"Mal sehen, ob ich in die Luft gesprengt werde": Henry Rollins im Interview
Text: matthias-wuerfel - Fotos: ap
Henry Rollins ist Musiker, Schriftsteller, Spoken-Word-Künstler und immer öfter auch Schauspieler. Im Interview mit jetzt.de erzählt der Ex-BlackFlag-Frontmann und Vater der US-Hardcore-Szene von seinen ungewöhnlichen Reisen und gibt einen Crashkurs in Aufrichtigkeit.
Das Interview ist ziemlich früh am Morgen angesetzt. Haben Sie keine Lust, auszuschlafen?
Henry Rollins: Für gewöhnlich - wenn ich auf Tour bin - sitze ich ab sechs Uhr morgens an meinem Schreibtisch im Büro.
So früh schon? Gehen Sie abends nicht aus oder so?
Henry Rollins: Nein. Ich stehe für gewöhnlich zwischen 5 und 5.30 Uhr auf. Heute Abend gehe ich mit zwei Leuten essen, mit denen ich für meine Radiosendung zusammenarbeite. Aber das fängt schon um 19 Uhr an und ich schätze, dass wir’s bis 20 Uhr erledigt haben.
Was machen Sie denn so am frühen Morgen?
Henry Rollins: Momentan arbeite ich an einem Film, weshalb ich schon in der Morgendämmerung aufgestanden bin. Und ich habe viel im Büro zu tun. An neuen Projekten schreiben zum Beispiel. Und je früher ich da aufstehe, desto besser ist es für mich. Dadurch habe ich einfach mehr vom Tag für mich.
Sie befinden sich gerade mitten in einer Tour und drehen gleichzeitig...
Henry Rollins: Ja! Der erste Teil der Amerika-Tour endete vor ein paar Wochen und momentan drehe ich diesen Film mit Cuba Gooding Jr. und Jason London. Eine wirklich gute Besetzung ist das. Das mach' ich jetzt noch 'ne Woche lang und dann verlasse ich die Stadt um Weihnachten rum, um nach Pakistan zu reisen.
Pakistan? Was wollen Sie denn da?
Henry Rollins: Rumschauen. Mal sehen, was passiert. Mal sehen, ob ich in die Luft gesprengt oder abgeknallt werde. Ich habe eben beschlossen, dahin zu reisen und jetzt mache ich das auch.
Ganz alleine? Ohne Begleitung? Klingt nämlich etwas gefährlich...
Henry Rollins: Naja, Detroit ist auch gefährlich. Mal sehen, was passiert. In diesem Jahr bin ich alleine nach Syrien, in den Libanon, nach Jordanien und nach Israel. Eine Reise nach Pakistan schien mir einfach eine nette Möglichkeit zu sein, das Jahr zu beenden. Einfach mal an einen Ort zu kommen, wo die Situation nicht wirklich geregelt ist.
Unterscheiden sich Ihre Reiseziele wirklich so von der westlichen Welt?
Henry Rollins: Bis zu einem gewissen Punkt. Im Iran leben allerdings Perser, weshalb das dort auch keine arabische Kultur ist. Ajatholla Khomeini ist zwar auf dem Geld, dem Rial, abgebildet, die Leute dort sind aber schwer in Ordnung. Ich habe das ganze Land alleine bereist. Viele Europäer fahren da zum Skifahren hin. Ich habe alle möglichen Sprachen gehört. Und ich glaube wirklich nicht, dass der Iran zu den schlimmsten Plätzen der Welt gehört.
Was können Sie zu den anderen Ländern sagen?
Henry Rollins: Der Libanon ist wie eine Partystadt. Niemand macht sich Gedanken über deine Einreise. Die sehen sich nur deinen Pass an, hauen einen Stempel rein und dann heißt's "Hey" Immer rein mit Dir!"
In Syrien dagegen meinte der Typ gleich "Was wollen Sie in Syrien?" Also sagte ich: "Naja, ich will's mir mal ansehen." Er: "Was werden Sie hier tun?" Ich: "Keine Ahnung. Ich hab ein paar Tage und absolut keinen Plan." Aber die Leute dort waren dann sehr nett zu mir. In Jordanien genauso. Leider war es sehr kalt und regnerisch. Und jetzt bin ich eben schon sehr gespannt darauf zu sehen, wie Pakistan so ist. Ist auch die einzige Zeitspanne, wo ich frei habe. Bis Mai ist bei mir alles voll gepackt.