18.11.2007 - 18:50 Uhr

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Spurlos im Netz: Jens hat ein Buch geschrieben, das erklärt, wie jeder anonym im Internet surfen kann

Text: dirk-vongehlen

Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren. Das muss nicht sein, sagt Jens Kubieziel. Der 33-Jährige erklärt in seinem Buch „Anonym im Netz“ (Open Source Press, 19.90 Euro), wie auch technische Laien unerkannt durchs Web surfen können.

Die 366 Abgeordneten, die in der vergangenen Woche für das Gesetz zur so genannten Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben, müssten dir sehr böse sein. Immerhin erklärst du, wie man die verdachtsunabhängige Speicherung von Kommunikationsdaten zumindest im Internet sehr leicht umgehen kann. Das stimmt. Die Anonymisierungsdienste, die ich in dem Buch beschreibe, eignen sich sehr gut, um zum Beispiel die Vorratsdatenspeicherung zu umgehen.
Man kann dein Buch frei im Buchhandel kaufen, das heißt, jeder, der Böses im Schilde führt, weiß jetzt, wie er unerkannt bleiben kann. Es kann jeder kaufen, egal, was seine Intentionen sind. Das stimmt. Leute, die Böses im Schilde führen, haben schon jetzt die Anonymität, die sie brauchen. Hierfür missbrauchen sie fremde Rechner oder Internetzugänge. Das Buch ist vor allem für diejenigen gedacht, die auf legalem Wege ihre Privatsphäre schützen wollen. Dir geht es also nicht darum, Terroristen zu helfen. Nein, ganz sicher nicht. Es geht mir darum, dem normalen Bürger zu helfen, Souveränität über die Daten zu gewinnen, die er von sich preisgeben möchte. Man muss, wie im Leben außerhalb des Internets auch, bewusst entscheiden können, wem man bestimmte Informationen geben möchte und wem nicht. Wenn ich mich beispielsweise mit einer fremden Person in einem Cafe treffe, entscheide ich ja selber, wieviel ich demjenigen oder derjenigen von mir erzählen will. Und wenn Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung eingeführt werden, habe ich über diese Informationen keine Kontrolle mehr. Du sagst in dem Buch, dass in der Offline-Welt, zum Beispiel in einem Cafe, die Standard-Einstellung Anonymität ist. Was heißt das? Es geht darum, dass ich in der Offline-Welt, also zum Beispiel beim Bäcker nicht meinen Pass vorzeigen muss, wenn ich Brötchen kaufen will. Ich kann mich so frei und unerkannt bewegen wie ich möchte. Im Internet bekomme ich dagegen eine eindeutige Identifikationsnummer, anhand der ein Profil über mein Verhalten automatisiert erstellt werden kann. Dein Buch erklärt, wie man sich dem entziehen kann. Wie macht man das? Derzeit ist das relativ einfach. Man braucht eine Software, die heißt Tor. Die lädt man runter, klickt auf das Installationsprogramm und nach wenigen Klicks ist das Programm benutzbar. Hierfür ist kein Expertenwissen notwendig. Wie schafft es die Software, dass ich anonym bleibe? Die Tor-Software lenkt jede Verbindung über verschiedene, weltweit verteile Server und macht die Kommunikation durch Verschlüsslung für Außenstehende unkenntlich. Der Internet-Provider sieht eine Verbindung zwischen der Tor-Software auf meinem Rechner und einem Tor-Server. Er kann somit nicht herausfinden, welche Webseite ich gerade abrufe. Ist das legal? Das ist rechtlich alles erlaubt. Die Anonymisierungssoftware kann jeder ohne Probleme einsetzen. Es gelten natürlich die gleichen Regeln wie beim normalen Surfen im Internet auch: Man darf also nicht gegen Gesetze verstoßen oder kriminelle Machenschaften anzetteln. Wenn ich Firefox als Browser benutze, was du in dem Buch empfiehlst, muss ich darüberhinaus nichts installieren oder technisch beachten? Technisch muss man nichts weiter beachten, aber man sollte sich natürlich bewusst darüber sein, auf welchen Seiten man sich einloggt und freiwillig Daten von sich weitergibt. Wenn ich mich auf einer Webseite mit meinem normalen Namen registriere, nützt mir die Software nichts, dann weiß der Betreiber der Website natürlich über mich Bescheid und kennt meinen echten Namen. Das ist klar. Wie sollte man sich grundsätzlich im Netz verhalten? Man sollte vernünftig surfen, also zum Beispiel direkt am Anfang fragen: Welche Intressen verfolgt der Seitenbetreiber? Was macht der mit meinen Daten? Werden die weiterverkauft? Deshalb ist es sinnvoll, so wenig Daten wie möglich von sich selber im Internet preiszugeben. So viel, wie man auch seinem Bäcker erzählen würde. Genau. Darüberhinaus kann man mit diversen technischen Erweiterungen zum Beispiel im Firefox verhindern, dass der Browser Informationen weitergibt, die man lieber nicht über sich verraten möchte. Dafür muss man auch kein Computer-Experte sein, das ist sehr einfach und in dem Buch Schritt für Schritt beschrieben. Dein Buch ist also nicht nur für Nerds, die ständig online sind? Ganz und gar nicht. Das ist ein Thema, das jeden angeht. Das Problem ist, dass man es so schwer greifen kann. Bei den Protesten gegen die Volkszählung vor zwanzig Jahren, haben sich viele für Datenschutz engagiert, weil es damals um die Frage ging, ob jemand zu mir in die Wohnung kommen und mich befragen darf. Das ist greifbar. Wenn man heute im Netz surft, gibt man Daten von sich preis, ohne dass man es wirklich sehen oder fühlen kann. Deswegen ist vielen nicht bewusst, welche Spuren sie im Netz hinterlassen. Mehr zum Thema im Themenschwerpunkt Überwachung online auf jetzt.de


