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Hypochondrie
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Leben| 17.10.2007 19:00Das Phänomen der Trendmedikamente
Text: dana-brueller Illustrationen: katharina-bitzl
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Medikamente gegen Grippe oder gegen Grippeanzeichen sind heutzutage der Mode unterworfen wie Mützen. Jedes Jahr gibt es im WG-Arzneischrank ein neues rezeptfreies Medikament, das exotisch schmeckt aber nie hilft. Oder?
Dass es wieder Winter wird merkst du, wenn der anfällige Mitbewohner erst vier Tage lang geräuschvoll flachliegt und am fünften Tag mit seiner Auferstehung auch gleich das diesmal daran beteiligte Wundermittel präsentiert. Er hält, noch stark schleimend, ein Fläschchen oder Tiegelchen in der Hand und preist den Inhalt mit den immer gleichen Sätzen: „Hat echt sofort geholfen! Das nimmt auch Barbara Becker gegen Grippe! Haben eigentlich die Paschtunen erfunden, weil die ja immer mega Halsschmerzen haben. Da ist echter Ingwer/Aloe Vera/Biberfett/Weltraumstaub drin!“ Es ist die Trendmedizin. Sie wird dir den ganzen Winter hindurch in den Händen chronisch verschnupfter Leute begegnen, die trotz fortdauernder Unpässlichkeit davon schwärmen und nichts anderes mehr nehmen wollen, schon gar kein Aspirin. Aspirin verhält sich zur Trendmedizin wie Asphaltieren zu Bodypainting. Aspirin geht gar nicht. ![]() Die Trendmedizin wird nicht auf Rezept verschieben, sondern erlangt ihren Ruhm durch Tröpfchenübertragung. Die klingt so : „Dem Tilly hat echt gar nichts geholfen, der hat sogar Antibiotika genommen, aber mit den Ginko-Tröpfchen war’s nach drei Tagen gut. Rufus Beck nimmt die übrigens auch immer.“ Den Mythos der Trendmedizin machen nicht nur diese Heilungsgeschichten aus. Er setzt sich auch aus einem Gemisch von Homöopathie und Kindheitserinnerung zusammen, schabt ein bisschen am Schamanismus und wird erst mit einem ungewöhnlichen Aggegratzustand perfekt. Der muss jedes Jahr ein anderer sein: Salbe, Tröpfchen, Kügelchen, Kaubonbon, ätherisches Öl und dann wieder von vorne. max-scharnigg Wir haben einen Schulmediziner und ein Apothekerpaar gebeten, vier der beliebtesten rezeptfreien Produkte - zwei zur Krankheitsbekämpfung, zwei zur Immunstärkung - zu beurteilen. Umckaloabo Lösung Preis: 50ml für 19,18€ ![]() Anwendungsgebiete laut Beipackzettel: Akute Bronchitis. Umckaloabo verkürzt die Krankheitsdauer und verhindert Rückfälle. Wo kommt's her? Umckaloabo ist der „konzentrierter Wurzelauszug - genannt Spezialextrakt“ aus der Kapland-Pelargonie. 1897 reiste ein schwindsüchtiger Engländer nach Südafrika, wo ihm ein „pflanzenkundiger Zulu aus dem Basuto-Land“ den Wirkstoff Umckaloabos ans Herz legte. Heute gibt es eine Umckaoloabo-Farm mit 100 Angestellten. Wie wirkt es? Umckaloabo soll die Bakterienvermehrung hemmen, der „Spezialextrakt überzieht die Schleimhautzellen der Atemwege mit einer Art Schutzfilm“. Die Virenabwehr soll verstärkt werden, da die „natürlichen Killerzellen“ und die „körpereigenen Fresszellen“ des Immunsystems aktiviert werden. Auch zäher Schleim soll gelöst werden. Das sagt der Schulmediziner: "Umckaloabo wird als pflanzliches Antibiotikum beworben, ohne eines zu sein. In der jüngsten Zeit gibt es vermehrt Hinweise, dass Umckaloabo Leberschäden hervorrufen kann. Ich würde davon abraten, ein solches Produkt zu nehmen, zumal es relativ teuer ist. " Das sagt der Apotheker: "Umckaloabo hilft sehr gut, vor allem bei Bronchitis. Wichtig ist, dass es dreimal am Tag eingenommen wird und man sich an den Beipackzettel hält. Es ist zwar kein wirkliches Antibiotikum, aber es hat durchaus antibiotische Eigenschaften, es verhindert, dass sich Viren und Bakterien auf die Schleimhäute festsetzen. Außerdem wird die Virenabwehr verstärkt. Mir persönlich ist es aber zu teuer." Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!
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