Vom Nicht-Suchen und Finden der Liebe
„Du bist ein verdammter Jäger“, schreit Berna in mein Ohr. Ich grinse, will es aber nicht hören. Das letzte Bier hatte eine zu berauschende Wirkung, der Kopf ist eingeklemmt, denken ist längst eine Wunschvorstellung, das Fühlen bestimmt meine Handlungen. Blonde Locken tanzen auf und ab und der Wunsch hineinzugreifen bestimmt und blockiert mich. Ganz sanft diese Haare zu streicheln oder zärtlich an ihnen zu ziehen, während eines Kusses, während eines Stöhnens. Der Lichtkegel streift mein Auge, blendet mich, ich kann sie nicht mehr sehen, aber spüren, ihre unmittelbare Anwesenheit in greifbarer Nähe. Ich denke so oft daran dich zu küssen, Berna. Die Versuchung ist zu groß, als dass ein suchender Mensch wie ich es im Moment bin wegschauen könnte, dazu sind meine Augen zu weit offen. Ich kann meine Augen längst nicht mehr von ihr abwenden, manche Menschen sind zum Anfassen gemacht. Berna ist so anders als Franka. Wild, zornig, selbstverliebt und –zerstörerisch. Der prickelnde Geruch der Gefahr geht von ihr aus, ich kann ihn riechen. Auf der anderen Seite Franka, Sicherheit, Geborgenheit, Vernunft, Zukunft. Liebe? Wichtige Werte, aber es kann nicht alles sein, es kann einfach nicht alles gewesen sein. Ich sehne mich nach Liebe, aber ich sehne mich auch nach dem Dunkeln, nach dem Abgrund, gerade jetzt, völliger Kontrollverlust, ein gewolltes abgeben der Eigeninitiative. Der tiefe Absturz, in den ich in Begriff bin zu stürzen. Stürzen ist gar nicht so schlecht. Doch dieser Gedanke ist einer zu viel. Ich hab zu lange überlegt, muss meinen Verstand einschalten, so wie Franka es macht. Immer. Ich kann mein Leben nicht so einfach wegwerfen. Pläne, Gefühle, es hängt zu viel davon ab, es hängen zu viele mit in diesem Loch. Eine unüberlegte Handlung und ich ziehe sie alle mit, begrabe sie. Es ist ein wackeliger Drahtseilakt, doch der Akrobat spielt ständig mit dem Gedanken neben das Seil zu treten. Gibt es ein Netz? Das denken bereitet mir Kopfschmerzen, jeder einzelne Gedanke sticht und erdrückt mich. Das Fühlen bereitet mir Übelkeit, das Kribbeln beißt. Wo ist unten, wo ist oben, mein Anker? Es ist einfach kein Land in Sicht. Ich schwimme aussichtslos durch einen schwarzen Ozean der Lügen. Berna will vielleicht gar nicht glücklich sein, sie ist generell eher ein suchender als ein ankommender Mensch. Den Ist-Zustand zu halten und zu genießen scheint ihr genauso schwer zu fallen wie mir. Nach den Sternen greifen, Atmen, immer auf der Flucht vor irgendwem und gleichzeitig auf der Suche nach jemand anderem. Vielleicht ja sich selbst, irgendwann. Die Liebe kann ein Kartenhaus sein, aber der Wind ließ sich noch nie kontrollieren. Das Leben spüren, mit jedem einzelnen Haar spüren. Haare, tanzen auf und ab, die Hand strecken, Juli, nur die Hand ausstrecken und hineingreifen. Ein paar Zentimeter, so einfach.
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gut beschrieben!








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18.10.2007 - 19:35 Uhr
NeverGetMeAgain