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7 Kommentare

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hhw
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.11.2007 - 00:36 Uhr
hhw

jeder kann unerkannt im netz surfen,man braucht nur eine live distri auf cd,zum beispiel knoppex,linux light,puppy linux oder
pc linux os.die cd läuft auf jedem rechner und muss nicht installiert werden.nun kommt es nur darauf an was man genau machen möchte,jede live distribution ist für bestimmte zwecke vorgesehen,da es im artikel um anonymes surfen gehtist jedes der oben genannten live systeme ideal,man hinterlässt keine spüren.

keinekueche
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Mag ich Mag ich nicht

2

19.11.2007 - 00:51 Uhr
keinekueche

@ hhw: das hab ich jetzt nicht so ganz verstanden.

lewis0815
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.11.2007 - 01:38 Uhr
lewis0815

ja tor ist gut! aber trotzdem mit Vorsicht zu geniessen. Dan Egerstad hat uns gezeigt, dass man TOR auch nicht ohne Bedenken nutzen sollte... überall wo etwas hingeschickt wird, kann etwas abgeleitet werden.

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.11.2007 - 08:34 Uhr
Jollscherl

ach, die meisten leute lassen ja auch so schon genug laut schreiende spuren... da ist das auch schon egal... ;-)

kugelfischeis
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.11.2007 - 11:11 Uhr
kugelfischeis

In der Datenschleuder vom Chaos Computer Club (http://ds.ccc.de/pdfs/ds091.pdf) wird eindrucksvoll geschildert, wie Betreiber von TOR Servern von der Staatsanwaltschaft unter Generalverdacht gestellt werden.

silanea
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.11.2007 - 12:59 Uhr
silanea

Was hhws Hinweis auf Live-CDs mit Anonymität im Netz zu tun hat, ist mir auch nicht klar.

Aber zu Tor: Wer kriminelle Aktionen verstecken will, sollte zu anderen Mitteln greifen, aber fürs alltägliche Surfen ist Tor sicher genug.

ChrisJumper
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Mag ich Mag ich nicht

1

24.01.2008 - 23:48 Uhr
ChrisJumper

Ja... wer kriminelles tut, macht dies natürlich unter der Identität anderer. Man loggt sich einfach in das System von einem Freund oder einer Uni oder einem Interntcafe ein, sucht sich einen PC mit einem "schlecht gewarteten" Betriebssystem, z.B. eins aus den 90ern.. das noch nicht mal mehr offiziell vom Hersteller mit Sicherheitspatches versorgt wird. Bricht von dort aus auf einen weiteren PC, und dann wieder auf einen anderen und geht man sozusagen über eine Kette von Computern zum Zielrechner und macht da... naja egal. Das ist jedenfalls viel Anonymer für Verbrecher.

Wenn man drüber nachdenkt stellt man fest das die Vorratsdatenspeicherung dann nicht so effektiv ist. Ja man könnte sogar, verfolgt man böse Absichten jemanden damit an den Pranger stellen.

Zu TOR:
Es ist zwar anonym und auch ineinander unter den einzelnen Tor-Servern verschlüsselt. Aber der exit-Note könnte zum Beispiel alles mitschneiden. Also Login Informationen für jetzt.de zum Beispiel. Oder Wenn man ein Email-Webinterface benutzt die Zugangsdaten dafür.. obwohl ach nee da wird ja auf https geachtet. Aber zum Beispiel andere Dinge.. wie myspace oder so.

Zu empfehlen sind die Tor-Plugins für den Firefox, damit kann man dann mit einem einzelnen Klick zwischen dem Tor-Proxy und dem direkten Internet wählen.

Währe Tor nicht so langsam würde ich ich es fast immer anlassen.

Grüße


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dirk-vongehlen

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.