14.02.2008 - 19:00 Uhr

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Essen mit Lea: heute - Fastfood

Text: lea-hampel

Samstag nacht um drei - einige Getränke zuviel, das letzte Essbare hat der Magen am Nachmittag gesehen. Da tauchen sie vor dem inneren Auge auf: lange, goldgelbe Pommes. Oder ein Burger, frisch, mit kleinen Sesamkernen oben drauf und einem lecker angegrillten Stück Fleisch zwischen Salat und Tomate. Das alles bitte jetzt sofort.
Doch schon schleichen fiese Gedankengänge um die Ecke: Anstehen zwischen Betrunkenen nachts um drei in Burgerfilialen, das Aufstoßen noch Stunden nach dem Essen und das schlechte Gewissen am nächsten Morgen.

Burger und Pommes laufen auch in Deutschland mittlerweile unter der Bezeichnung "junk food". Das sagt eigentlich schon alles. Wörtlich versteht man unter "junk food" kalorienreiche Nahrung von geringem Nährwert. Nicht nur in diesem direkten Sinn ist das Wort passend. Junk heißt eigentlich Trödel oder Altmaterial. Das Wort wird außerdem als Bezeichnung für Drogen verwendet. Quasi: ist nicht gut und macht auch noch abhängig.
1. Den Fakten nach ist Fett aber nun mal ein Geschmacksträger. Es lässt Dinge besonders lecker und intensiv schmecken. Das könnte man mit komplizierten Molekülketten erklären, wie This-Benckhard in seinem tollen und auch für Nicht-Physiker interessanten Buch Rätsel und Geheimnisse der Kochkunst. Naturwissenschaftlich erklärt es tut. Er beschreibt detailliert, was bei den einzelnen Vorgängen wie Frittieren, Backen oder Braten geschieht. Sein Buch funktioniert nach dem Prinzip: wenn ich verstanden habe, warum was im Kochtopf passiert, ist das Ergebnis auch besser. Im Fall von Fett genügt aber Folgendes: es gibt verschiedene Arten von Molekülen. Die sogenannten Aromamoleküle, die für den Geschmack im Essen sorgen, lösen sich besonders gut in Fett und können daher gut von den Geschmacksrezeptoren auf der Zunge aufgenommen werden können.
2. Rund um den Döner Vermutlich ähnelt die deutsche Sicht auf den Döner der ausländischen Sicht auf die Bratwurst. Die gilt als deutsches Nationalgericht. Dass es in Deutschland unzählige verschiedene Wurstsorten gibt, die gebraten, gekocht, aufs Brot oder in der Suppe gegessen werden und viele Deutsche auch Vegetarier sind, wird dabei im Ausland gern übersehen. Ähnlich ist es mit dem Döner. Der ist in der Türkei nur eine von vielen leckeren Speisen, die man auf der Straße zum Mitnehmen kaufen kann. Die meisten Dönerstände gibt es ohnehin in Berlin, und nicht in Istanbul, wo der Döner entstanden ist. Entgegen der Tendenz mittelgroßer Städte, sich künstlich konstruierte Superlative zuzuschreiben, ist Berlin tatsächlich Dönerwelthauptstadt. In Zahlen heißt das: an über 1300 Stellen in Berlin drehen sich täglich von Prenzlauerberg bis Neukölln die Spieße. Den Großstadtmythen zufolge wurde der erste Döner 1971 im berühmten Kreuzberger Lokal Hasir verkauft. Das Hasir gilt zwar nach wie vor als einer der besten Orte, um in Berlin Döner zu essen. Aber nicht nur Berlin ist Döner versessen auf Döner: 1,15 Millionen Döner essen die Deutschen pro Tag im Schnitt. Und das, zumindest in der Theorie, nach genau geregelten Vorschriften: seit dem 1.1.1997 gibt es eine Regelung, wie die Fleischkegel zusammengesetzt sein müssen: die Festschreibung der Berliner Verkehrsauffassung für das Fleischerzeugnis Dönerkebab, die die Fleischzusammensetzung und die Hackfleischanteile und -verarbeitung regelt. Traditionell besteht Döner aus Lamm- oder Hammelfleisch, die Varianten mit verschiedenen Puten- und anderem Fleisch sind erst mit der Zeit und vor allem in Deutschland entstanden. Die Bezeichnung Dönerkebab stammt übrigens von den türkischen Wörtern "döndurmek", was "sich drehen" heisst und "kebab", was "Gebratenes" oder "Röstfleisch" bedeutet.
3. In Zahlen Zwar hat Berlin die meisten Dönerbuden, die höchste Dichte an Fastfoodlokalen besteht jedoch in München. Das hat eine gerade veröffentlichte Studie gezeigt. Ein Fastfood-Restaurant pro 5,65 Quadratkilometer gibt es in Bayerns Hauptstadt. Berlin ist nur auf Platz 9, mit einem Restaurant auf 9,39km². Allerdings wurden Döner- und Pizzastände in der Studie leider nicht berücksichtigt. Weit abgeschlagen: Münster, auf Platz 50. EEin Fastfoodlokal deckt hier im Schnitt 42,84 Quadratkilometer ab.
4. Dönervideo Ganz schön viel Döner war das jetzt schon - ein letztes muss es noch sein. Dazu muss ich kurz ausholen: es gibt Menschen, die schätzen Berghüttenromantik, aber der Weg ist ein bisschen weit und ihre Zentralheizung ist ihnen auch sehr lieb, genauso wie ihr warmes Wasser und der Fernseher. Und weil der ohnehin die meiste Zeit läuft, kaufen sie sich eine DVD, auf der ein Kaminfeuer brennt – weil „das so ein schönes Licht gibt“ und laut Einrichtungszeitschrift „auch in die Großstadtwohnung gemütliche Winterurlaubsstimmung zaubert“. Doch wer das schon für den Gipfel der Schrecklichkeit hält – weit gefehlt. Denn das selbe in grün ist der sogenannte iDöner. Ein Fleischspieß, der sich endlos dreht, auf DVD, bei Bedarf sogar zwei Spieße nebeneinander. Nur gut, dass das Geruchsfernsehen noch nicht erfunden wurde. Die Frage nach den Motiven ist hier nicht so leicht zu beantworten wie im obigen Beispiel: Dauerhunger? Der würde dadurch nur schlimmer. Ein gewöhnungsbedürftiger Sinn für Humor? Bei der zwanzigsten Umdrehung ist der Spaß vorbei. Wer dennoch auch mit dem Gedanken spielt, sein Wohnzimmer zur Imbissbude werden zu lassen, bekommt hier eine Vorschau auf die Grillfleischdrehspießaussicht im Wohnzimmer.
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lea-hampel

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.