24.10.2007 - 19:00 Uhr

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Wer nein zu Porno sagt, sagt nein zu Sex

Text: river-tucker

In Berlin findet in dieser Woche das 2. Pornfilmfestival statt - ein guter Anlass, nein zu sagen zur PorNO-Kampagne von Alice Schwarzer

30 Jahre Feminismus und kein bisschen lustvoller – Alice Schwarzer belebt ihre PorNO-Kampagne zum dritten Mal in dreißig Jahren und wir lesen, dass es vom String Tanga nicht weit bis zum Gewaltporno ist. Und dann ist man auch schon ganz schnell bei Snuff Filmen, den illegalen Pornos, in denen real getötet wird. Pornos sind für Alice Schwarzer der Gipfel männlichen Sexismus, Frauen schreibt sie dabei immer die Opferrolle zu.
Um es gleich mal klar zu stellen: Ich finde Pornos gut und bin Feministin. Natürlich, weiß ich auch, dass das Patriarchat noch immer nicht besiegt ist. Aber deshalb ist doch Pornografie an sich nicht schlecht. Im Gegenteil: Das Genre Porno wäre eine wunderbare Form diese Strukturen aufzubrechen. Die Frage ist doch nicht ob, sondern wie man Pornos macht. Liest man Alice Schwarzers Text zur aktuellen PorNO-Kampagne, scheinen Feminismus und Sexfilme gänzlich unvereinbar. Sie rührt noch mal kräftig dreißig Jahre Porno-Kritik zusammen. „Wir erkennen Pornografie an der Verknüpfung von sexueller Lust mit der Lust an Erniedrigung und Gewalt“, schreibt Schwarzer. Moment, noch mal zurück auf Null: Pornografie ist lediglich die explizite Darstellung von Sex, also Genitalien inklusive. Das sagt noch nichts darüber aus, wie man Sex darstellt. Okay, in der kommerziellen Pornoindustrie lässt man sich oft nicht sehr viel einfallen. Das Ergebnis: Das übliche Rein-Raus ist unbefriedigend. Unmotivierter Sex vor der Kamera wurde in epischer Langeweile perfektioniert. Neulich war ich bei einer Ausstellungseröffnung in einer Galerie in Berlin-Mitte. Die Bilder des Künstler wurden als Diashow an die Wand projiziert, ein DJ lieferte Elektroklänge für die Performance. Teil der Performance war unter anderem eine nackte Frau, die auf einem Bett lag. Sie streichelte sich, spielte mit sich und einem gläsernen Dildo, stöhnte unmotiviert und gelangweilt. Das ganze sollte in dem Setting auch ein bisschen provozierend wirken, waren doch hauptsächlich Leute aus der Kunstszene anwesend. Ich war schockiert, dass das Publikum so leicht zu beeindrucken ist. Denn im Grunde war es einfallslos und langweilig. Wieso kämpft Emma nicht für einen souveränen Umgang mit Sex und Rollenbildern? Besonders weibliche Sexualität wirkt schnell provozierend, wenn sie von der Norm abweicht. Frauen, die sich einen Dildo umschnallen und einen Mann penetrieren – das wäre zum Beispiel mal ein anderer Blick auf Sex. Oder Frauen beim „Abspritzen“ sieht man auch nicht alle Tage. Doch für die Entwicklung eines weiblichen Blicks in der Pornografie ist bei Alice Schwarzer kein Platz. Anders beim Porn Filmfestival in Berlin, das dieses Woche zum zweiten Mal stattfindet. Hier sind 30 Prozent der Filme von Frauen gemacht - ein Anteil wie ihn auch „normale“ Filmfestivals nicht erreichen. Das Festival will unabhängige Filmemacher, Künstlerinnen und Porno-Regisseurinnen zusammenbringen, die Sexualität progressiv, politisch und einem anderen Blick, mit anderen Bildern darstellen wollen. Zusätzlich zum Pornoprogramm setzen sich Dokumentarfilme, Podiumsdiskussionen und Workshops mit der weiblichen Sicht auf Pornografie, aber auch mit Themen wie „Arbeitsbedingungen in der Sexindustrie“ auseinander. Natürlich gibt es nicht jeden Tag ein Festival, das einem die Auswahl an unkonventionellen Pornos erleichtert. Und in den Videotheken „da draußen“ stehen tatsächlich eine Vielzahl extrem langweiliger und abstoßender Pornos. Aber ich kenne auch schlechte Actionfilme, wird deshalb das Genre an sich in Frage gestellt? Wer dogmatisch nein zu Pornos sagt, sagt auch nein zu Sex. Natürlich sehen wir an jeder Straßen Ecke sexualisierte Bilder, aber was Alice Schwarzer die „pornografisierte Gesellschaft“ nennt, spielt sich nur an der Oberfläche ab. Gucke ich mir Pornos an, beschäftige ich mich dagegen mit meiner eigenen Sexualität, mit meinen Wünschen und Phantasien. Ist das nicht emanzipiert? Sex ist eine Geschmacksfrage und da muss man sich erst mal durchprobieren. Es gibt viele Wege seinen sexuellen Horizont zu erweitern- Pornografie ist definitiv einer davon und hey, es lohnt sich. Ich habe tatsächlich schon einige lesbische, schwule und heterosexuelle Sexfilme gesehen, die antörnend, witzig, künstlerisch oder originell waren. Wie konnte das passieren? Ich habe mich auf die Suche gemacht. Zugegeben mit schwulen und lesbischen Pornos fällt das leichter, weil schon mal die Rollenverteilung „Männer erniedrigen Frauen“ wegfällt. Im letzten Jahr, beim ersten Porn Filmfestival in Berlin, habe ich begeistert die Filme von Eon McKai gesehen. Die Darsteller hatten alle diesen Rock´n´Roll -oder Skaterstil, mit Tattoos, coolen Klamotten und Frisuren - für mich ein Traum. Subkultur goes Porn- vielleicht die Lösung. Mehr zum Thema unter pornfilmfestivalberlin.de


