02.11.2007 - 19:00 Uhr

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Der Autor Benjamin Prüfer: Das Privatleben in der Öffentlichkeit

Text: dana-brueller

Im Roman "Wohin du auch gehst - Die Geschichte einer fast unmöglichen Liebe" dokumentiert Benjamin Prüfer, 28, seine eigene Beziehungsgeschichte. Als 23-Jähriger begibt er sich auf einen Rucksack-Trip nach Südostasien. In einer Bar lernt er Sreykeo kennen, nimmt sie mit auf sein Hotelzimmer, um am nächsten Morgen zu erfahren, dass sie ihr Geld als Prostituierte verdient. Sie verlieben sich ineinander. Bald finden sie aber heraus, dass Sreykeo HIV-positiv ist – und bleiben trotzdem zusammen. Seit 2006 sind die beiden verheiratet; Prüfer machte Sreykeos und seine Geschichte als Buch öffentlich. jetzt.de sprach mit ihm über sein öffentliches Privatleben, die Opfer-Rolle von HIV-Kranken und die Ehrlichkeit, die ein Autor haben muss.

Was bringt einen Menschen dazu, ein Buch über sein Privatestes zu schreiben? Der erste Schritt an die Öffentlichkeit war eigentlich die Veröffentlichung für „Neon“, wo erstmals über meine Beziehung zu Sreykeo berichtet wurde. Das Buch selbst hat mich dann gar nicht mehr so viel Überwindung gekostet. Die Veröffentlichungen haben uns, mir und Sreykeo, das Leben aber viel einfacher gemacht. Man ist mit vielen Vorurteilen konfrontiert, wenn man mit einer asiatischen Frau zusammen ist. Man gerät leicht in ein Täter-Opfer-Schema. Der deutsche Mann ist der Täter, die asiatische Frau das Opfer. Das Buch gab mir die Möglichkeit, viele Dinge zu erklären und die ganze Geschichte zu erzählen. Es gab natürlich auch finanzielle Gründe. Und außerdem hat es uns auch das Zusammenleben mit den Menschen unserer Umgebung erleichtert. Auf einmal war mehr Verständnis da. Die Reaktionen aus meinem Bekanntenkreis auf die Veröffentlichungen waren eigentlich durchgängig positiv.
Benjamin und Sreykeo heirateten in Kambodscha traditionell. Bild: Nick Nostitz/ Agentur Focus Und bevor du mit deiner Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen bist, hast du in deiner Umwelt eher Befremden ausgelöst? Ja, das ist ja auch eine normale Reaktion. Meine Freunde und meine Familie hatten sich schon gewundert und sich gefragt, warum ich das wohl tue. Sie kannten Sreykeo auch nicht. Sie kannten nur ihren Namen, wussten, dass es mir wegen ihr schlecht ging und dass es viele Probleme gab. Zu diesem Zeitpunkt lebte sie noch in Phnom Penh und ich in Deutschland. Aber ist es nicht ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass Millionen von Leuten in Deutschland jetzt deine Geschichte kennen? Nein, denn meine Geschichte – unsere Geschichte - ist ja in so einer Art kanalisierter Form. Wir können selbst bestimmen, was wir erzählen wollen und was nicht. Wirklich ungewöhnlich ist, dass Leute, die das Buch gelesen haben, auf mich zukommen und mich in einem ganz vertrauten Ton ansprechen und mich duzen: „Hey, Benjamin! Na, wie geht’s, wie geht’s Sreykeo?“ In deinem Buch machst du ziemlich deutlich, dass du keinen Weltverbesserungsdrang hast und eigentlich auch nicht das bist, was man sich unter einem Gutmenschen vorstellt. Möchtest du dich jetzt trotzdem weiterhin der Thematik deines Buches widmen oder wieder als Journalist arbeiten? Ich möchte jetzt nicht von einer Aids-Gala zur anderen springen. Auch deshalb nicht, weil ich nicht möchte, dass man dankt, ich sei mit Sreykeo zusammen, weil ich ein Zeichen gegen die Diskriminierung von HIV-Infizierten setzen möchte. Ich bin mit Sreykeo zusammen, weil ich mit Sreykeo zusammen leben möchte. Deshalb halte ich mich ein bisschen auf Distanz zu den NGOs. Naja, ich bin aber auch nicht so bekannt, als dass ich auf jeder Aids-Gala hingestellt werden müsste. Was mir aber wirklich