06.11.2007 - 19:00 Uhr

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Unsre Schulen werden nur besser, wenn die Lehrer besser werden

Text: peter-wagner - Fotos: Screenshots

Die Berater von McKinsey haben sich das Bildungswesen in den PISA-Streberstaaten angeschaut und rausgefunden: Schüler werden nicht besser, wenn man mehr Geld ins Bildungssystem pumpt; sie werden auch nicht besser, wenn man das Bildungssystem ändert. Sie werden nur besser, wenn sie super Lehrer bekommen. Klingt als Fazit simpel, ist aber doch neu.

Was ist das Geheimnis guter Bildung? Die Großbritannien-Abteilung des Beratungsunternehmens "McKinsey" hat eine Studie gemacht, in der steht, dass Bildung nur so gut ist wie die Lehrer, die sie vermitteln. Klingt wie ein Allgemeinplatz, wird aber zu einer neuen Erkenntnis, wenn man sich ein paar Dinge durch den Kopf gehen lässt. Laut dieser Studie hat Australien seit 1970 die Bildungsausgaben je Schüler nahezu verdreifacht und in den USA wurden sie seit 1980 verdoppelt - dennoch schneiden beide Länder in einschlägigen Bildungstests heute nicht besser ab als früher.
Das Titelblatt der McKinsey-Studie, die kürzlich erschien. Die zwei Verfasser der Studie – einer war früher mal Berater von Tony Blair – schauten sich also die Spitzengruppe des PISA-Tests noch einmal an und wollten wissen: Wie kommt gute Bildung zustande? Mit einer planlosen Erhöhung des Bildungsbudgets scheint es nicht getan zu sein. Hat es mit der Gliedrigkeit der Schulsysteme zu tun? Es heißt ja immer, Finnland sei so super wegen der kleinen Klassen und dem eingliedrigen Schulsystem, in dem keiner benachteiligt wird. Dann ist man aber schnell irritiert, wenn man sieht, dass Singapur ein viergliedriges Schulsystem hat und trotzdem saugut in den Tests abschneidet. An der Gliederung liegt es also vielleicht auch nicht. Vielleicht gehen die erfolgreichen Schüler länger in die Schule und lernen einfach mehr und man sollte Ganztagsschulen überall einführen? Da zucken die McKinseys mit den Schultern und weisen darauf hin, dass die Schüler in Finnland morgens später in die Schule gehen und außerdem auch früh nach Hause kommen. Der schiere Umfang der Lernzeit ist wohl auch nicht der Schlüssel zu besserer Schulbildung. Was dann? Die Berater wälzten alte wissenschaftliche Arbeiten und fanden den Hinweis auf einen Versuch, der mal in den USA gemacht wurde. Ein mittelmäßiger Schüler bekam dort einen super Lehrer, ein anderer, ebenso mittelmäßiger Schüler bekam einen schlechten Lehrer. Im Ergebnis fand sich der Schüler mit dem guten Lehrer irgendwann unter den besten 10 Prozent seines Jahrgangs wieder. Der andere hingegen rutschte in den unteren Durchschnitt. "Lehrer" muss ein begehrter Beruf werden Und da wurden die Berater hellhörig und schauten nach, ob an der Lehrerausbildung von Staaten mit guten PISA-Ergebnissen irgendetwas anders ist. In Singapur, so fanden sie heraus, werden zum Beispiel von 100 Bewerbern gleich nur die besten 20 in die Lehrerausbildung gelassen. Und in Südkorea können, sehr verkürzt ausgedrückt, nur die besten fünf Prozent der Lehramtsstudenten auch Grundschullehrer werden. Entsprechend angesehen ist man dort als Grundschullehrer. Die Studienschreiber folgern daraus, dass es für gute Bildung vor allem motivierte Lehrer braucht.
Ein Auszug aus der Studie, in der die Autoren zeigen, wie streng in Finnland und Singapur Lehrer in mehrstufigen Verfahren ausgesiebt werden, ehe sie etwa zu Grundschülern ins Klassenzimmer dürfen. Die Stude ist über den Link am Ende dieses Textes zu erreichen. Aber dann mussten sich die beiden Autoren der Studie nochmal wundern, weil sie feststellten, dass Lehrer in den PISA-Loser-Staaten sehr oft und sehr schnell sich selbst überlassen bleiben. In den Bildungsstreber-Staaten Finnland oder Singapur ist das anders. Singapur verdonnert seine Lehrer zu etwa 100 Stunden Fortbildung je Schuljahr, in Finnland müssen die Damen und Herren Pädagogen mindestens einmal in der Woche nachsitzen und sich fortbilden. In dieser Zeit werden etwa gemeinsame Unterrichtsstunden geplant oder man besucht sich gegenseitig in den Stunden. Die McKinsey-Berater zitieren aus einem älteren Artikel, wenn sie schreiben, dass ein super Lehrer in den USA, wenn er in den Ruhestand geht, seinen ganzen Erfahrungsschatz mitnimmt. In Japan sei das anders: Da hinterliessen die Lehrer ihren jüngeren Kollegen ein ganzes Erbe. Heisst: Für gute Schulausbildung braucht es gute Lehrerfortbildung. PISA-Studienleiter Andreas Schleicher von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat das Vorwort zu der McKinsey-Studie geschrieben und die Verfasser gelobt. Mehr noch, er sagt, dass dieser Report Bildungspolitikern in aller Welt nur eine Hilfe sein kann: Für eine bessere Bildung muss vielleicht gar nicht das bestehende Schulsystem umgeschubst werden. Für eine bessere Bildung muss man sich den Lehrern widmen. Dass das nicht zwingend teuer sein muss, zeigt wieder Singapur. Unter den 30 Ländern, die der OECD angehören liegt Singapur in Sachen „Ausgaben für das Grundschulwesen“ nur auf Platz 28. +++ Die Studie "How the world´s best-performing school systems come out on top" ist hinter diesem Link nachzulesen und, nebenbei bemerkt, für eine Studie recht attraktiv aufgemacht.


