06.09.2007 - 19:00 Uhr

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Die Fernfahrer-Kolumne Teil 4 - Karpatenhunde und bulgarische Frauen

Text: moritz-baumstieger

Moritz Baumstieger hat gerade Magister gemacht. Jetzt fährt er mit einem alten VW-Bus von Köln nach Kairo. Jede Woche berichtet er darüber hier bei Jetzt.de. Heute: Über die Karpaten, durch Bulgarien, nach Istanbul.

Woche drei Nach Deutschlandslowakeiösterreichungarn: Länder fünf, sechs und sieben. Noch mal Rumänien, dann Bulgarien, Türkei. Zunächst Besuch bei Dracula in Sighişoara. Der war aber nicht zu Hause, auf seiner Burg fand stattdessen „Pro Etnica 2007“ statt, ein Festival der rumänischen Minderheiten. Dort haben wir: - entdeckt, dass ein altes siebenbürgisches Volkslied perfekt auf den altbayerischen Text „Riddedi, Riddedi, morgen ham mir Schädelweh“ passt, - den Rumänen das Tanzen beigebracht, - viele tolle Trachten bewundert, - noch tolleren Jahrmarkt-Kitsch nicht gekauft, - Ohrenweh bekommen, als die Rumäninnen doch getanzt haben: Sie schreien dabei sehr laut. Tagsüber hat Fotografen-Patrick sich von zwölf Gipsy-Kindern und deren Vater das Auto ausräumen lassen, als er echtes, ursprüngliches rumänisches Leben fotografieren wollte. Weil die Diebe aber genau so ungeschickt waren wie Patrick, hat er alles Diebesgut wieder zurückklauen können. Einer unserer rumänischen Campingplatz-Nachbarn nahm das zum Anlass, uns etwas über das Gispy-Problem Rumäniens zu erzählen: „What we would need is a little Hitler.“ Hm. Seine Freunde waren anderer Meinung, was bei Schnaps aus der Plastikflasche besprochen wurde. Der Wächter des Platzes schaute dabei zensierten Hardcore-Porno im rumänischen Fernsehen. Wenn er einmal vom Backgammon-Brett aufblickte. Weil mich die Zigarettenmarke „Carparti“ auf den Geschmack gebracht hatte: Ab in die Berge. So hoch und schroff wie die Alpen, leider auch genau so kalt. Um uns aufzuwärmen, tollten wir vier Karparten-Hunde bei Sonnenaufgang auf einem Gipfel. Noch kälter da, aber noch besserer Ausblick.
Karpatenhunde. Foto: Patrick Desbrosses In den nächsten Tagen: 0 Fische trotz fleißigem Angeln gefangen. 1 Mal noch die Haare schneiden lassen, ist doch zu schnell verfilzt und verfettet, die Matte. Jetzt praktische Camping-Kurzhaarfrisur. 3 Umrechnungskurse durcheinander gebracht: Lej, Lewa, Lira. Puh. 2,5 Liter fürchterliches Bier wird hier in großen Plastikflaschen verkauft. 5 Kilo Muscheln im Selbstbedienungsladen Schwarzes Meer gepflückt. 9 Mal beim Muschelputzen in die Hand geschnitzt. 12 Kilo Staub und Sand aus Bus und Kleidern geklopft. Nützt aber nichts, wir bräuchten eine Wäscherei. 28 Mal in Bukarest Beifall gehupt bekommen, weil wir so rumänisch Auto gefahren sind. 56 Dezibel laut zirpende Grillen gehört. Was ein Krach. 213 Quallen beim Schnorcheln getroffen. Brennen aber gar nicht. 746 Gramm Eis auf eine Waffel gepackt bekommen. Wird in Bulgarien nach Gewicht verkauft, macht in dieser Menge ein wenig übel. 900 Kilometer Bus gefahren. Macht er brav, doch jetzt klappert der Auspuff. Erst Mal ignorieren.
Lecker Schwarzmeermuscheln. Foto: Patrick Desbrosses
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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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