wichtig ist, ist diesen HIV-Mythos aufzuklären. Teile der Aids-Aktivisten sind immer sehr bemüht, die Behauptungen aufrechtzuerhalten, dass die Krankheit unweigerlich zum Tod führe und eine schreckliche Bedrohung für alle sei. Das geschieht natürlich in einer guten Absicht, aber für uns ist es ein echtes Problem. Sreykeo ist sozusagen von einem Nimbus des Todes umgeben... Ich würde mir wünschen, dass diese Diskussion sachlicher geführt werden würde. Wir werden immer in diese Opfer-Rolle reingeschoben, und immer wird uns unterstellt, dass jemand, der HIV hat, ein furchtbares Leben führt. Das macht unser Leben eher schwierig. Niemand will mit einem Opfer befreundet sein, niemand will einem Opfer einen Job oder einen Mietvertrag geben. Das ist auch der einzige Idealismus, den ich habe.
Sreykeo und Benjamin in Phnom Penh. Bild: Die Fernsehagentur Du lieferst du ein sehr umfassendes, tief gehendes Bild der Beziehung zwischen Sreykeo und Dir. Ich finde, man muss ehrlich sein, wenn man so ein Buch schreibt. Es hätte nicht funktioniert, wenn ich irgendwelche Dinge verschönt oder verkitscht hätte. Und diese Ehrlichkeit schützt mich ja auch. Ich bin im Buch hart zu mir selbst und ehrlich; also kann kein Anderer mehr mir Fehler vorwerfen, die ich selbst schon aufgezeigt habe. Außerdem honorieren es die Leser natürlich, wenn man ehrlich ist. Sogar meine Mutter kannte dich schon aus diversen TV-Talkshows. Ist es ein Problem, plötzlich in der Öffentlichkeit zu stehen? Oder meinst du, die mediale Aufmerksamkeit wird sich in ein paar Monaten wieder legen? Die ganze Situation ist schon ungewöhnlich. Ich habe im Alltag keine Probleme; ich werde nur ganz selten im Supermarkt angesprochen (lacht). Aber ich bekomme jetzt öfters E-Mails, meist von Leuten, die eine Beziehung zu meinem Buch haben, zum Beispiel weil sie Partner aus Thailand oder Kambodscha haben. Trotzdem ist es natürlich eine neue Rolle, mit der umzugehen ich erst lernen muss. Ich würde das nicht als problematisch bezeichnen, eher als neu und ungewohnt. Naja, ich bin wirklich kein Mensch, der das Bedürfnis hat, in der Öffentlichkeit zu stehen (lacht). Ich bin keiner, der sagt: "Hallo alle! Alle mal hergucken!" Mein Umfeld, Freunde und Arbeitskollegen, erwarten immer, dass ich mich jetzt irgendwie verändern müsste.... Passiert aber nicht? Ach nö. Weißt du, wenn man aus so einer Talkshow rausmarschiert, ist man nicht sofort ein anderer Mensch. Bild: Jörg Steinmetz


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MissPancho
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Mag ich Mag ich nicht

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04.11.2007 - 20:02 Uhr
MissPancho

ein partner aus einem anderen land macht die person selbst zu etwas besonderen, man fühlt sich cosmopolitan. so far so good.

die kulturunterscheide machen jedoch am ende meist alles kaputt, und die einsicht, dass man letztendlich in eine aufregende story verliebt war, und nicht in eine person.

ich spreche aus erfahrung (meine und anderer) und tendiere heute zu gleich und gleich gesellt sich gern, und glaube nicht, das einen langfristige partnerschaft innerhalb von 2 sehr unterschiedlichen kulturen möglich ist. (ausnahmen bestätigen die regel)

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

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05.11.2007 - 09:53 Uhr
Jollscherl

das halt ich für ziemlichen quatsch. und für eine arge verallgemeinerung. aber jedem seine meinung. und jedem seine vorurteile.

der_neue_orhe
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05.11.2007 - 10:23 Uhr
der_neue_orhe

ein wenig widerspricht sich das aber schon: vollkommene ehrlichkeit und "entscheiden, was wir weglassen, und was wir erzaehlen".

