31.08.2007 - 19:00 Uhr

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Kritik an den Kritikern: Warum das BildBlog nervt

Text: stefan-winter

Es passiert selten, dass Stefan Niggemeier das in Frage stellt, was er den ganzen Tag so tut. Der Mann, der für Bildblog und sein Privatblog bereits zwei Grimme-Online-Awards bekommen hat, inszeniert sich lieber so, als habe er allein den doofen Deutschen den Segen des Internets gebracht. Heute jedoch scheint Internet-Gott Niggemeier eine menschliche Regung in sich gespürt zu haben.

Anders ist nicht zu erklären, wieso er sich - in Bezug auf seine Arbeit beim Bildblog - Fragen stellt wie: „Wen interessiert das? MSV-Duisburg-Fans? „Titanic”-Leser? Bildblog-Abonnenten? Sie?" Anhand der Geschichte um ein möglicherweise erfundenes Angebot an einen unbekannten Stürmer des ebenso unbekannten MSV Duisburg surft Niggemeier ein paar vermeintliche Quellen (Foren und Wikipedia) im Netz ab, kommt aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis und fragt sich schließlich: „Was mache ich hier eigentlich?“



Das ist eine gute Frage, die zu stellen überfällig ist. Spätestens seit das Bildblog in diesen Tagen begonnen hat, seine Arbeit noch mehr Menschen in Form von TV-Werbespots bekannt zu machen.

Es fing damit an, dass Charlotte Roche bei ihrem Besuch bei Harald Schmidt Anfang 2006 ein Hemdchen trug, das Werbung für das Bildblog machte. Fortan war die tägliche Auswahl und Korrektur aus der Bildzeitung, die Niggemeier und Christoph Schultheis betreiben, im Aufmerksamkeits-Mainstream angekommen. Die etwas klügeren, etwas schlaueren Menschen versammelten sich dort und amüsierten sich darüber, was für ein Schwachsinn wieder in Bild steht. Es dauerte nicht mehr lang bis Kamerateams in Niggemeiers und Schultheis’ Büro einfielen und (meist völlig unkritisch) über die Arbeit der beiden berichteten. Bildblog wurde überall als das deutsche Vorzeigeblog dargestellt und die Journalisten-Blogger dahinter wehrten sich dagegen auch nicht. Warum auch? Schließlich bringt Aufmerksamkeit im Netz auch Einnahmen.

Im Sommer 2005 hatte Stefan Niggemeier auf onlinejournalismus.de erklärt: „Fast vom ersten Tag an bekamen wir Mails mit der Frage, ob wir Unterstützung gebrauchen könnten, Spenden oder so. Als wir dann endlich eine Kontonummer eingerichtet hatten, gaben uns viele Geld.“ Das reichte jedoch nicht, um damit die eigene Arbeit zu finanzieren. Deshalb gibt es bei BildBlog Werbung. Im Gespräch mit medienpiraten.tv erklärt Stefan Niggemeier dazu: „Wir haben festgestellt, dass man schlecht die gängigsten Werbeformen ausschließen kann, wenn man mit Anzeigen tatsächlich die eigene Arbeit finanzieren will.“

Mit seiner eigenen Arbeit Geld zu verdienen, ist ein legitimes Anliegen. Mit liegt es fern das zu kritisieren. Dennoch fallen mir in der Darstellung des BildBlogs zwei Dinge auf:

Wenn Stefan Niggemeier das Bildblog als seine Arbeit bezeichnet und davon leben will, heißt das: Er lebt (zumindest indirekt) von dem Dreck, den die Bildzeitung täglich verbreitet. Für jemanden mit seinem moralischen Standard, finde ich das zumindest fragwürdig.

Doch anstatt darüber zu schreiben, werden Niggemeier und BildBlog von Blogosphäre und klassischen Medien in (ungewohnter) Eintracht hofiert: Überall wird unkritisch vermeldet, dass Bildblog jetzt TV-Werbung macht. Das ist vielleicht interessant, aber Bildblog arbeitet nicht ehrenamtlich oder für den guten Zweck, sondern aus einem kommerziellen Interesse.

