Es passiert ohne uns.
Text: moi_judita
Irgendwo um mich herum passiert der Alltag.
Ich tue es sogar selbst – Alltägliches. Wie programmiert.
Alles schon mal da gewesen.
Aber war da damals auch kein Ende in Sicht?
War es da genauso hoffnungslos?
Hat nur der Blick zurück, mit der Erkenntnis, mit dem Wissen, alles in ein sentimentales Lächeln verwandelt?
Diese Rohrbruchtage irgendwann im Sommer… Waren die auch so schlimm?
Ich vergesse. Immer mehr.
Die Realität ist übermächtig und gleichzeit so falsch, so verlogen, dass ich ihr nicht glauben kann.
Mich ihr nicht hingeben kann.
Versuche zu bewahren. Wenigstens ein bisschen. Wenigstens Momente.
Um nicht genauso hart zu werden, kalt und gleichgültig. Bloß nicht genauso werden, wie…
Wo sind die Momente?
Alles treibt auf einen Strudel zu.
All die Erinnerungen.
Ein Strudel aus Tränen. Aus sinnlosen Gesprächen. Aus Beinaheküssen auf Tanzflächen. Aus Pärchenfotos. Aus falschem Glück. Aus echtem Glück. Aus vorübergehenden Glück. Aus Betrunkenheit. Aus Kälte. Aus Vergessen. Ganz viel Vergessen.
Alles treibt darauf zu.
Wir an einem Sommertag im kühlen Wasser. Lachend und albern und voller neuer Sehnsucht. Es war nicht hoffnungslos, damals.
Wir waren noch wir selbst.
Wir kannten einander noch.
Damals…
Der Moment, dieser wunderbare Sommertagsmoment fließt weg. Verschwindet mit höhnischem Gelächter in den Tiefen des Strudels.
Nichts bleibt außer falschen Wörtern.
Einfallslosen Wörtern. Wörtern, die dem allen nicht mehr gewachsen sind.
Wörtern, die nicht mehr erklären können.
Die dich nicht mehr erreichen.
Die jedes Lachen um die Augen herum verloren haben.
Die nicht mehr wir selbst sind.
Zu metaphorisch. Viel zu metaphorisch.
Es sollten keine Wörter nötig sein, um uns zu erklären.
Ein Sommertag würde reichen. Ein einziger Sommertag.
Nichts bleibt.
Nichts bleibt außer Dezemberregengeprassel.
Einer lauwarmen Tasse Milchkaffe.
Einer heißen Portion Immernochliebe.
Und das Knistern des Plattenspielers.
i walk away
forget your name
i like the way
you pass the blame to me
so easily
why can't i do the same
the bed is made
the days, they came and went
away
with discontent
for me
days, they came and went
away
with discontent
for me
(Amanda Rogers, Days They Came And Went)
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11.12.2007 - 19:30 Uhr
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