23.01.2008 - 19:22 Uhr

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Düstres Bild vom Lehrer-Studium: Für sehr viele ist es eine Notlösung

Text: peter-wagner - Foto: dpa

Viele Lehramtsstudenten studieren ihr Fach nur aus Verlegenheit. Und viele, die später über einen Burn-Out klagen, waren schon im Studium wenig engagiert. Eine Studie aus Frankfurt zeichnet ein verheerendes Bild von der Motivation, auf ein Lehramt hin zu studieren

Lehrer haben es nicht leicht. Sie werden von allen Seiten mit Anforderungen bestürmt, sollen Schülern die Erziehung angedeihen lassen, die sie im Elternhaus nicht bekommen haben und sollen auch noch helfen, sie zu guten Schülern zu machen. Damit Deutschland beim nächsten PISA-Test international besser abschneidet. Die Anforderungen sind groß, kein Zweifel, und immer wieder ist vom Burn-Out die Rede, von der Kapitulation engagierter Lehrer vor ihrem eigenen Beruf. Forscher aus Frankfurt stellen nun mit einer Studie in Frage, ob man bei manchen Lehrern überhaupt von Burn-Out sprechen könne. „Die über besondere Belastungen Klagenden haben vermutlich nie ‚gebrannt’“ sagt Bildungsforscher Udo Rauin von der Goethe-Universität in Frankfurt. Er hat mit seinem Team 1.100 Lehrer von Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg zwölf Jahre lang vom Studium in den Beruf begleitet und die Ergebnisse nun in dem Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ veröffentlicht. Eines der Ergebnisse: Wer in Deutschland studiert, weil er Lehrer werden will, macht das sehr oft aus Verlegenheit.
Der Studie zufolge waren 60 Prozent all jener, die im Beruf über die Belastungen klagen schon im Studium überfordert. Im Vergleich dazu haben sich von denen, die im Studium schon voll bei der Sache waren später nur 10 Prozent über die Job-Belastungen mokiert. Andere Prozentzahlen aus dem Studienergebnis machen noch klarer, dass die Ausbildung zu einem der für die Gesellschaft wichtigsten Jobs oftmals Abiturienten angehen, die keine bessere Idee von ihrer Zukunft haben: * 25 Prozent aller Studienanfänger, die in der Studie befragt wurden, gaben an, das Studium sei eine Notlösung. Sie wollten eigentlich nicht wirklich Lehrer werden. Die Hälfte dieser Gruppe studierte trotzdem weiter. * 27 Prozent der Befragten gaben sich zum Beispiel selbst schlechte Noten in Fragen von Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Menschen, Engagement oder beruflicher Motivation. Trotzdem hielten sie an ihrem Berufsziel fest. * Über 50 Prozent der Studenten gaben an, dass a) der Wunsch, in der Nähe des Heimatortes studieren und später arbeiten zu können ihre Entscheidung beeinflusst habe; oder dass b) die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz und ein überschaubares Studium bei der Studienwahl eine Rolle spielte. Eine große Rolle bei den Motiven spielten auch sehr eigennützige Interessen. „Etwas überspitzt könnte man formulieren“, so Professor Rauin, „nicht nur geborene Erzieher drängen ins Lehramt, sondern oft auch Pragmatiker oder Hedonisten.“ Geringe Anforderungen im Studium und damit mehr Zeit für persönliche Interessen sind nach den Ergebnissen von Rauin und seinem Team auch wichtig bei der Berufswahl. Damit verknüpft ist die Erkenntnis, dass bei etwa 60 Prozent aller Lehramtsstudenten der Abischnitt im unteren Drittel liegt. Bequem, wenig engagiert, Lehramtsstudent aus Verlegenheit – die Studie der Frankfurter Bildungsforscher zeichnet ein düstres Bild, das im besonderen den Zustand bei den Studenten für das Lehramt an Haupt- und Realschulen skizziere. „Dieser Bereich wird häufig als ein Verlegenheitsstudium gewählt, weil man bestimmte andere Studiengänge nicht wählen konnte“, so Rauin. Ursachen für diese Ergebnisse gibt es freilich viele. Viele Schüler glauben, keinen Beruf so gut zu kennen wie den des Lehrers – sie haben ihn schließlich 13 Jahre live erlebt. Eventuell ein Trugschluss: Viele haben eine falsche Idee vom Lehrerberuf, weshalb Experten längere Praxisphasen schon zu Beginn des Studiums fordern, um die eventuell absehbare Frustration nicht auf den Berufsstart zu verschieben. Darüber hinaus müsse wohl die Beratung besser werden. Forscher von der Universität Potsdam haben deshalb schon einen Fragebogen entwickelt ("Fit für den Lehrerberuf?!"), mit dem jeder seine Motivation testen kann. Echte Optimisten träumen davon, dass der Job eines Lehrers dereinst so angesehen ist wie vielleicht der Beruf eines Juristen oder eines Mediziners. Die Idee dahinter: Nur die besten und engagiertesten eines Jahrgangs sollen in die Lehrerausbildung einsteigen dürfen. Um schließlich an einen Platz zu gelangen, der vielleicht der wichtigste Platz überhaupt in einer Gesellschaft ist: der Platz vor der Tafel und vor der Schulklasse.