Lediglich tinzis Blog war nicht einverstanden damit und schrieb: „Lieber Herr Niggemeier, jetzt geht es aber wirklich komplett in die falsche Richtung.“ Ich kenne tinzi nicht, stimme aber zu.

Allein schon, weil mir Dinge suspekt sind, die alle unreflektiert gut finden.


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kharmapolizei
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Mag ich Mag ich nicht

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31.08.2007 - 19:35 Uhr
kharmapolizei

ein reflektierter standpunkt ist DAS aber auch nicht.
sicher muss man sich fragen, ob an einem einhellig gefeierten medienphänonem wie bildblog nicht irgendwas faul ist. sicher macht das skeptisch. und als reflex ist das auch sehr gesund.
aber als schlusssatz, ich würde sogar sagen: leitgedanke eines ganzen artikels ist das SEHR dünn.

zumal die meisten deiner punkte eher... schwach sind.
du unterschlägst, dass die recherche über wikipedia und foren hinausging; dass foren und wikipedia (wenn man den urheber eines internetgerüchts sucht) ziemlich gute quellen sein können; und, dass es eben KEINEN bildblog-eintrag dazu gibt. wohl aus guten gründen.
und tinzis kommentar: geschenkt. leuten einen strick daraus zu drehen, mit den 'falschen' leuten zusammen zu arbeiten, was tinzi wiederum ausschließlich an seinem persönlichen geschmack fest macht.
und das zitat zum geld ist... nun, vieldeutig.

das ist umso seltsamer, als es ja tatsächlich genug punkte gibt, die am bildblog (z.t. erst mittlerweile) nerven können, sogar sehr. die beckmesserische art, mit der zunehmend immer irrelevantere themen zerpflückt werden zum beispiel.
oder immer wiederkehrende beiträge, die die ganze schlechtigkeit nochmal zusammen tragen - für die, die's nicht gemerkt haben? na danke.

das wären z.b. punkte gewesen. INHALTLICHE.

solefald
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Mag ich Mag ich nicht

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31.08.2007 - 19:59 Uhr
solefald

Hm da Stefan Niggemeyer ja schon öfters die SZ für ihr mangelhaftes Umgehen mit Blogs, Internetrecherchen und ähnliches kritisiert hat, ist das hier wohl die Rache oder ein peinlicher Versuch mal den Spieß umzudrehen.
Sorry, aber wenn die SZ selber so reflektiert sich mit der Bild auseinandersetzen würde, das wär mal was gutes und nicht einfach die Bild nachschreiben oder deren menschenverachtende und unjournalistisches Vorgehen zu ignorieren.
Vielleicht nimmt sich der BB etwas wichtig(der gute ) Tv Spot müßte nicht sein, aber man kann schon froh sein daß es ihn gibt

stefan-winter
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31.08.2007 - 20:12 Uhr
stefan-winter

@solefad: Ich wusste, dass diese Argument kommt. Deshalb: Ich bin nicht die SZ und wie Niggemeier mit der SZ umspringt ist mir auch egal.

Was die Berichterstattung über BILD in der Süddeutschen angeht, solltest Du mal diesen Text von Hans Leyendecker lesen

http://www.sueddeutsche.de/kultur/artike...

@kharma: Der Schlusssatz ist nicht der Leitgedanke des Textes

CommodoreSchmidtlepp
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31.08.2007 - 20:16 Uhr
CommodoreSchmidtlepp

Herr Winter,

setzen sechs.

Die Bildzeitung ist, das hat schon Max Goldt vollkommen richtig erkannt, ein Organ der Niedertracht, jeder Widerstand egal welcher Form gegen diese Ausgeburt viel zu vieler Journalistenschulen ist legitim.

Sie Herr Winter gehören in einen Castor gesteckt und an einen sicheren Ort transportiert, ohne Internetanschluss, damit von ihrem Machwerk und Ihren verqueren Ansichten keine Gefahr mehr ausgehen kann...

