10.12.2007 - 19:00 Uhr

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Liebling und IVY: Magazine für alte Hedonisten und junge Gutmenschen

Text: philipp-mattheis

Zwei neue Magazine sind seit dieser Woche auf dem Markt: Liebling – Zeitschrift für Mode, Kunst und Film und IVY – Lifestyle für eine bessere Welt. Wir haben sie angeschaut

Die Philosophie der Seife Einfach ist der Liebling nicht. Sperrig und schwer kommt er daher: 178 Seiten Zeitungspapier, ungeheftet im Ultra-Großformat. Aber einfach soll er ja nicht sein, sondern exklusiv. Es geht, laut Editorial, um den „Glamour der Empathie“. Darunter fällt zum Beispiel Seife. Ganze elf Seiten sind dem Waschutensil gewidmet. Neun davon zeigen nichts anderes als ein farbiges Stück Seife auf weißgrauem Papier. Auf den anderen beiden Seiten erzählen Star-Autoren wie Eckhard Nickel, Peter Glaser und Johanna Adorján über ihre persönliche Beziehung zu diesem Objekt.
Natürlich stehen im Liebling auch noch andere Geschichten: Ästhetikprofessor Bazon Brock sinniert über die nationale Bedeutung von Udo Lindenberg, die Schönheit der Fraktur-Schrift wird gelobt und eine Autorin beschreibt die Flirt-Chancen bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker. Die gesellschaftliche Relevanz der Liebling-Themen hält sich also in Grenzen. Dafür sieht die Zeitschrift ziemlich gut aus: Großporträts, Produktstrecken (bunte Seife!) und doppelseitige Anzeigen (die ersten 14 Seiten) ist man eher von Hochglanzmagazinen gewöhnt. Auf Zeitungspapier entsteht dadurch eine gewisse zeitlose Ästhetik. Das Magazin erschien bereits viermal zwischen 2005 und 2006, doch ab dem Frühjahr soll Liebling monatlich erscheinen. Über Liebling würde man eigentlich gar nicht so viele Worte verlieren, hieße der Herausgeber nicht Markus Peichl. Der war in den frühen 80ern Chefredakteur des Magazins Wiener. 1985 gründete er die legendäre Zeitschrift Tempo und war bis 1990 dessen Chefredakteur. Was den „Glamour der Empathie“ betrifft, ist Peichl aber auch ratlos. In einem Interview sagte er: „Ich habe das auch gelesen mit einem kleinen Schmunzeln und habe mir gedacht: Das klingt gut. Aber was genau damit gemeint ist, weiß ich auch nicht.“ Wer soll das kaufen? „Menschen, die so etwas wie eine Ästhetisierung des Alltags im Sinn haben.“ (Markus Peichl). Gealterte Tempo-Leser, die das Interesse für Seife und Kunst als logische Folge der wilden Neunziger sehen. Wo liest sich’s am besten? Auf dem Parkettboden oder auf dem Glastisch einer riesigen Altbauwohnung. Nicht in der S-Bahn. Bester Satz aus dem Editorial: „Uns geht es um die Liebe zu den Menschen und den Dingen, um die Ästhetisierung des Alltags, das Bekenntnis zur Emotionalität, um den Glamour der Empathie.“
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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.