17.01.2008 - 19:00 Uhr

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Die Zurückgewinner: Wie rettest du deine Beziehung?

Text: johannes-graupner - Illustration: Katharina Bitzl

Christian Lell, 23, ist Außenverteidiger beim FC Bayern München. Nach einigen sehr unschönen Eskapaden versucht er gerade, seine Freundin zurückzugewinnen. Dafür hat er einen Kreuzzug der Reue durch die bunten Gazetten des Landes angetreten. Er gab der Bunten ein ausführliches Interview, auch BILD berichtete. Viele Menschen versuchen nach einer Trennung, ihre Beziehung doch noch zu retten. Dabei nutzen sie verschiedene Mittel, um ihren Partner zurückzugewinnen.
Eine Typologie der „Zurückgewinner“


1. Der öffentliche Aktionist

Der Aktionist ist ein später, lauter Nachfahre des unter dem Balkon Liebesverse flüsternden Cyrano de Bergerac. Er lässt nichts unversucht, seine verflossene Liebe zurückzugewinnen. Dabei sind ihm viele Mittel recht – Hauptsache, er gewinnt Aufmerksamkeit für sein Anliegen. Der Aktionist beginnt zunächst relativ harmlos mit stetigen, flehenden SMS, Anrufen und Briefen. Es folgen Gedichte und (oft vergebliche) Hausbesuche, er hinterlässt üppige Sträuße aus roten Rosen oder bunten selbstgepflückten Sommerblumen – je nachdem, was der verflossenen Liebe mehr gefällt. Er schreibt glühende Liebesschwüre, fleht und vergießt heiße Tränen, denn ohne die geliebte Person hat sein Leben keinen Sinn. Persönliche Aufopferung und erschöpfender Kampf sind für den Aktionisten die wichtigsten Mittel, um die glückliche Liebe in sein Leben zurückzuholen. Das lässt er auch all seine Freunde und Bekannte wissen. Fruchten all diese Mittel nicht, folgt der nächste Schritt in größere Öffentlichkeit. Er schaltet teure, großflächige Inserate im Stadtmagazin und bewegt sich manchmal durchaus am Rande der Legalität. In Nacht-und-Nebel-Aktionen pinselt oder sprüht er „SANDRA, I LOVE YOU“ mit Baumarktfarbe oder Spraydose an Autobahnbrücken, Häuserfassaden oder Bushaltestellen, an denen die geliebte Person auf jeden Fall vorbeikommt.

Neidfaktor: Andere Zurückgewinner beneiden den Aktionisten heimlich um seinen romantischen Mut – aber das würden sie niemals öffentlich zugeben. Doch so nobel sein bedingungsloser Einsatz ist – in seinem glühenden Eifer läuft der Aktionist Gefahr, blind für sein eigentliches Anliegen zu werden. Die Rückgewinnung gerät in den Hintergrund, sein Aktionismus wird zum Selbstläufer. Ohne jede Selbstreflexion und Selbstachtung stolpert der Aktionist hinein in einen dramatischen, letzten Akt seiner eigenen Inszenierung, um in einer Supernova der Peinlichkeit zu verglühen – mit einem selbst geschriebenen (und selbst gesungenen!) Song bei „Nur die Liebe zählt“.

So reagiert der Umworbene: Lässt sich schon früh vom mutigen Einsatz des Aktionisten beeindrucken und überzeugen – oder schämt sich fremd, ist peinlich berührt und wechselt die Telefonnummer – und im Extremfall auch die Stadt.

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johannes-graupner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.