Und Ihr, jetzt.de, die Ihr euch für einen Dirnenlohn an den Meistbietenden verschachert solltet nicht mit Kommerz oder sonst irgendwas anfangen, das glaubt man Euch eh nicht.


Cheers!

Der Commodore

berlinoid
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31.08.2007 - 20:49 Uhr
berlinoid

Kommerzielles Interesse und Weltverbesserung. Wo ist denn da bitte der Widerspruch? Du lebst wohl in den 80ern?
Und Herrn Niggemeier sein Existenzrecht abzusprechen, nur weil es nicht ausreichend Spendengenlder und keine staatliche Förderung für dringend nötige Medienkritik gibt ist ziemlich daneben.
Man darf jetzt also nur noch in seiner Freizeit Gutes tun?
Und nenne mir doch bitte eine Anti-Organisation die nicht von dem Dreck lebt, den sie am liebsten ein für alle mal beseitigen würde!
Was wäre Greenpeace ohne Umweltsünder, AI ohne Menschenrechtsverletzungen und die Antifa ohne Nazis?
Aber am schlimmsten sind ja die Müllmänner:
Die machen unseren Dreck weg, aus rein kommerziellem Interesse.
Orangene Kapiralistenschweine, die!

joni
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31.08.2007 - 21:10 Uhr
joni

@alle diese organisationen wären natürlich nutzlos, aber wir wären etwas glücklichere menschen ;)

kikuju
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31.08.2007 - 21:36 Uhr
kikuju

stefan, es sprengt ürbigens die sprechblasen, wenn der link zu lang ist. dann kann man leider nicht mehr lesen, was so geschrieben wurde.
irgendwie doof, ne?

farilari
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31.08.2007 - 22:09 Uhr
farilari

ich wollte gerade schreiben, selten bescheuert argumentiert, aber dann fiel mir ein, dass die redaktion von jetzt.de in der regel so bescheuert argumentiert. der eigentlich zentrale kritikpunkt ist, dass er die arbeit aus kommerziellem interesse macht.

er will vom bildblog leben, braucht also bild, die er kritisiert, um leben zu können. paradox, nicht wahr? und zutiefst unmoralisch. toll wäre es doch, wenn er entweder reich geerbt hätte, oder in einer einfachen hütte hausen würde und voller idealismus arbeiten würde. (so wie die jetzt.de redaktion, bestimmt!)

wieviele berufe bräuchten wir nicht, wenn es das, was sie "bekämpfen", nicht geben würde? Polizei, die Verbrechen bekämpft; viele Richter, die Verbrecher bestrafen; etc. etc. und ein großteil der schreibenden zunft schreibt doch nur gegen die konkurrenz.

übrigens wäre es ja falsch zu meinen, dass es besser wäre, wenn es bild nicht mehr geben würde. es braucht in diesem land einfach beides, und beides sollte ermöglichen, geld zu verdienen.

ich wiederhole, was berlinoid sagte.

wiedemauchsei
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31.08.2007 - 22:23 Uhr
wiedemauchsei

aha.

solefald
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Mag ich Mag ich nicht

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31.08.2007 - 22:49 Uhr
solefald

okay Stefan, da hab ich vielleicht etwas zu sehr alles über denselben kamm geschorren, sorry. Aber Danke für den Link.
Auch wenn der BildBlog vielleicht manchmal zusehr auf Gutmenschtum macht und sich irgendwie finanzieren muss, glaub ich mal nicht daß Stefan Niggemayer und seine Mitarbeiter vom BildBlog leben und sich finanzieren.
Der Gute Zweck, der aber leider Geld kostet ist meinem Gefühl nach schon gegeben. Mir kommts nicht vor daß journalistische Aufbereitung von Bildlügen eine Marktlücke ist wofür Menschen Geld zahlen(und andere reich werden wollen.)
Es zahlen vielleicht Unternehmen die den BB-Lesers Werbung anbieten wollen. Und die Werbung ist ja freiwillig.
Sonst wär schon seit 2004 mit großem Tamtam und Werbung der Blog gestartet und mit viralem Marketing und was weiß ich.
Laß die doch machen. Die werden schon keine Millionäre damit.

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