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Wanninger_von_der_Au
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Mag ich Mag ich nicht

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23.01.2008 - 16:54 Uhr
Wanninger_von_der_Au

" 25 Prozent aller Studienanfänger, die in der Studie befragt wurden, gaben an, das Studium sei eine Notlösung. Sie wollten eigentlich nicht wirklich Lehrer werden. Die Hälfte dieser Gruppe studierte trotzdem weiter"

Das trifft sicher auf viele Berufe zu, in die man so hineinrutscht.

Sagt die Studie auch etwas darüber, ob diese Studienanfänger/innen überhaupt wissen, was sie beruflich machen wollen würden - oder gehören sie zu den vielen Menschen, die (wie ich) nie so recht wissen, was für ein Beruf der richtige für sie wäre?

25 % sagen: "Notlösung". Davon macht die Hälfte weiter. Ergibt 12,5´%. Wie viele schaffen den Abschluss, wie viele werden wirklich eingestellt?

Auch die anderen Punkte würden bei anderen Studiengängen sicher nicht allzusehr anders ausfallen: Viele Menschen möchten in der Nähe ihres Heimatortes arbeiten, viele möchten Sicherheit. Die Studie sagt ja auch nur, dass diese Wünsche die Entscheidung BEEINFLUSST haben. Was heißt das schon? Das ist doch ganz normal.

Mir fehlt hier der Vergleich zu anderen Berufen, Studienrichtungen und auch zu anderen Ländern.

Guenther_Hetzer
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23.01.2008 - 17:03 Uhr
Guenther_Hetzer

Genauso isset. Text + Kommentare. Schlimmes Volk. Selbstgerecht und völlig verzerrte Selbstwahrnehmung. Wenn ich's schon immer aus der PH-Ecke hab' stöhnen hören wie anstrengend das Studium doch ist.

der_onkel
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23.01.2008 - 17:04 Uhr
der_onkel

* 25 Prozent aller Studienanfänger, die in der Studie befragt wurden, gaben an, das Studium sei eine Notlösung. Sie wollten eigentlich nicht wirklich Lehrer werden. Die Hälfte dieser Gruppe studierte trotzdem weiter.

bleiben also noch 12.5% unmotivierte, das finde ich nicht uebermaessig schlimm. ein weg, die unmotivierten frueh genug auszufiltern, sind lehrpraktika in den ersten semestern, was ja mittlerweile auch standard in der lehrerausbildung ist. fast genauso wie das fruehe aufschnippeln von leichen, um die aerzte rauszufiltern, die kein blut sehen koennen.

lemar2
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Mag ich Mag ich nicht

