Die unerträglichste Sendung im TV: Das Model und der Freak
Wie Pro7 mit einer merkwürdigen Ratgeber-Sendung die Art und Weise verändert, wie man über die Liebe denkt
Vielleicht meinte sie es anfangs ja tatsächlich gut: Sie schickten sehnige Typen los, die erklärten, wie man sich gesund ernährt und dicke Frauen, die zeigten, wie man aus wirklich jeder Wohnung eine langweilige Standard-Behausung „dekorieren“ kann. Sie schlichteten Nachbarschaftsstreit und zeigten dicken Kindern, dass man beim Radfahren schwitzt. Auf allen Kanälen verbreiteten sie ihre bunt verpackten Gemeinplätze als Expertenwissen. Wer vorher nicht wusste, dass man eine 6er Schraube in einen 6er Dübel dreht, hätte dies auch beim Azubi im Baumarkt erfragen können. Das Fernsehen macht daraus aber ein Erfolgsformat: Die Beratungs-Sendung. Gemeinsam ist ihnen allen – auf RTL wie Pro7, Sat1 oder Vox – sie basieren auf einem vermeintlichen Fachwissen, das laut von sich behauptet, objektiv und verpflichtend zu sein: „Das macht man so“, sickert es aus jeder dieser Sendungen in die Wohnzimmer des Landes. So normiert man den Geschmack und sorgt für Aufschwung: Die wirtschaftliche Belebung, die Deutschland aktuell erfasst hat, ist vermutlich einzig und allein Tine Wittler und ihrer Ansicht zu verdanken, in einer „dekorierten“ Wohnung müsse mindestens eine Wand in ocker oder violett gestrichen sein. Die Hersteller bunter Wandfarbe sollten jedenfalls nach all dem Dekorieren im TV einen wahren Boom erfahren haben: Gelbes Kinderzimmer? Das macht man so.
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alles so lassen wie es ist, weil so ein computernerd in seiner jungfräulichkeit ja sowas pittoreskes hat, ist jedenfalls auch nicht der richtige weg.
ist es an sich nicht viel unerträglicher und beschränkter, dass diese "freaks" sich so vorführen lassen.
und die beschränktheit der models steht vielleicht auch einfach nur im drehbuch und wenn nicht machen sie damit immerhin gutes geld.
morgen bitte in der sz erscheinen lassen, danke.
vor ein paar tagen hab ichs wie gesagt schon geschrieben, es ist meine absolute lieblingssendung. sie ist vielleicht nicht in erster linie ein machwerk für adorno-rezipienten, aber doch mit das beste, was ich je im deutschen fernsehen gesehen habe.
und es stimmt eben nicht, dass da alle über einen leisten gezogen werden. die betreuung ist doch ziemlich individuell und das styling hat schon halbe wunder vollbracht. leider ist das manchmal so wirksam, als würde man von einer ladung sprengstoff den warnhinweis entfernen.
der peinlichkeitsfaktor ist immer gegeben, wenn leute ihre unzulänglichkeiten in die öffentlichkeit tragen. was mich aber wundert ist, dass alle, wirklich alle, inklusive den vielen spöttern aus dem feuilleton, wirklich sofort wissen, von welcher sendung hier die rede ist.
ich liebe diese sendung und ich stehe dazu ;)
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15.08.2007 - 19:34 Uhr
uther_the_puter