05.11.2007 - 19:00 Uhr

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„Boom! Du bist tot!“

Text: james-hagengruber - Fotos: Brian Plonka

Eine Reise aus der Kindheit in den Krieg: Wie aus den Zwillingen Matthew und Robert Shipp aus Idaho US-Marines wurden.

Heute zieht Robert Shipp in den Krieg.

Robert, 19 Jahre alt, ist Soldat bei den US-Marines und fährt an diesem Dienstag auf einem Schiff über den Pazifik nach Afghanistan. Er hat noch keine Ahnung, was dort in den nächsten zwölf Monaten sein Job sein wird und ob sich sein Einsatzort nicht doch noch ändert. Robert ist Lance Corporal, ein Gefreiter, und einem Gefreiten wird bei den Marines nicht besonders viel erzählt. Alles was Robert weiß, ist, wie man mit einem Maschinengewehr namens M-249 schießt und wie man verdächtige Päckchen am Straßenrand identifiziert.

„Ich bin nicht nervös“, sagte mir Robert vor zwei Wochen, da besuchte er noch einmal seine Familie in der kleinen Stadt in Idaho, in den Bergen der Rocky Mountains. „Wir wollten es ja so“, sagte er.

„Wir“. Roberts Zwillingsbruder ist auch im Krieg. Lance Corporal Matthew Shipp bewacht seit zwei Wochen im Irak das Munitionslager einer kleinen US-Militärbasis östlich von Bagdad. Die Basis war nach seiner Ankunft schon das Ziel von Raketenangriffen, doch Matthew blieb unverletzt. Es geht ihm sogar ganz gut, sieht man davon ab, dass er nachts nicht schlafen kann. Die Nächte in der irakischen Wüste sind gerade sehr lang und sehr kalt. Vergangene Woche schickte ihm seine Mutter Leslee ein Päckchen mit Wollsocken; die Marines geben ihren Soldaten im Irak keine Wollsocken.

Matt Shipp (links) und Robert Shipp bei der High-School-Abschlussfeier.

In den Vereinigten Staaten von Amerika wird niemand zum Militärdienst verpflichtet. Deshalb beschäftigen die Army, die Navy, die Air Force und die Marines speziell ausgebildete Recruiter, die vor allem an High Schools um die Gunst der Schüler buhlen. Das ist gerade kein besonders leichter Job: Ein Großteil der US-Bevölkerung hält nicht mehr besonders viel von den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Neue Umfragen zeigen, dass zwei von drei US-Bürgern die Truppen lieber wieder zu Hause wüssten.

Trotzdem melden sich immer noch Jugendliche freiwillig zum Militärdienst, Robert und Matthew Shipp zum Beispiel. Sie sind zwei von etwa 180.000 Rekruten, die im Lauf des vergangenen Jahres neu zum US-Militär kamen.

Gemeinsam mit einem Fotografen habe ich Robert und Matthew während der vergangenen 18 Monate begleitet. Wir waren bei Ihnen, als sie die High School abschlossen und während ihrer ersten Tage bei den Marines. Wir waren auch bei ihnen, als sie in den Irak und nach Afghanistan geschickt wurden. Wir haben die beiden bei ihrer Reise aus der Kindheit in den Krieg beobachtet, weil wir ihre Entscheidung verstehen wollen.

Wahrscheinlich ist Matthew schuld. Die Zwillinge waren gerade mal 14 Jahre alt, als die Invasion der Amerikaner im Irak begann. Matthew und Robert kamen jeden Tag von der Schule nach Hause und verfolgten den Krieg. Live. Im Fernsehen. Zu dieser Zeit begann Matthew, von einer Karriere beim Militär zu träumen. Sein Bruder hatte da noch andere Sorgen. Robert plagte sich mit der Schule und warf schließlich mit 17 alles hin. Er wollte von Idaho nach Wyoming ziehen, er wollte dort die Berufsschule besuchen und LKW-Mechaniker werden. Aber es kam doch anders. Der Gedanke, von seinem Zwillingsbruder getrennt zu leben setzte Robert mehr zu, als er es sich zunächst hatte eingestehen wollen. Er verwarf seine Pläne und ging wieder auf die High School. Er wollte nun doch mit aller Kraft seinen Abschluss machen, vor allem aber wollte er bei seinem Bruder Matthew bleiben. Und Matthew wollte zu den Marines.

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