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la_nouvelle_susette
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:27 Uhr
la_nouvelle_susette

der aufruf, die frauen sollten sich sexuell emanzipieren, haben wir diese woche schonmal gehört. ich mags, glaube ich, auch nicht mehr hören.

und überhaupt, warum verstehen unter pornographie alle immer gleich filme? was ist mit der guten alten literatur? es heißt ja auch schließlich pornoGRAPHIE.

Marcologne
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:27 Uhr
Marcologne

Ich versteh nicht, wieso man immer so ein Trara um Pornos macht. Es gibt für jede Kundschaft einen Markt. hier sind es (größtenteils) Männer, die so etwas sehen wollen. Ich wage mal zu behaupten, dass, wenn es genügend Frauen gäbe, die auch Interesse an der Darstellung von Sex hätten, auch eine andere Art des Pornofilms gäbe.
Aber warum Frauen sich immer direkt abkehren und ein "Bäh, Pfui, Pornos" ausstoßen, habe ich noch nie verstanden. Natürlich, manche Sachen gefallen auch mir nicht, aber gut, dann schaue ich es nicht. Und dass Frauen vielleicht anders denken (weil sie vieleicht so eine oben genannten doppelte anale Penetration fühlen könnten), verstehe ich auch. Aber dann direkt mit dem tollen Begriff Feminismus anzukommen, halte ich doch für etwas übertrieben. Wenn es den Feministinnen spaß machte, sollen sie doch extra Frauenfilme drehen; mir wäre es egal und ich würde mich eher wenig um die Rechte der Männer in diesen Filmen kümmern.

eisengrau
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:31 Uhr
eisengrau

Porno und Prostitution. Projektwochen auf jetzt.de ;-) Na, wenn 's schon mal da steht, kann man ja auch mitreden.

tahoma sagte:
ist es nicht ein widerspruch, pornografie mit irgendwelchen attributen ("künstlerisch") zu versehen? gerade eben weil es um "nichts" als die darstellung des akts geht, ist pornografie doch pornografie. diese ganzen alibi-behauptungen, dass pornos "mehr können", sind lächerlich.und sonst?


