22.12.2007 - 22:44 Uhr

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22. Dezember 2007

Text: rene

Max Goldt schreibt irgendwo, er habe noch nie in seinem Leben rülpsen müssen. Das ist bemerkenswert, aber wir wollen es hier nicht erörtern, denn es hängt mit Magensäften zusammen und wer möchte sich deren detailliertes Zusammenwirken schon so dicht vor dem Weihnachtsfest genauer vor Augen führen? Staunen wir also lieber über Walter Kempowski, der in seinem Tagebuch schreibt, ihm sei in seinem ganzen Leben noch nie etwas hingefallen. Das kann ich mir nun schon gar nicht vorstellen! Wenn man wie ich zur Volksgruppe derjenigen zählt, die nicht unbedingt durch große Behendigkeit auf sich aufmerksam zu machen wissen, fällt einem gut und gerne mehrfach im Laufe eines Tages etwas hin, von leichtgliedrigem Schreibwerk hin zu schwerleibigen Folianten, die man für kulturhistorische Generalrevisionen heranziehen möchte. In letzterem Fall beschweren sich manchmal die Nachbarn. Ihnen fällt wohl sehr oft was runter. Dieser Satz wurde tatsächlich schon einmal im Treppenhaus innerhalb einer nachbarschaftskritischen Evaluierung meiner Person geäußert. Sonst schneide ich in dieser Disziplin aber ganz gut ab. Als kürzlich der Keller entrümpelt wurde, war ich fein raus, weil ich erst gar nichts reingerümpelt hatte. Wenn man bedenkt, über was für einen Trallafitti sich Nachbarn sonst so beschweren, kann man vermutlich froh sein, wenn sie sich lediglich mal zu einer milden Bemerkung verleiten lassen, nachdem einem der 26bändige Brockhaus donnernd auf den Boden gefallen ist. Allerdings gibt es auch etwas, das ich nicht kenne, obwohl es sehr verbreitet zu sein scheint, nämlich Sodbrennen. Das habe ich noch nie gehabt! Sämtliche Beschreibungen dieses angeblich nicht sehr schmeichelhaften Körperphänomens stießen bei mir lediglich auf Erstaunen, keineswegs aber auf einen auch nur irgendwie gearteten Wiedererkennungseffekt, weswegen ich mich über blumige Schilderungen dieser für mein Befinden zuhöchst exotischen Unpässlichkeit jederzeit sehr empfänglich zeigen werde!
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7 Kommentare

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melan
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Mag ich Mag ich nicht

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23.12.2007 - 00:43 Uhr
melan

Lieber René,

meine gute Freundin Sarah, die nicht nur über exellenten Klingeltongeschmack verfügt, was ja heutzutage mindestens so selten ist, wie Magensäfte im Gesamtwerk Kempowskis, bekannte ihrerseits noch zu Schulzeiten, dass sie sehr darunter leide, nicht rülpsen zu können. Sie brachte diese INformation im Verbund mit der Aussage, sie vertrage nichts mit Kohlensäure. Und in der Tat, lassen sich bei ihr, wenn man sie unhöflich genau beobachtet, Wiederkäubewegungen feststellen, wenn sie beispielsweise einen Schluck Cola im Mund hat.

Mittlerweile hat sie das Rülpsen geübt und ist schon ganz gut, sicher klingt es nicht röhrend, sondern eher wie das Öffnen einer Vakuumverpackten Erdnussbüchse, aber immerhin. In Sarahs Badezimmer in Hamburg liegt immer die Radiotrinkerin von Goldt, jetzt frage ich mich, ob die wohl gerülpst hat, oder ob sie Roland Koch gewählt hat, und ich frage mich, wieviele Menschen wie ich, wenn sie ein tagebuchförmiges Buch lesen, zuerst nachschauen, was an ihrem geburtstag passierte.

Bei Kempowski findet sich nicht viel, aber immerhin der tröstende Eintrag, dass er sich an meinem Geburtstag mit einem Buch über mittelalterlicher Architektur beschäftigt hat, sofern ich mich recht erinnere. Solange ein Mieter nur Brockhäuser fallen lässt und nicht etwa Wasser, ist alles ok, finde ich, ansonsten bekommen die Wände Sodbrennen.

amplifythegoodtimes
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23.12.2007 - 01:29 Uhr
amplifythegoodtimes

Ich sage sehr oft, dass ich Sodbrennen habe, und ernte auf diese Aussage auch sehr oft derartiges Erstaunen. "Ist das jetzt Sobrennen?" - "Wie geht Sodbrennen?" - "Sodbrennen? Hatte ich noch nie." Vor einiger Zeit allerdings habe ich Zweifel daran bekommen, ob ich selbst überhaupt jemals Sodbrennen hatte. Jemand brachte mir eine Krankenhausbroschüre zu dem Thema mit und der darin enthaltenen Definitionsversuche konnte ich entnehmen, dass das, was ich habe, eher "saures Aufstoßen" ist. Wenn aber saures Aufstoßen nicht das gleiche wie Sodbrennen ist, weiß ich auch nicht, was Sodbrennen sein soll, dann weiß ich nicht mehr, was man überhaupt nicht wissen kann!

QuoteTheRaven
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23.12.2007 - 09:06 Uhr
QuoteTheRaven

sodbrennen: stressindikator. gibt es in verschiedenen haertegrade. dauerhaftes brennen am mageneingang, speiseroehre. magensaft (sauer) draengt in die speiseroehre zurueck. das kann so schlimm werden, dass der magensaft im schlaf aus den nasenloechern austritt. ist kein echter spass. saures aufstossen ist eher eine vorstufe. wenn du jemals an echtem sodbrennen laboriert haettest, so wuesstest du es sicher! hier findest du mehr infos als du wahrscheinlich jemals wolltest:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sodbrennen
http://www.sodbrennen.net/gerd.htm

julian_galant
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23.12.2007 - 18:15 Uhr
julian_galant

Ich bin noch nie mit einer Zeitschrift auf die Toilette gegangen. Auch das scheint ja sehr verbreitet. Selbst in Büros!

dominik2
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24.12.2007 - 09:25 Uhr
dominik2

und ich bin noch Jungfrau

amac
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28.12.2007 - 13:33 Uhr
amac

Ach herrje. Das gibts nicht. Sodbrennen hatte ich, glaub ich, auch nicht. Kann natürlich sein, dass ich es nicht als Sodbrennen erkannt habe, damals.

jalla
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08.01.2008 - 21:34 Uhr
jalla

was man nicht kennt, das kann man auch nicht vermissen. zb sodbrennen. und das ist gut so.
aber wie uns das beispiel koch zeigt, kann man sehr wohl viel darüber reden, was man nun überhaupt nicht kennt, zb statistiken über jugendkriminalität und ausländer.
überhaupt hab ich deinen text nur wegen dem reizwort max goldt gelesen, das hast du nun davon.


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Lokalkorrespondent beim Hornberger Schießen
Köln