Fernfahrer-Kolumne (X): Servus Fuchsschwanz - hallo Kairo!
Text: moritz-baumstieger
Moritz Baumstieger hat gerade Magister gemacht. Jetzt fährt er mit einem alten VW-Bus von Köln nach Kairo. Jede Woche berichtet er darüber hier bei jetzt.de. Heute: Das Ende - endlich ankommen in Kairo!
Ein letztes Mal einsteigen in den guten, grauen Bus. Vorglühen, Kassette rein, anschnallen. Los. Auf dem Weg nach Kairo noch: Die Ruhe in der Wüste genießen, ein letztes Mal mitten in der Wildnis schlafen. Beim Zwischenziel, dem Berg Mose, stehen die Touristen am Fuß des Berges Schlange. Das ist nix für uns. Der gute, graue Bus darf eine Wüstenpiste ausprobieren, wir suchen uns unseren eigenen Mosesberg. Der ist zwar kleiner, die Sonne geht aber auch dort unter und macht dabei brav den Himmel bunt. Sehr schön. Nur hat das Spatzerl ein wenig Angst vor Tretminen, die nach einem ADAC-Infoblatt irgendwo am Sinai herumliegen sollen.
Liebe Reisegruppe, sehen sie rechter Hand die Pyramiden von Gizeh am Horizont, linker Hand die Moschee von Kairo und vor allem - die Mutter aller Smogs!
Fotos: Patrick Desbrosses
Dinge, vor denen das Spatzerl auf der Reise sonst noch Angst hatte:
- Karpatenhunde
- Quallen
- Erstickungstod beim Schnorcheln
- eventuell giftige Muschelsuppe
- Meer (bei Nacht)
- schlechtem Wasser
- Händchenhalten und Küssen in Istanbul (laut einem Gesetz aus den Achtzigern auf der Straße verboten)
- uralten Aufzügen
- Gas im Bus
- gemeinen Felsklettereien
- Höhlen (der enge Gang)
- 50 Zentimeter-Hupferl von einem Fels zum andern
- Schlangen in der Wüste
- Feuerfische
- Straßenüberqueren in Kairo
Am meisten Angst hatte sie aber beim Wildcampen. Vor Dieben, Räubern und auch Mördern. Deshalb lag immer die dicke, schwarze Taschenlampe neben ihrem Schlafsack. Um damit die Diebe, Räuber, Mörder zu hauen, bevor sie böse Sachen machen können. Also hatte auch ich Angst. Davor, die dicke, schwarze Taschenlampe über den Schädel gezogen zu bekommen, wenn ich nachts vom Pinkeln zurück ins Bettchen krabbele.
Auch diese Nacht wird überlebt, weiter. Kurz vor Kairo endlich der erste Unfall: Ein Beduinen-Opa macht am Steuer seines Pick-Ups ein kleines Nickerchen. Mit geschlossenen Augen kann er den guten, grauen Bus nicht sehen und schneidet uns. Das Spatzerl bremst, es rumpelt trotzdem kräftig. Der Beduinen-Opa hat eine Delle in seinem Pick-Up, der gute, graue Bus nur ein paar Streifen Pick-Up-Farbe am Kotflügel. Also wird nach einigem Kopfschütteln auf Beduinisch „Tschüss“ gesagt und unter dem Suez-Kanal nach Afrika hinein getunnelt.
Der gute, graue Bus ist trotzdem beleidigt. Als wir in das Stadtverkehrs-Chaos von Kairo eintauchen, macht er mit dem Auspuff wieder grässliche Geräusche. Egal. Wir schlängeln uns in die Innenstadt und kommen an. Der gute, graue Bus wird nach 7319 Kilometern im Parkhaus abgestellt. Hier darf er sich ein halbes Jahr ausruhen.
Stau am Mittleren Ring von Kairo
Fotos: Patrick Desbrosses
Kairo ist, nun ja, groß. Falls es hier einen Horizont gibt: Zu sehen ist er nie, die Luft ist zu milchig. Auf dreispurigen Straßen fahren fünf Autos nebeneinander, überholen links und rechts und oben und unten. Nachts schalten sie anstatt Licht nur blinkende LED-Lampen an und hupen. Das tun sie aber auch tagsüber. Ab und zu scheppert es. Dann wird ausgestiegen, ein wenig geschrieen und gerangelt. Aber nur kurz, man wird sich doch wegen der paar Ampeln, die hier zur Dekoration aufgehängt wurden, nicht ernsthaft in die Haare kriegen. Also Klaps auf die Schulter, verdeckter Boxer in die Magengrube, und weiter geht’s.