Nein, ein Widerspruch ist es in dem Sinne nicht, als man unter Pornografie Erzeugnisse versteht, die zu dem Zweck produziert wurden, den Zuschauer sexuell zu stimulieren. Dass das Ganze neben der Stimulation noch eine künstlerische Seite erhält, liegt durchaus im Rahmen des Möglichen, aber ein wirkliches Beispiel dafür ist mir auch nicht gegenwärtig.

Vielleicht die Videos von Richard Kern, aber die sind nicht nach meinem Geschmack,daher törnen sie zumindest mich nicht besonders an.

Im Übrigens soll Frau Schwarzer bitte dem Publikum selbst überlassen, was es für sein Sexualleben an Hilfsmitteln benötigt. In Pornos treten Darsteller gegen Geld auf,um stereotype Rollenbilder vorzumachen, wo ist da der Unterschied zur Vorabendserie?

Marcologne
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:32 Uhr
Marcologne

Bernsteinhexe sagte:
Aber in einem Punkt stimme ich mit Frau Schwarzer überein: Mir kommt die Galle hoch, wenn noch für Internet-Provider mit dreiviertelnackten Frauen geworben wird. [...] Wobei es komischerweise keine Plakate mit bettverwuschelten männlichen Models in eindeutigen Posen gibt.


Auch hier greift ganz simpel das Prinzip: männer achten auf (halb-)nackte Frauen, also wird auch bei bestimmten Produkten mit (halb-)nackten Frauen geworben. Ich verstehe nicht, wo das Problem ist. Bei mir ist es zwar mittlerweile so, dass ich mich davon (zumindest behaupte ich dies felsenfest in meiner subjektiven Art und Weise) nicht mehr locken lasse. Aber warum ich mir Vorwürfe machen sollte, dass ich gerne (halb-)nackte Frauen anschaue, nein, das will mir nicht in den Kopf.

Und bei bestimmten Produkten wird auch mit Männern geworben.

LarkXRAM
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:40 Uhr
LarkXRAM

"Und dann ist man auch schon ganz schnell bei Snuff Filmen, den illegalen Pornos, in denen real getötet wird."
Und das ist dann alles was dazu zu sagen ist, ja?
Erbärmlich...

Das Elend der Zwangsprostitution und der damit verbundene Menschenhandel durch skrupellose Zuhälter berührt gar nicht?
Pornografie als suchtmachendes und daher Empfindungen abstumpfendes Geschäft ist kein Begriff?
Nicht mal Wert angesprochen zu werden. Man muß dies allerdings auch erst mal denken und begreifen können.

Welches Gewäsch muß man sich denn hier noch bieten lassen?

Wer lässt solche "Journalisten" wie river-tucker eigentlich bei der SZ auf die Menschheit los? Ihr Glück dass sie noch relative jung ist: vielleicht lernt sie irgendwann das Denken doch noch?!
Zu glauben daß man Schreiben kann allein genügt nicht!

Andere allerdings sind dazu offensichtlich schon früher in der Lage, wie auch die Kommentare hier zeigen...

mrsbratmaxe
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:44 Uhr
mrsbratmaxe

@marcologne: und natürlich gibt es fraue die pornos sehen. tsss. die müssen da nur nich immer drüber reden. aber das ist ja auch völlig egal. :)

maid
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:46 Uhr
maid

@ LarkXRAM

lesen will auch gelernt sein. dein zitat stammt von alice schwarzer,
warum schimpfst du dann auf die journalistin?

noplacespecial
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:47 Uhr
noplacespecial

danke @ eisengrau.

berlinoid
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:47 Uhr
berlinoid

die überschrift ist doch übelster hippie-faschismus im granny-muschigen sprichwortgewand. ebenso dogmatisch könnte man kalauern: wer zwei mal mit der selben pennt gehört schon zum establishment. oder im pornografischen neusprech: wer A fickt, muß auch B ficken.

mrsbratmaxe
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Mag ich Mag ich nicht

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24.10.2007 - 20:48 Uhr
mrsbratmaxe

wer A fickt, muß auch B ficken
LOL

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