Von Köln nach Kairo: Die Fernfahrer-Kolumne Teil 2
Moritz Baumstieger hat gerade Magister gemacht. Jetzt fährt er mit einem alten VW-Bus von Köln nach Kairo. Jede Woche berichtet er darüber hier bei Jetzt.de. Teil 2: Übers langweilige Österreich und salzige Zander.
Das Schwierigste am Verreisen ist das Losfahren. Abfahrt für Mittwoch geplant, doch die Pässe liegen immer noch bei der syrischen Botschaft. Da liegen sie schon lange. Aber genau einen Tag, nachdem eine neue Gebührenordnung in Kraft getreten ist, kommt ein Anruf: Bitte noch einmal Nachzahlen. Na gut, Abfahrt auf Donnerstag verschoben. Donnerstag: Wenigstens ein Pass da. Freitag: Zwei Pässe da, einer mit einem falschen Visum. Mit dem kann man nach Syrien hinein , aber dort nur drei Tage bleiben. Samstag: Ali, der Briefträger, wird um halb acht in der Früh im Postamt genötigt, das Einschreiben mit dem dritten Pass sofort rauszurücken. Macht er auch brav, aber in Pass drei ist auch das falsche Visum drin. Egal. Das muss unterwegs irgendwie geregelt werden. Los geht’s. An sich aber gar nicht schlecht, diese Verzögerungen. Genug Zeit, die To-Do-Listen abzuarbeiten. Sehr, sehr kleiner Auszug: - vom Schreiner-Bruder ein Regal zimmern lassen, in den Bus einbauen - Rückbank für den Bus kaufen - die Damen wollen Sicherheitsgurte. Hat die Bank nicht. Also: zurückbringen, neue kaufen - neue Rückbank einbauen - dafür: Löcher in den Bus bohren, Sachen wegflexen. Boah, ey! - der Sparkatze eine Kreditkarte abschwätzen - Kassetten machen - in Köln ausziehen - Freunde, Verwandte und Bekannte beruhigen und Verabschieden (20 mal) - unter Protest den Strassen-Bürokraten vom ADAC beitreten - Keilriemen wechseln lassen - vorsorglich noch mal betrinken (Islamische Länder!) - Lederhose mitnehmen? - von Papi eine Reiseapotheke mit abgelaufenen Medikamenten zusammenstellen lassen - Impfen (und danach dem Spatzerl die blauen Flecken streicheln) - TAN-Nummern im Internetz verstecken - Sachen packen - Testament schreiben - sofort wieder zerreißen, diesem theatralischen Mist - Baumarkt: Dieselkanister, Moskitonetz, Wasserkanister - Kolumne schreiben - Neue Reifen - Kolumne wirklich schreiben! Zwischen drin noch: Geburtstag feiern. Ich kriege nix, dafür bekommt der gute, graue Bus: Eine stinkende Südstaatenflagge für den Rückspiegel, einen Wackeldackel, einen Mini-Maßkrug für den Rückspiegel, ein Mini-60er-Trikot. Mit all diesem Zeug im Bus und einem gesunden Kater in Kopf und Bauch geht es dann endlich los. Erst durch ganz Österreich, was ein bisschen langweilig ist, weil es dort nur regnetregnetregnet. Hinter Wien jedoch große Freude: Die erste Wette ist gewonnen. Böse Menschen haben dem Bus nicht zugetraut, weiter zu kommen. Kommt er doch.

- Fernfahrer-Kolumne (X): Servus Fuchsschwanz - hallo Kairo! 17.10.2007
- Fernfahrer-Kolumne (IX): Grenzverkehr mit der schönen Frau Chen (für viel Geld) 10.10.2007
- Fernfahrer-Kolumne (VIII): Disko Ramadan - Toter Mann am Toten Meer 03.10.2007
- Fernfahrer-Kolumne (VII) : Bei den lieben Terroristen auf der Achse des Bösen 26.09.2007
- Fernfahrerkolumne (VI): Durchs wilde Winnetouistan 19.09.2007
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
weiterhin: toitoitoi ;)
liebe grüße aus dem rosa zimmer und gute weiterreise.








0
23.08.2007 - 19:45 Uhr
guilianna
dabei isses doch da gar nicht so dunkel. in finnland wird ja immer behauptet, es läge an der monatelangen dunkelheit...