30.08.2007 - 19:00 Uhr

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Von Köln nach Kairo: Die Fernfahrer-Kolumne Teil 3 - Rumänien für Anfänger

Text: moritz-baumstieger

Moritz Baumstieger hat gerade Magister gemacht. Jetzt fährt er mit einem alten VW-Bus von Köln nach Kairo. Jede Woche berichtet er darüber hier bei Jetzt.de. Teil 3: Durch Rumänien, das bessere Italien

Rumänien! Toll! Toll! Tolltolltoll! Wenn es am Schwarzen Meer auch so schön wie hier in Transsylvanien ist, dann ist Rumänien eindeutig das bessere Italien. Scusi, Italia.. Zunächst braucht es aber etwas Zeit zur Eingewöhnung. Das Land ist arm, das sieht man. Die Preise ein Drittel derer in Deutschland, die Löhne höchstens ein Zehntel. Kann man da als reicher Wessi einfach so durchfahren und sich das angucken? Das Ganze am Ende noch teilweise romantisch finden? Das Ergebnis meiner Grübelei: Kann man. Erstens ist es besser zu wissen, wie Leute nur einige Hundert Kilometer von Deutschland entfernt leben. Und zweitens ist es besser, hier seine Euros auszugeben, als sie an der Côte d´Azur irgendeinem Eisdielen-Millionär in den Pastis zu rühren.
Rumänien für Anfänger. Foto: Patrick Desbrosses Dann gilt es noch am eigenen Mißtrauen zu arbeiten. Denn ganz ehrlich: Völlig frei an Vorurteilen ist man nicht, auch wenn man es gerne wäre. Die Bettelkids und ihre immer nur schweigend knienden Eltern, die die deutschen Fußgängerzonen bevölkern, die ganzen Warnhinweise – Taschendiebe, Autoknacker, Überfaller – sie alle sitzen zunächst hartnäckig im Hinterkopf und rufen zusammen mit dem alten Zimmermann von „XY ungelöst“: „Achtung! Nepper, Schlepper Bauernfänger!“ Hat man dann aber Gefallen an dem Gedanken gefunden, dass die Rumänen nicht ständig Dreckwäsche und Tütensuppen aus dem Bus rauben wollen, ist das Land – wie gesagt: Toll! Toll! Tolltolltoll! Das Budapest-Problem, nur anderen Touristen hinterher zu laufen, haben wir gelöst, indem wir einfach keinen Reiseführer gekauft haben. Das funktioniert sehr gut, wäre aber eigentlich überflüssig gewesen: Hier gibt es sowieso keine Touristen. Komisch eigentlich, denn in Rumänien kann man: - Zusehen, wie sich Frauen ihr Erdbeer-Eis aus dem Bart streichen. Genau so, wie das früher der schnauzbärtige Mann immer in der Weißbier-Werbung gemacht hat. - Auch mit 57 PS überholen. Viele Fuhrwerke haben nämlich genau 56 weniger. - Viel Einkaufen für wenig Geld. Gute Hüte zum Beispiel. Wegen meinem schicken Stroh-Hut und vielleicht auch wegen den nach drei Wild-Camping-Nächten sehr fettig gewordenen Haaren werde ich oft für einen Rumänen gehalten. Das schmeichelt mir sehr, ich nehme die Ehre gerne an.
Rumänisches Hobby: Heiraten. Foto: Patrick Desbrosses Meine neuen Landsleute scheinen im Allgemeinen zwei Hobbys zu haben: Das eine ist das Heiraten. Samstags ist es fast unmöglich, einen Platz in einem Restaurant zu finden. Vor den Kirchen stehen bis zu vier Hochzeitsgesellschaften, die leicht genervt warten, dass der Pfarrer das Paar drinnen schneller abfertigt. Vielleicht lassen sich die Rumänen unter der Woche wieder scheiden, um am Wochenende wieder zu Heiraten. Wie sie sonst diese Masse an Vermählungen zustande bringen, ist mir ein Rätsel. Das andere Hobby ist der Kirchenbau. In fast jedem Dorf steht eine nagelneue Kirche. Oder eine, die nicht ganz fertig geworden ist, weil leider das Geld ausgegangen ist. Während der Regierungszeit Ceauşescus wurden sehr viele Kirchen zerstört, daher wohl der religiöse Nachholbedarf.
Viel Beistand von oben. Foto: Patrick Desbrosses Kurzer Einschub statt guter Überleitung: Tolle Zigarettenmarken, die ich bisher geraucht habe: - Fönix - Mustang - Bond - Assos - Country - Tresor - Melnik - Und am allerbesten: Carpati. Mit Bergen und einem Hirsch auf der Packung. Die müssen gesund sein.
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moritz-baumstieger

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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