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farilari
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06.11.2007 - 19:15 Uhr
farilari

das klingt endlich mal vernünftig.

Marcologne
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06.11.2007 - 19:19 Uhr
Marcologne

Ist aber auch ein bisschen kurz gedacht mit diesem "Mehr Geld bringt es nicht." Natürlich nicht nur, aber wenn es mehr Geld gäbe was z.b. die Austattung der Schule anginge, wäre das auch schon ein erster Schritt. Und man sollte das Studium verbessern. Was ich mir da manchmal anhören muss, kein Wunder, dass die meisten Lehrer Schüler nur aus ihrer eigenen Zeit kennen...

Begunje62
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06.11.2007 - 19:58 Uhr
Begunje62

Klingt irgendwie logisch... und wenn ich mich mal an meine eigene Schulzeit erinnere, muss ich sagen, dass ich mich an Lehrstoff immernoch erinnere, den ich von "guten" Lehrer vermittelt bekommen habe. Waren wohl nicht so viele...

Marcologne
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06.11.2007 - 20:00 Uhr
Marcologne

Was ist denn ein guter Lehrer? Ich fand diesen Typ Lehrer gut, der immer total ausgeflippt ist, total rumgeschrien hat, sehr streng war. Die mochte ich am meisten.

Cola13
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06.11.2007 - 20:50 Uhr
Cola13

ist mal ein vernünftigerer ansatz als dass, was wir hier grad in hessen haben:
-wegen g8 wurde einfach mal das 10. schuljahr weggelassen (und wir sind das einzige bundesland, welches die 10 wegläßt. super, wenn man mal als schüler umziehen muss, alle anderen lassen nämlich die 11 weg) und der rest des unterrichtsstoffes wird munter auf die anderen schuljahre aufgeteilt. englisch 6. klasse gymnasium artet zur farce aus: 4 statt früher 5 stunden unterricht, dafür aber MEHR stoff. und ne zweite fremdsprache lernen die auch schon ab der 6.
-in hessen gibt es unterrichtsgarantie+, was bedeutet, dass nicht-ausgebildete, aber vom direktor ausgewählte erwachsene (akademiker ist kein muss) die vertretungsstunden schmeissen. von klasse 1 bis 10 fällt von der 1. bis zur 6. stunde kein "unterricht" aus.
super idee, die schüler tanzen den meisten "aushilfslehrern" auf der nase rum, wenn sie nicht gleich schwänzen. "kinderbetreuung am vormittag" wäre da der bessere name.

und "guter lehrer" ist ein sehr relativer begriff.
ich denke allerdings, dass fortbildungen sinn machen, noch mehr sinn macht aber zusammenarbeit im kollegium. und kleinere klassen. und eine bessere schulausstattung. und. und. und.

Crushed_on_You
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06.11.2007 - 20:56 Uhr
Crushed_on_You

"Die Berater von McKinsey haben sich das..."
"
Ab da hab ich nicht mehr weitergelesen.

eisengrau
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06.11.2007 - 21:17 Uhr
eisengrau

Crushed_on_You sagte:
"Die Berater von McKinsey haben sich das...""Ab da hab ich nicht mehr weitergelesen.


Hahaha, super!

Ich denk mir auch, wenn das Bildungs- und Schulsystem so einfach ist, dass zwei Unternehmensberater es von Grund auf reformieren können, dann bitte, nur zu. Und den Sackschutz nicht vergessen.

suey
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06.11.2007 - 22:17 Uhr
suey

stimmt auffallend.

man erreicht bei schülern nur etwas, wenn man verständnis, autorität, gelassenheit und motivation mitbringt. und nie vergisst, dass die (oft nervigen, oft ätzenden, oft lauten) kids vor allem menschen sind, die deinen respekt und deine aufmerksamkeit verdient haben, auch wenn du sie gerade mal an die wand klatschen könntest.

Gambit
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06.11.2007 - 22:21 Uhr
Gambit

Man sollte vielleicht die Lehrerausbildung aus der Uni ausgliedern. Die Uni ist dazu da, um akademisches Personal auszubilden oder um einen akademischen Grad zu erreichen. Die Ausbildung der Lehrer dort ist daher der Natur der Sache ähnlich theoretisch.

Ich finde, die Lehramtsausbildung wäre Sache für eine Fachhochschule mit starker Praxisorientierung. Dort sollten Lernmodelle erübt werden, die didaktischen Konzepte besser vermittelt und konzentierter überprüft werden.

mushummel
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Mag ich Mag ich nicht

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06.11.2007 - 22:25 Uhr
mushummel

PISA-Looser-Staaten

nur dass man das leider nach wie vor loser schreibt ...

ansonsten interessante studie.

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peter-wagner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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