Jollscherl
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05.11.2007 - 10:50 Uhr
Jollscherl

wohl wahr@orhe. das hat mich auch irritiert... dinge weglassen ist ja auch nicht viel anders als falsche dinge erzählen...

dadegia
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11.11.2007 - 10:41 Uhr
dadegia

ich dachte bisher dass die vermeintlichen vorurteile über asiatische frauen und europäischen männer nur in meinem Kopf existieren, dass sie so präsent sind, hätte ich nicht gedacht. Das wirft natürlich einen ganz anderes Licht auf meine Beziehung. *sarcasm*

Habe leider kein Fernseher, daher fand ich die Story nicht besonders überrespräsentiert. Habe sie nur in einer alten Neon gelesen.

chupa_chup
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25.01.2010 - 15:12 Uhr
chupa_chup

Im ersten Neon-Heft, das ich mir je gekauft habe war der Bericht drinnen. Der hat mich dann auch nicht richtig losgelassen. Lange Zeit hab ich keinen Gedanken an diese beiden Menschen verschwendet und dann ist es mir durch irgendwas wieder eingefallen und ich hab mich gefragt, wie ihre Geschichte wohl weiter gegangen ist. Schön jetzt Neuigkeiten zu haben.

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Mag ich Mag ich nicht

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25.01.2010 - 15:14 Uhr
chupa_chup

Im ersten Neon-Heft, das ich mir je gekauft habe war der Bericht drinnen. Der hat mich dann auch nicht richtig losgelassen. Lange Zeit hab ich keinen Gedanken an diese beiden Menschen verschwendet und dann ist es mir durch irgendwas wieder eingefallen und ich hab mich gefragt, wie ihre Geschichte wohl weiter gegangen ist. Schön jetzt Neuigkeiten zu haben.

grieser
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02.01.2012 - 12:43 Uhr
grieser

hi, ich sitzte gerade zum 4. mal in phnom phen.heute habe ich benjamins buch zu ende gelesen.ich war zum schluss sehr froh , dass doch alles gut ging.
das buch hat mich sehr ergriffen. ich kenne zwar die zehne in phnom phen, aber ich bin kein sexturist.ich hatte bestimmt genau so gehandelt wie er. denn im grunde genommen ist er nie enttäuscht worden. alle die so na ja auch dafür sind --oder sogar gegen das buch sind---die kennen die cambodianer nicht.ich habe mich auf jeden fall auch oft in benjamin gesehen.aber ich war halt hier in cambodia noch nicht wirklich verliebt gewesen. es stimmt alles was er geschrieben hat. die menschen sind in ihrem herzen sehr ehrlich und treu.
ich habe selbst 2 gute freunde. die würden mich nie anbetteln um geld.
aber wenn ich ihnen helfen kann , dann würde ich das auch tun-oder bereits getan habe.
um grunde genommen sollte man hier alle sextouristen verbannen,
gerade hier-wo die menschen sehr aufrichtig sind.
idie können doch nach vietnam und thailand fliegen.
benjamin, ich habe dich bewundert für deine liebe zu deiner frau.
ich hoffe für mich , dass ich auch so eine starke liebe finden kann.
ich hoffe auch , dass ihr drei noch lange glücklich seid.
lass dich nicht durch den rummel des geldes deine liebe verlieren. du weisst am besten, dassohne deine liebe nichts gegangen wäre.
in voller bewunderung:
helmut grieser

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