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23.01.2008 - 17:12 Uhr
lemar2

*Über 50 Prozent der Studenten gaben an, dass a) der Wunsch, in der Nähe des Heimatortes studieren und später arbeiten zu können ihre Entscheidung beeinflusst habe;

Kann mir das mal bitte einer erklären? Ich bin an meinem Studienort, der nicht mein Heimatort ist, selbst zu Hauf mit dem Phänomen konfrontiert, dass bestimmt mehr als zwei Drittel aller Studenten aus einem 25-45 km Umkreis stammt und auch immernoch dort wohnt.
Was ist so toll daran, sein gesamtes Leben immer am selben Fleck zu verbringen? Bis Ende zwanzig bei Mama zu wohnen? Finanzielle Gründe können es ja kaum sein, es studieren ja sowieso fast nur die Kinder von Besserverdienenden. Zumindest sprechen die ganzen Autos der zu Hause wohnenden Studenten in der Uni-Tiefgarage eine eindeutige Sprache.

Aniya
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23.01.2008 - 17:12 Uhr
Aniya

Bei mir ist es anders rum : Weil ich mir nicht sicher war, was ich werden möchte, habe NICHT Lehramt studiert. Da hätte ich mich nämlich direkt auf Lehrer festlegen müssen. Das hätte ich nicht gewollt.
Obwohl Praktika bzw. Arbeiten an meiner Schule damals mich sehr motiviert hatten.

Sillium
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23.01.2008 - 17:14 Uhr
Sillium

Das ist genau das, was mir in den letzten Jahren an der Schule aufgefallen ist. Zig Lehrer oder Referendare, die ich hatte, haben nie etwas anderes gemacht, als auf die Schule zu gehen, studieren, Lehrer werden. Aber teilweise ohne jegliche selbsteinschätzung. Natürlich ist es scheiße, so jemanden zu haben und ich frag mich oft, ob denen im Bekanntenkreis nie jemand mal gesagt hat: Du, überleg dir das nochmal, bitte.
Trotzdem, ist doch irgendwie kein Wunder. Wie soll man jemals, wenn man nicht unbedingt irgendwelche herausragenden Fähigkeiten oder sonstwoher rausgefunden hat, was man mal werden könnte überhaupt wissen, was man mit sich und seinem weiteren beruflichen Leben anfangen soll? Kriegt man denn jemals irgendwie praxisnahen Unterricht am Gymnasium? Nimmt sich denn irgendwannmal jemand an der Schule Zeit dafür, Schüler wirklich (nicht nur diese ein- zwei mal Berufsbesprechung in der K13) mit beruflichen Möglichkeiten vertraut zu machen? Hauptsache, das Abi so gut wie möglich, für den Rest musst du schon selber sorgen.

jonnie
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23.01.2008 - 17:17 Uhr
jonnie

Lehramt an Haupt- und Realschulen!
aha..
rütli-schule und Co. lassen grüßen!
traurig, traurig!

Guenther_Hetzer
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Mag ich Mag ich nicht

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23.01.2008 - 17:26 Uhr
Guenther_Hetzer

Juristen sind nicht angesehen. Ich bin ja auch einer.

ABERdas ist ja auch scheissegal: Wir versauen keine Generationen.

special_kate
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23.01.2008 - 17:28 Uhr
special_kate

@Guenther: Trotzdem wär meiner Mutter ein Jurist als Schwiegersohn lieber als ein Lehrer.

alcofribas
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Mag ich Mag ich nicht

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23.01.2008 - 17:32 Uhr
alcofribas

ich hatte nach dem studium auch ein halbes jahr jobsuche, bekannte meiner eltern, lehrer, rieten mir dann, doch noch ein lehramtsexamen drauf zu setzen, dann fände ich gleich nen job.

ichso: ich halte mich nicht für geeignet, junge menschen aufs leben vorzubereiten
dieso: das ist wurscht. hauptsache nen job.

q.e.d.

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