10.09.2007 - 19:00 Uhr

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Schlechte vs. gute Idee: Superjohann und Protest gegen Schäuble

Text: christian-helten

Videoplattformen im Netz sind wie große Töpfe, in die jeder seine Zutaten werfen kann, ganz gleich, welcher Art. Das hat Auswirkungen in vielerlei Richtungen. Es regt zu Schadenfreude und Voyeurismus an, zu Kreativität und Geistsblitzen, zu Geschäftsideen und Werbekampagen. Hier seien zwei Ideen aus dem Topf gefischt.

Schlechte Idee: Superjohann



Man ist geneigt, seine Kritik am Superjohann damit zu beginnen, dass allein der Name dieses Geschöpfs völlig Panne ist. Dann, so durchfährt es einen in einem Anflug von political correctness, lässt man es lieber, weil man nicht möchte, dass sich Superjohanns Namensvetter ohne Super angegriffen fühlen.

Traurig ist man über den Verlust dieses Ansatzpunkts allerdings nicht. Denn Superjohann und seine Macher bieten reichlich andere Gründe zur Aufregung. Hinter dem seit Mittwoch auf allen möglichen Internetportalen mit Film und Podcast vertretenen Helden steht die Johanniter-Unfall-Hilfe. Sie hat ihn anlässlich des „Europäischen Tages der Ersten Hilfe“ zum Leben erweckt. Wahrscheinlich entstand die Idee dazu während eines Gesprächs in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, die kurz zuvor auch die frohe Kunde von diesem ominösen Web 2.0 erreichte. „Also“, dachte man sich, „machen wir uns doch auch einmal eine MySpace-Seite. Und da stellen wir dann einen Film drauf, der total hip ist und die Jugend von heute anspricht.“ Dieses Vorhaben, so muss man leider sagen, ist ziemlich missglückt. Die Figur Superjohann ist nicht lustig, sondern einfach nur lächerlich, die wenig einfallsreiche Quintessenz der verkrampft nach Pointen fischenden Story argumentiert: „Wenn Du ein tollpatschiger Nerd bist, mach einfach einen Erste-Hilfe-Kurs, und schon bekommst Du ein Mädchen ab.“ Wer sich mit dieser Botschaft an seine Zielgruppe richtet – laut Johanns Presseinformation die Führerscheinanfänger – dem sollte vielleicht gesagt werden, dass der Mensch auch mit 18 durchaus Geschmack hat und eine schlecht gemachte Kampagne als solche zu erkennen in der Lage ist.

Alles sehr schade eigentlich, denn die Johanniter-Unfall-Hilfe ist an sich eine feine Sache, und auch die Information, dass sie ihre bisher als Frontalunterricht abgehaltenen Erste-Hilfe-Kurse modernisiert, beziehungsweise umstrukturiert hat, nicht uninteressant.


Gute Idee: Kreativ protestieren

Über den kreativen Protest gegen die Pläne des Bundesinnenministers im Internet haben wir bereits berichtet. Jetzt gibt es ein neues Symbol für den Widerstand gegen die Pläne zur Online-Durchsuchung - erstaunlicherweise von der Jugendorganisation der SPD, die mit Wolfgang Schäuble in der Großen Koalition zusammenarbeitet. Unter kreis-jusos.de (via lanu) - laut Impressum "die Internetpräsentation der Jusos im Kreis Herford" - findet sich diese Motiv:


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2 Kommentare

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zitronenmann
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Mag ich Mag ich nicht

0

11.09.2007 - 21:05 Uhr
zitronenmann

"[...] dass der Mensch auch mit 18 durchaus Geschmack hat [...]"

Nein.

Einfach nein.

teffi
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Mag ich Mag ich nicht

0

04.10.2007 - 11:00 Uhr
teffi

Also ich finde, dass solche Äußerungen über Superjohann einfach nicht gerechtfertig sind. Immerhin ist es die Historie, die die Johanniter dazu verleitet, solche Namen zu wählen - sonst würden sie ja auch nicht Johanniter heißen! Zudem geht es in diesem Spot nunmal darum, Jugendliche zu animieren, und gerade so kann man die Jugend von heute dazu bewegen, endlich etwas zu tun! Ich spreche aus Erfahrung, ich gehöre in diese Altersklasse! Und zudem steckt hinter dem Gedanken, eine Freundin über diesen Weg zu finden, ein kleines bisschen Wahrheit! Wie viele Paare haben sich schon so gefunden?
Dementsprechend finde ich diesen Artikel eine bodenlose Frechheit!

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christian-helten unbekannt

christian-helten

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.