Fernfahrer-Kolumne (VIII): Disko Ramadan - Toter Mann am Toten Meer
Text: moritz-baumstieger
Moritz Baumstieger hat gerade Magister gemacht. Jetzt fährt er mit einem alten VW-Bus von Köln nach Kairo. Jede Woche berichtet er darüber hier bei jetzt.de. Heute: Zu Besuch bei Indiana Moses und seinen biblischen Filmkulissen - durch Jordanien bis ans Tote Meer.
Ramadan! Jordanien! Ramadan! Die Muslime fasten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wir teilweise auch, denn tagsüber ist es schwierig, an Essen heran zu kommen. Also gibt es jeden, jeden Tag – wenn es etwas gibt:
- Tomaten
- trockenen Fladen
- Kekse
- mit handwarmen Wasser dazu.
"It´s Ramadan. Thank you, sorry." Merke: Bei Beduinen bedeutet Fasten auch: nicht Rauchen!
Fotos: Patrick Desbrosses
Das alles verzehren wir verschämt im guten, grauen Bus oder am Ende einer dunklen Gasse, um die hungrigen Fastenden nicht zu ärgern. Aus Versehen ärgern wir sie manchmal aber doch. Wenn wir – wie wir es uns in Rumänien angewöhnt haben – unseren Gesprächspartnern zu allererst einmal eine Zigarette anbieten. Da gucken sie ganz traurig. Rauchen, eine der Lieblingsbeschäftigungen der Menschen hier, darf man an Ramadan auch nicht. Deshalb sagen unsere Gesprächspartner dann mit leiser Stimme: „It´s Ramadan. Thank you, sorry. Ramadan!“ Doch bevor die Fastenden beim Blick auf die Zigarettenschachtel zu weinen beginnen, verstecken wir die Packung wieder ganz schnell in der Hosentasche. Ein bisschen schlecht gelaunt sind sie danach trotzdem für den Rest des Tages.
Schlecht gelaunt sind an Ramadan auch Touristen. Was besonders schön zu beobachten war, als uns an einem harten Autofahr-Tag ein großes, gelbes „M“ anlockte. Im jordanischen McDonald´s gibt neben einem besonderen Ramadan-Menu (bestellbar ab Sonnenuntergang) auch tagsüber das ganze Programm. Essen und warm! Cola und kalt! Kriegt man dort alles. Nur das Essen dort auch essen, das darf man nicht. Eine schwangere Touristin knallt hysterisch ihre Eiswaffel auf die Theke, als eine Angestellte ihr das erklären will. Wir trollen uns lieber in den guten, grauen Bus.
Dem bekommt Ramadan auch nicht so gut. Gleich am ersten Tag hat er hinten zu klappern angefangen, Auspuff lauter als Anlage. Und als wir nicht mehr das für unsere Reise zwar etwas plakative, aber doch sehr schöne Lied „Das Zelt“ vom Jeans Team hören können, muss etwas passieren.
Natürlich an einem Freitag, dem islamischen Sonntag. Alles geschlossen. Ein netter Taxler, Sohn palästinensischer Flüchtlinge, hilft uns, einen Schrauber in seine Werkstatt zu schleifen. Bis der Auspuff für einen Euro repariert ist, wird mit dem Taxler zum Zeitvertreib der deutsche Schimpfwörter-Katalog durchgegangen. Er ist gut darin. 2006 war er in Deutschland, bei dem schwarzrotgoldenen Kostümfest mit dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Die letzten Wochen seines Besuchs verbrachte er in Abschiebehaft, auf einer Tournee durch bayrische Gefängnisse. Das in Passau hat ihm sehr gut gefallen.
Das einzige Wasser, total versalzen: Tja Moses, ganz schön enttäuschend, das gelobte Land!
Fotos: Patrick Desbrosses
Ansonsten: Alles sehr biblisch in Jordanien. Während in Syrien noch in jeder Stadt Johannes der Täufer begraben war, gibt es in Jordanien kaum einen Stein, aus dem Moses nicht Wasser heraus geklopft hätte, kaum einen Berg, auf dem nicht gestanden oder gestorben ist. Von den Bergen kann man schön in das Gelobte Land hinunter gucken. An Moses´ Stelle wären wir ein wenig enttäuscht von dem Anblick gewesen: alles trocken und das einzige Wasser in der Nähe, das Tote Meer, total versalzen. Ab jetzt haben wir ungefähr denselben Weg wie das Volk Israel, nur dass wir vom Gelobten Land nach Ägypten müssen und nicht anders herum. Und dass wir bequem mit dem guten, grauen Bus fahren dürfen, anstatt 40 Jahre durch die Wüste zu irren.