14.02.2008 - 16:00 Uhr

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Zum Valentinstag: Warum nicht mal zu dritt?

Text: penni-dreyer - Foto: ap

Tilda Swinton hat es gut: Mit ihrem neuen Film hat sie sich endgültig als Ausnahmeschauspielerin etabliert. Und zwei Beziehungen pflegt die Frau auch. Grund genug, darüber nachzudenken, ob so eine Dreierbeziehung uns nicht allen gut tun würde.

Tilda Swinton hat es schon gut. Die britische Ausnahmeschauspielerin, eine Ikone der kantigen Anmut, wird gerne als „übersinnlich“ oder als „wandelndes Rennaissance-Gemälde“ beschrieben. Derzeit treibt sich die 47jährige auf der Berlinale herum, mit dem Film „Julia“, den Kritiker sämtlicher Medien für ihren absoluten Durchbruch als Künstlerin halten. Swinton, die bisher immer als unantastbar galt, spielt darin eine leicht verkommene Alkoholikerin, die ein Kind entführt. Jetzt erfahren wir auch noch, dass Swinton total lässig Liebesbeziehungen zu gleich zwei verschiedenen Männern pflegt. Der eine ist knapp zwanzig Jahre älter und lebt mit ihr und den gemeinsamen Kindern. Der andere ist knackige zwanzig Jahre jünger und für Reisebegleitung und romantisches Bespaßungsprogramm zuständig. Swinton findet das Unternehmen „einfach so vernünftig“. Grund genug, um einmal über die Frage nachzudenken, ob nicht eigentlich in jedem Herzen Platz für mehr als einen Liebesmensch ist. Aller Erfahrung nach liegt die Unfähigkeit, immer nur einen Menschen gut zu finden, in der Natur des Menschen. Die Literatur, die Popmusik, die Telenovela, das Tagebuch auf jetzt.de – all die kulturellen Errungenschaften der westlichen Welt wären ein Nichts, wären traurig und öde ohne die verbotene Romanze und den heimlichen Seitensprung. Heimliche Verguckungen und sexuelle Nebenschlachtfelder sind der Kleister, der größere Freundeskreise und kleinere Ortsgemeinden an der Basis zusammenhält. Manchmal verkneifen sich die Fremdverliebten den neuen Menschen und verdrängen ihn in die hinterste Ecke ihres Unterbewusstseins. Dort sitzt und schwelt er dann gerne über Monate hinweg und funkt Zweifel in die legitime Beziehung. Wenn die oder der Nebenverliebte sich ein bisschen reinhängt, kommt es zu Treulosigkeiten. Beziehungsweise verbringt der Fremdverliebte Stunden und Tage damit, die Treulosigkeit in Erwägung zu ziehen. Qualvoll ist sein Leid – egal ob die Affaire in Gedanken oder echt passiert: Schwere Selbstvorwürfe, Zweifel an der eigenen Moral und jede Menge Logistikstress müssen in Kauf genommen werden.
Rennaissance-Gemälde in Dreierbeziehung. Selig sind diejenigen, die viele Jahre in einer Beziehung leben, ohne sich irgendwann zwischendurch mal seitwärts zu verlieben, denn sie wissen nicht, was eine temporäre Schizophrenie ist. Ein bisschen unheimlich sind sie aber auch. Dass sich zwei Menschen über viele Jahre und durch viele Phasen synchron und parallel entwickeln ist zwar das allgemeine Beziehungsideal, aber in Wahrheit ein ganz seltenes Glück. Es ist halt so: Nur wenige Menschen auf dieser Welt erfüllen alle Maßstäbe, die wir an sie anlegen. Entweder sie mögen unsere Freunde nicht, oder sie wollen anders Sex. Wir finden die Musik abscheulich, die sie hören, oder haben etwas an ihren Körperpflegegewohnheiten auszusetzen. Und wenn wir ehrlich sind, verlangen wir auch ganz schön zu viel, wenn wir von einer Person die Erfüllung all unserer Wünsche erwarten. Und eine Person, die man wirklich liebt möchte man ja auch lassen, wie sie ist. Nur eben blöd wenn dann eine andere Person mit ihrer neuen, unverbrauchten Tollheit in die gewohnte Beziehungsokaynis einbricht. Der oben beschriebene Affairengraus ist dann die eine Ergebnisvariante, ein schlimmes Beziehungsende die Andere. Beides ist schmerzhaft und traurig und deswegen könnte man eigentlich Frau Swinton zu ihrer Lösung beglückwünschen. Sie zwingt nicht einen einzelnen Menschen dazu, ihr in allen Lebenslagen zur Verfügung zu stehen, sondern ordnet die Männer um sich herum so an, dass sie nur in den Situationen zum Einsatz kommen müssen, zu denen sie passen. Also den geerdeten 68jährigen als Familienvater und den freshen Junggaleristen als Partypartner. Wenn die beiden damit zurecht kommen, warum auch nicht? Vermutlich, weil die Normen unserer Gesellschaft stärker sind, als die meisten ihrer Mitglieder. Weil es schon fast unmöglich ist, über eine Dreiecksbeziehung ironiefrei nachzudenken und nicht nur auf emotionale Verkommenheit oder Gier zu reduzieren. Die Vorstellung von Exklusivität in der Liebe liegt nun mal genauso in der Natur des Menschen wie seine Tendenz immer noch mehr oder etwas anderes zu wollen. Leider erlauben wir eben nur unseren Eltern, andere Menschen neben uns zu lieben. Und tragen, wenn die das nicht absolut gerecht tun, auch lebenslange Schäden davon. Tja, und dazu kommt dann die Praxis. Denn letztlich kann sich kein Mensch – romantisch gesehen – auf zwei Personen gleichzeitig konzentrieren. Und wenn er es versucht, kann er damit rechnen, früher oder später so ausgelaugt und verstimmt zu enden, dass eh niemand mehr in ihn verliebt bleibt. Aber dass die Frau Swinton eine andere Kategorie Mensch ist, war ja vorher auch schon klar.


