31.01.2008 - 09:00 Uhr

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Quittengelee statt Herrenbesuch: Zu Besuch in Friedrichshafen

Text: christian-helten

Eine Wohnung und ihre Einrichtung verrät manchmal viel über ihre Bewohner. jetzt.de besichtigt jede Woche ein anderes Zuhause und fragt die Mieter nach ihren GeWohnheiten. Alle Folgen der Serie findest du im Label Wohnungsschau.

Katharina und Sophie studieren in Friedrichshafen, einer Kleinstadt am Bodensee. Dort teilen sie sich eine Dreizimmerwohnung in einem kleinen Haus mit Garten. Die Wohnung misst 64 Quadratmeter und kostet 500 Euro inklusive aller Nebenkosten.
Sophie und Katharina bewohnen das Erdgeschoss des Hauses. Das linke Fenster mit Terassentür gehört zu Katharinas Zimmer.
Die Vermieterin pflanzt "Vespergürkle", Sophie und Katharina alles mögliche. Im Sommer blühen im Beet vor dem Haus Blumen und Kräuter, im Moment trotzt nur der Rosmarin dem Winter.
Katharinas Schreibtisch. Gefährlich: Die Nähe zum Bett,...
...das zu gemütlichem Lümmeln einlädt
Das Gästezimmer aka Rumpelkammer und Auffangbecken. Foto erst nach Verhandlungen möglich
Wohnen in einem Kleinstadthaus in einer Kleinstadt: Was ist anders als in der Großstadt? Sophie: Naja, wir wohnen ja noch nicht mal in der Kleinstadt! Wir wohnen in der Vorstadt der Kleinstadt. Sehr beschaulich. Wir haben hier eine Terrasse und einen Garten, in dem wir als erste Amtshandlung nach unserem Einzug viele Kräuter angepflanzt haben. Das wäre in einer Großstadt wohl eher nicht bezahlbar für zwei Studentinnen. Katharina: Eine schwäbische Vorstadt einer Kleinstadt unterscheidet sich auch deutlich von einer Großstadt in der Akribie der Mülltrennung. Eure Vermieterin ist ja ein wenig älter und wohnt direkt nebenan, hab ich gesehen. Bringt so ein Mietverhältnis Besonderheiten mit sich? Sophie: (lacht schallend) Klassiker! Als wir eingezogen sind, meinte sie, wir sollten ihr bitte Besuch – besonders natürlich Herrenbesuch – anmelden. Sie wäre da schon gerne im Bilde, wer sich in ihrem Haus aufhält. Das hab ich nicht sonderlich ernst genommen. Und letzten Sommer kam’s dann zu einem Eklat. Eigentlich hat sie sich schrecklich über einen kleinen Grillabend aufgeregt, der sich dann irgendwie doch bis um halb fünf Uhr morgens gezogen hatte. Und dabei konnte sie es sich nicht verkneifen, wo sie schon mal am Schimpfen war, auch noch den "ständig wechselnden" Männerbesuch zu monieren. Sehr originell. Ich meine, so lang ich mir kein Neonschild mit dem Schriftzug "OPEN" mit einem rot blinkenden Herz ins Fenster hänge, haben die doch bitte meine Besuche nicht zu interessieren. Selbst wenn jeden Tag wer anders käme. Keine Ahnung, ob das eher mit dem Altsein oder ihrem Schwäbischsein zu tun hat. Jedenfalls hat unser Kontakt seitdem einen Knacks. Andererseits bewundere ich sie schon auch. Sie ist Mitte oder Ende 70 und macht mit ihrem Mann einfach alles selbst hier im Haus und im Garten. Reparaturen und alles. Außerdem war sie früher Damenschneiderin und ändert uns immer unsere Kleider, wenn wir sie bitten. Generell: Wie stellt man sich mit seiner Vermieterin gut? Katharina: Ich würde sagen, wir beschränken uns hier auf Themen wie Enkelkinder und Kinderkrankheiten, das schöne Leben damals in der Vergangenheit, Rezepte von Marmelade und die aktuellen Kekssorten. Wir tauschen besonders gerne mein Quittengelee gegen ihre Mirabellenmarmelade. Nutzt ihr euren Garten eigentlich gebührend? Sophie: Vom Kräutergarten haben wir ja schon erzählt. Der liegt uns sehr am Herzen. Katharina: Ja, unser Garten mit den Kräutern ist unser ganzer Stolz. Nach den Semesterferien werden erstmal staunend die riesigen Ausmaße unseres Rosmarins begutachtet. Sophie verwandelt die Minze dann mit Pimm´s No. 1 und Gurke in ein ungemein leckeres Getränk. Das gibt’s dann auf unserer spießigen Couch. Sophie: Ansonsten lässt es sich auch im Garten und auf der Terrasse lernen und arbeiten. W-Lan reicht auch so weit. Zum Beispiel auf dem Holzbänkchen an der Hauswand. Und beim Arbeiten ist die Aussicht auf den ein oder anderen Grillabend, der hier veranstaltet wird, schon auch ziemlich motivierend. Gibt es bei euch ein Möbelstück mit Geschichte? Kathl: Ja, es gibt dieses Sofa, das auf einer alten Euro-Palette steht, damit wir beim Essen besser an den Tisch reichen. Das habe ich in Hamburg im Flohmarkt-Geschäft Stilbruch gefunden. Stand sofort hoch in meiner Gunst. Hier ist es sowas wie unser Wohnungsmittelpunkt. Und unser gemeinsamer Rückzugsort für nächtliche Tomatenmark-Brot-mit-Bier-Aktionen. Manchmal, wenn Besuch kommt, wird es mit so einem kobaltblauen, majestätischen Überwurf versehen. Ihr habt ein noch ein Gästezimmer. Warum braucht ihr so was? Sophie: Es ist nun mal eine Drei-Zimmer-Wohnung. Aber das dritte Zimmer ist einfach zu klein, um einen weiteren Mitbewohner zu beherbergen. Im Moment ist es eh bisschen vollgerümpelt und dient als Auffangbecken für alles, wofür in unseren Zimmern kein Platz ist. Und für unsere diversen vernachlässigten Sportgeräte, die hier angespült wurden. Wie die uralte Rudermaschine, die ich letztes Semester voller Elan angeschleppt habe, die aber nach zwei, drei Trainingseinheiten schon wieder uninteressant war… Aber ist schon mal praktisch, ein drittes Bett in der Wohnung zu haben. Wenn es mal jemandem nach einem rotweinträchtigen Abend etwas schwer fällt, sich zum Heimweg aufzuraffen. Jedenfalls habt ihre es nicht in ein Fernsehzimmer verwandelt. Ihr habt noch nicht mal Fernsehen in der Wohnung. Aus Überzeugung oder aus Faulheit? Sophie: Sagen wir so – aus Überzeugung, dass die Anschaffung des Fernsehers zu großer Faulheit führen würde. Es gibt sowie so schon genug Arten, sich vom konzentrierten Arbeiten davonzustehlen… Katharina: Ja, wenn wir zwei Bettliebhaber einen Fernseher hätten, der noch häufiger als DVD's und Scrubs-Folgen auf die Heizdecke locken würde, dann können wir unser Studium vergessen. Skype und E-Mails sind schon Ablenkung genug. Und hier unten wohnen wir ja alle so nah beieinander. Da kommt es auch öfter zu Spontan-Besuchen, so "Ich hab gehört Du kochst Hühnchen..ich bin in 10 Minuten da." Das gefällt mir deutlich besser als das Dschungel-Camp.
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christian-helten

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