07.11.2007 - 19:00 Uhr

0 2 Über Twitter weiterempfehlen

Von Airportschläfern und Biertouristen: Wie du mit dem Web durch die Welt reist

Text: hannes-kerber - und durs-wacker

Die besten Reisetipps gibt es nicht mehr im Reisebüro, die besten Reisetipps gibt es im Internet. jetzt.de hat sich mit der Macherin von sleepinginairports.com über das Phänomen "Flughafenschlaf" und über ihre Webseite unterhalten, die es schon länger als zehn Jahre gibt. Außerdem tischen wir dir für deine künftigen Planungen noch mehr Reiseseiten auf, die das Rumsandeln in der Welt leichter machen. Oder unterhaltsamer. Oder gar unnötig.

P.S. Auch eine gute Seite: Der jetzt.de-Postkartenreiseführer

Man sagt: Wer reist, braucht Geduld, Mut und guten Humor. Dass man aber auch Geld oder zumindest eine ungewöhnliche Idee braucht, erkannte Donna McSherry, als sie vor 13 Jahren mit dem Rucksack und kleinem Budget in Irland unterwegs war. Die heute 34-jährige Kanadierin entdeckte damals, dass manche Leute auf Flughäfen übernachten, um Geld zu sparen. “Ich dachte, ich würde alle Tricks für preisgünstiges Reisen kennen – bevor ich das sah”, sagt Donna. Zurück in Kanada startete sie die Website Sleepinginairports.com , die Erfahrungsberichte von Leuten sammelt, die auf Flughäfen schlafen. 1996 setzte Donna McSherry damit diesen Tipp auf die Karte der Low-Budget-Reiseführer. Heute ist Donna McSherry Managerin eines Reisebüros in Toronto und betreibt immer noch die Seite Sleepinginairports.com, der sie gerade ein neues Gesicht gegeben hat.
Donna McSherry, die Gründerin von sleepinginairports.com “Ich hatte damals auf dem Dubliner Flughafen gute Erfahrungen gemacht, die ich einfach teilen wollte”, sagt Donna. Mitte der Neunziger brachte sie sich deshalb selbst genug HTML bei, um die Seite zu bauen und schrieb die ersten drei Erfahrungsberichte. “Anfangs, das Internet war ja noch relativ jung, musste ich Leute bitten, die Seite zu besuchen”, sagt sie. “Heute habe ich mehr als 700000 Leser pro Jahr.” Ein wichtiger Schritt war, als Yahoo Sleepinginairports.com 1998 zur “Site of the Week” erklärte. “Plötzlich besuchten doppelt so viele Leute meine Seite”, sagt Donna. An dem Konzept hat sich aber bis heute nichts verändert: Die Website funktioniert nach dem traditionellen Prinzip des Informationsaustauschs, welches das Internet groß gemacht hat: Reisende, die auf Flughäfen übernachtet haben, schreiben Berichte, die jeder einsehen kann, und geben Tipps, wo man die Nacht am besten überstehen kann. Donnas schlimmste persönliche Erfahrung auf einem Flughafen, war eine Nacht in Lima vor zwei Jahren. “Und es lag daran, dass ich meine eigene Seite nicht gelesen hatte”, sagt sie. “Ich habe einfach keinen ruhigen und sicheren Platz und deshalb auch keinen Schlaf gefunden.” Erst nach Stunden fand sie den einzigen beschlafbaren Ort des Terminals: den Food Court. Genau dieser wird auf Sleepinginairports.com als bester Platz gehandelt, um auf diesem Flughafen zu übernachten.
Donna glaubt aber, dass jeder, der mit der richtigen Einstellung auf einem Flughafen übernachtet, eine angenehme oder zumindest interessante Nacht verbringen kann. Ihr Lieblingsbericht über die Erfahrungen eines 73-Jährigen im Flughafen von San Francisco zeigt das: Er erzählt davon, wie er – ohne es seiner Ehefrau zu sagen – die Nacht auf der Couch eines Wartesaals verbrachte, seine Koffer organisierte, sich morgens in der Wartehalle rasierte und wie verwundert seine Frau war, als er berichtete, was er getan hat. “Man sieht: Jeder – ob jung oder alt – kann eine Nacht auf einem Flughafen überleben und Spaß haben, wenn er die richtige Einstellung dazu hat”, sagt Donna McSherry. Daran kann man zweifeln, wenn man die Geschichten über eine versuchte Vergewaltigung am Flughafen von Tegucigalpa, eine Schießerei im Terminal von Port Morseby, der Hauptstadt von Papua-Neuguinea oder die Berichte über den Flughafen von Moskau-Scheremetjewo ließt. “Das sind extreme Beispiele, aber es gibt tatsächlich große Unterschiede zwischen den Flughäfen”, sagt Donna, die jährlich den besten Flughafen mit dem “Goldenen Kissen” auszeichnet und den schlechtesten als “beschissensten Flughafen der Welt” etikettiert. “Die asiatischen Flughäfen, das mag vielleicht überraschen, schneiden sehr gut ab”, erklärt sie. “Und die nordamerikanischen und europäischen sind in der Regel unterdurchschnittlich.” Sie glaubt, dass man an Flughäfen wie Singapur, dem letztjährigen Gewinner des “Goldenen Kissens”, sich einfach keine Sorgen um die Reisenden machen möchte. “Man hält dort Massagesessel, kostenloses Internet und Kino, Duschen und 24-Stunden-Restaurants für die Reisenden bereit, die übernachten müssen oder wollen”, sagt die Kanadierin. Dagegen seien es Flughäfen wie Moskau – dem “beschissensten Flughafen 2006” –, Paris und Quebéc, über die nicht nur schlecht geschrieben würde, sondern von wo auch das Flughafenpersonal die meisten Probleme meldet. “Ich selbst habe bisher auf keinem hervorragenden Flughafen geschlafen”, sagt Donna, deren Favorit nach wie vor Dublin ist, der erste Flughafen, auf dem sie je übernachtet hat. “Aber ich habe immer eine gute Geschichte mit nach Hause gebracht”, sagt sie. “Und Geld gespart.” Auf den nächsten Seiten: Die besten Seiten zur Reisevor- und nachbereitung.
Weiter Seite 1 2 3 ... 8


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
hannes-kerber
Mehr Texte zum Label
Redaktionsblog
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
Kommentar

speichern
Mehr lesen:

Jetzt-Mitglied

hannes-kerber unbekannt

hannes-kerber

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


wer a sagt, muß gar nichts.