Baccalaureate genügen, wo wir europaweite Standards setzten.
Aufgrund all dieser Tatsachen ist mir unklar, wie Frau Friedrichs zu ihrem Schluss kommt, dass unser Anspruch der Verantwortungselite nur aufgrund mangelnder intellektueller Fähigkeiten besteht.
Ich würde mich persönlich sehr freuen, wenn mehr Bereitschaft bestünde unsere Schule Schloss Salem differenzierter und ohne Vorurteile in den Medien darzustellen.
20.02.2008 - 17:14 Uhr
Medien2008
Im vergangenen Sommer gaben ein Freund und ich das Interview, das Frau Friedrichs als Grundlage für ihre Aussagen über Salem diente. Außerdem hat sie in einem viertätigen Aufenthalt weitere Einblicke in das Internatsleben erhalten können.
Immer wieder wurde sie während dieser Zeit mit der Philosophie unserer Schule konfrontiert, die auf den Gründer und bekannten Reformpädagogen Kurt Hahn zurückzuführen ist. Sein Leitsatz war: "Plus est en vous!" - "In euch steckt mehr!". Dieser Leitsatz bedeutet die Forderung der Salemer Schüler auf allen Gebieten, auch auf dem Feld der Verantwortungsübernahme. Jeder von uns ist in einem sogenannten Dienst tätig. Dieser kann die Mitgliedschaft in der örtlichen Feuerwehr, dem THW oder dem Rettungsdienst sein und somit ständige Einsatzbereitschaft bedeuten. Er kann aber auch Nachhilfe in einer Sonderschule oder die Betreuung alter und Behinderter Menschen in Pflegeheimen bedeuten.
Außerdem engagieren sich jedes Jahr zahlreiche Schüler in internationalen Hilfsprojekten, bei denen sie Trinkwasserleitungen im thailändischen Urwald einrichten oder wie ich im letzten Sommer in einer südafrikanischen Kleinstadt mit einer AIDS Rate von 30% durch die Sanierung eines Kindergartens wenigstens etwas Licht in das Leben der wirklich Benachteiligten bringen. Das Geld für diese Projekte bezahlen wir in der Regel vom eigenen Ersparten oder arbeiten dafür.
Diese Aktivitäten sind für uns selbstverständlich. In Kombination mit unseren Leittugenden "Mut, Verantwortung und Wahrheitsliebe" erziehen sie uns zu Menschen, die einmal positiv in Verantwortungspositionen für die Gesellschaft wirken sollen.
Selbstverständlich sind auch gute akademische Leistungen dafür notwendig, welche von jedem eingefordert werden. Wir müssen die Anforderungen des baden-württembergischen Zentralabiturs erfüllen, bei dem wir überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, oder den äußerst hohen Ansprüchen des International Baccalaureate genügen, wo wir europaweite Standards setzten.
Aufgrund all dieser Tatsachen ist mir unklar, wie Frau Friedrichs zu ihrem Schluss kommt, dass unser Anspruch der Verantwortungselite nur aufgrund mangelnder intellektueller Fähigkeiten besteht.
Ich würde mich persönlich sehr freuen, wenn mehr Bereitschaft bestünde unsere Schule Schloss Salem differenzierter und ohne Vorurteile in den Medien darzustellen.
20.02.2008 - 17:22 Uhr
the-wrong-girl
the-wrong-girl sagte:
Hu Du kommst einem aber auch unheimlich "auf Linie" vor. Naja, gut, ich les vielleicht erstmal den Artikel.
stimmt, er ist ziemlich auf linie. aber in dem alter ist jeder entweder auf irgendeiner linie oder in opposition zu ihr, auch ausserhalb elitärer zirkel, und beides wird im laufe der zeit relativiert.
wobei eliten durch die vielfalt der möglichkeiten eher relativierungsmöglichkeiten haben als die anderen. also keine sorge.
Als betroffene Mutter, über deren Kinder sowohl in dem genannten Buch als auch in dem von der Autorin gedrehten Film berichtet wird, kann ich nur sagen: Wir sind bestürzt über so eine einseitige Berichterstattung und über derart gezielt eingesetzte Schnitt-Techniken. Der Film sollte alternative Bildungswege und bilinguale Erziehung als Innovation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dokumentieren. Von einem parallel erscheinenden Buch wussten wir nichts. Nun werden unsere Kinder als „Einheizer“ bei Lesungen zur Vermarktung eines Buches benutzt - das ist Kapitalismus pur und damit genau das, was Julia Friedrichs mit ihrem Buch vorgibt, anzuprangern.
Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder früh Englisch lernen, weil sie in jungen Jahren eine zweite Sprache viel einfacher aufnehmen können, aber nicht, um aus ihnen Investmentbanker oder Unternehmensberater zu machen oder sie auf eine andere Art in eine nebulöse Elite zu pressen. Auch einem Bauarbeiter oder einer Friseurin schadet es nicht, fließend Englisch zu sprechen und was meine Kinder später beruflich machen, entscheiden sie sowieso selbst. Leider wurde das von der Autorin komplett anders dargestellt - so passt es ja auch nicht zu ihren aufgestellten Thesen, also nehmen wir uns mal die journalistische Freiheit und schneiden bzw. zitieren das so, wie es zur eigenen Meinung passt: Und schon ist die Story gestrickt!
wichtig ist dass die eltern die freiheit haben, ihre kinder nach ihren massstäben zu erziehen - auch wenn dabei fehler gemacht werden. schlimm wird es erst, wenn der staat sich hier einmischt mit standards, die die elterliche autorität untergraben.








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14.02.2008 - 19:33 Uhr
moe123