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__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.02.2008 - 16:21 Uhr
__xxx__

"Wer sagt denn, dass Liebesbeziehungen nur im Doppel funktionieren?"

Ich z.B.

diejodie
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.02.2008 - 16:30 Uhr
diejodie

"Denn letztlich kann sich kein Mensch – romantisch gesehen – auf zwei Personen gleichzeitig konzentrieren."

äh - und warum? ne begründung oder zumindest einen versuch einer begründung außer "es ist anstrengend" hätte ich jetzt schon ganz gerne.

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2008 - 16:34 Uhr
kulturgut

gerade weil wir heute in dieser hinsicht ein noch vor wenigen jahrzehnten ungeahntes maß an freiheit erreicht haben...ist es doch eher erstaunlich, wie viele leute sich doch immer wieder auf die klassische zweierbeziehung konzentrieren.

so ne zweierbeziehung scheint also vorteile zu haben, die über irgendwelche veralteten sittlichkeitsvorstellungen hinaus gehen.

wiseguy
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.02.2008 - 16:39 Uhr
wiseguy

kulturgut sagte:
gerade weil wir heute in dieser hinsicht ein noch vor wenigen jahrzehnten ungeahntes maß an freiheit erreicht haben...ist es doch eher erstaunlich, wie viele leute sich doch immer wieder auf die klassische zweierbeziehung konzentrieren.


Läuft dann wohl auf antizyklisches Verhalten in Verbindung mit (Rück-)Besinnung auf "alte" Werte und Institutionen in Zeiten des schnellen Wandels und der zunehmenden Freiheit raus...?!

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2008 - 16:48 Uhr
__xxx__

diejodie sagte:
äh - und warum? ne begründung oder zumindest einen versuch einer begründung außer "es ist anstrengend" hätte ich jetzt schon ganz gerne.


Weil das nicht unserer Natur entspricht. (Partner-)Liebe als Gefühl ist ausschließlich auf eine Person gerichtet weil unsere Gene in erster Linie "gute" Nachkommen verlangen, die auch entsprechende Umgebung voraussetzen.

Es kann schon anders funktionieren, aber es ist definitiv nicht die "Norm" für unsere natürliche Programmiereung. Wäre quasi ein "Fehler" bzw. durch eine Mutation bedingt.

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

1

14.02.2008 - 16:48 Uhr
ein_oxymoron

jetzt dachte ich schon, ich muesste meine meinung ueber penni-dreyer ueberdenken... bis zum letzten absatz dachte ich, super, endlich fangen sie an nachzudenken. aber wo endet das nachdenken?
"Denn letztlich kann sich kein Mensch – romantisch gesehen – auf zwei Personen gleichzeitig konzentrieren."
ach nein, kann kein mensch. ach so. und ich dachte, der artikel handelte von einem menschen, der das sehr wohl kann. aber bevor wir noch weiter unser weltbild und unsere art beziehungen zu fuehren in frage stellen muessen, erklaeren wir lieber diese seltsame frau zu "sowieso etwas ganz anderem". bravo.

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2008 - 16:51 Uhr
kulturgut

wiseguy sagte:
kulturgut sagte:

Läuft dann wohl auf antizyklisches Verhalten in Verbindung mit (Rück-)Besinnung auf "alte" Werte und Institutionen in Zeiten des schnellen Wandels und der zunehmenden Freiheit raus...?!


nö, genau das nehme ich nicht an, sondern eine permanente verfreiheitlichung mit gelegentlichen rückschlägen. aber an der stelle muss es ja kein rückschlag sein, sondern es scheint einfach mehr vorteile zu haben als man zunächst denkt.

ich selbst suche ja doch eher progressivere formen der partnerschaft ;)

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2008 - 16:52 Uhr
__xxx__

Oxy: finde ich aber legitim, da sie wirklich was anderes ist (falls das alles so der Wahrheit entspricht).

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

1

14.02.2008 - 16:53 Uhr
ein_oxymoron

__xxx__ sagte:
Weil das nicht unserer Natur entspricht.
[evolutionsgewaesch]



es entspricht nicht -deiner- und pennis natur, und anscheinend auch nicht der der meisten anderen menschen. es deswegen als "wider die natur" hinzustellen... nunja, mir wuerde da ein vergleich einfallen.

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Mag ich Mag ich nicht

1

14.02.2008 - 16:54 Uhr
ein_oxymoron

__xxx__ sagte:
Oxy: finde ich aber legitim, da sie wirklich was anderes ist (falls das alles so der Wahrheit entspricht).


alle menschen sind anders. manche sind halt mehr anders.

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