Im Netz nichts Neues: Deutsche Weblogs bewegen weniger, als man denkt
Erwartungen nicht erfüllt und weit abgeschlagen - Im internationalen Vergleich bleiben Deutschlands Weblogs hinter ihrem Potential zurück. Ein Einblick in geschlossene Gesellschaften und irrelevantes Geschwätz, das niemand liest
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irgendwie waere es schon, wenn man beim tippen einen cursor zu sehen bekaeme. oder liegt das an meinem system?
zum artikel: das bloggen wurde und wird extrem gehypt. im endeffekt ist ein blog nichts anderes als eine leicht zu aktualisierende private homepage. und die privaten - meist statischen - homepages sind ebenfalls irrelevant gewesen. das entscheidende moment bei blogs ist die vernetzung. blogsysteme wie bsp. wordpress vernetzen sich schon automatisch, tragen sich bei den suchmaschinen etc. ein. die seiten werden also besser erreichbar.
auf die inhalte hat das natuerlich keine auswirkungen.
streetpussycat moechte ich darauf aufmerksam machen, dass auch ihre eigene seite, wie alle jetzt.de seiten, ein blog darstellt. ein kurzer streifzug durch den kosmos macht deutlich, dass auch hier die irrelevanz herrscht. relevant sind die eintragungen meist nur fuer den blogger und seinen freundeskreis - mit einigen ausnahmen. man muss sich halt die perlen herauspicken.
das schreiben eines brauchbaren artikels kostet viel zeit: recherche, das schreiben selbst, die korrektur etc. hier auf jetzt.de setzt man sich eben hin und rotzt 3000zeichen in 20min raus, drueckt auf speichern und hofft darauf, dass es jemanden interessiert. das hat mit journalismus nichts zu tun - ist ja auch nicht die zielsetzung von jetzt.de - und gilt auch fuer die meisten anderen blogs.
einen gegenoeffentlichkeit stellen blogs in deutschland wirklich nicht dar.
hübsch belangloser artikel für die ablage "journalist braucht selbstbestätigung".
der erste denkfehler ist ja schon die annahme, blogger wollten journalisten sein. und das rauspicken vermeintlich irrelevanter blogeinträge geht ja umgedreht auch. ich könnte genau denselben artikel über die verflachung von journalismus schreiben und zum beweis irgendwelche füll-artikel aus den diversen panorama-ressort anbringen.
wenn der zitierte "kommunikationswissenschaftler" den bloggern erklärt, was die machen müssten, damit sie seinen kriterien entsprächen, nach denen er sie beurteilt, dann könnte es wahrscheinlich sein, daß diese kriterien nicht dieselben sind, die die blogger ansetzen. ich denke, der gute mann hat einfach keine ahnung, warum blogger bloggen.
um das herauszufinden muss man eigentlich kein superjournalist sein. herr boie allerdings hat offenbar nichtmal die fähigkeit, einen objektiven blickwinkel auf die "studie" einzunehmen vor lauter freude, sich mal wieder ein kleines bisschen wichtiger zu fühlen.
der obige artikel ist ein eintrag aus einem bestenfalls öffentlich einsehbaren und dennoch private geführten Tagebuch dem jegliche gesellschaftliche relevanz fehlt.
aber im ernst:
egal ob der obige artikel als blogeintrag auf jetzt.de erscheint, oder in der süddeutschen ... er ist im höchsten grade sinnfrei.
der aufhänger ist die "gesellschaftliche relevanz". dieses phantom wird jedoch an keiner stelle definiert.
meines erachtens ist das ohnehin nur ein konstrukt um die GEZ und ähnliche veralterte strukturen zu rechtfertigen.
gibt es "die gesellschaft" überhaupt, und wer darf sich anmaßen zu bestimmen was für sie relevant ist? der journalist als agenda-setter, die presse als vierte macht im staate? diese machtphantasien gehören hoffentlich bald der vergangeheit an, und der berufsstand der meinungspolizei zu der johannes boie sich bekennt ebenso.
das thema "geschlossene gesellschaften und irrelevantes geschwätz" betrifft außerdem beileibe nicht nur die blogs.
das von den journalisten gerne als "unterschichten-fernsehen" diffamierte tv-programm folgt dem trend der herausbildung einer geschlossenen gesellschaft ebenso, wie die oberschichten-presse.
und der witz mit dem w-lan ist durchaus relevant. er zeigt daß auch blogger mal das haus verlassen müssen, und sei es nur für einen haarschnitt. und daß sie darüber bloggen. und daß andere darüber bloggen daß darüber gebloggt wurde. weil es für sie relevant ist.
@einweganmeldung: jan schmidt weiß schon wovon er spricht (studie: wie ich blogge?!)...aber jedes zitat kann man aus dem zusammenhang reißen und umdeuten ;). das klischee vom wissenschaftler der misstrauisch beäugt wovon er gar nichts wissen will trifft jedenfalls nicht zu.
die blogger vs journalistendebatte finde ich dumm. beide seiten rufen ständig " ihh mit denen will ich nich spielen" und heimlich tun sie es dann doch.
ich lese blogs aus spaß, interesse an nischenthemen und als inspiration. sie sind kein ersatz für die traditionellen medien, aber sie sind für _mich_ trotzdem relevant.
Ich betreibe selbst ein Weblog und habe ganz sicher nicht den Anspruch, eine Alternative zu den "etablierten Medien" sein.
Warum nicht? Die "etablierten Medien" und dazu zählt der Autor wohl die SZ beschäftigt sich gar nicht mit den Themen, um die es in meinem Weblog geht.
Und was das Thema gesellschaftliche Relevanz angeht. Wenn die "etablierten Medien" wie z.B. die SZ sich mit Themen von gesellschaftlicher Relevanz beschäftigen und dann erscheint da plötzlich ein Artikel über Weblogs, dann ist das doch ein sicheres Zeichen dafür, dass Weblogs gesellschaftlich relevant geworden sind, oder? Ansonsten stimmt die Argumentation ja nicht mehr.
Bevor Sie Artikel über das Web schreiben sollten Sie es wenigsten ein bisschen verstanden haben. Dazu gehört auch (oder mindestens), dass man Links an entsprechenden Stellen setzt (*seufz*).
[Irgendwann muss ich mal meinen Nickname hier in JanSchmidt ändern. Bis dahin der disclaimer: Ich werde im Artikel zitiert. :)]
Ich habe mir den Artikel nach dem ganzen Trubel in der Blogosphäre nochmal durchgelesen - das Problem ist glaube ich, dass einerseits die USA mit ihren politisch relativ einflussreichen Blogs als Maßstab für "relevantes Bloggen" hingestellt werden, dass man aber andererseits in der USA auch genau die gleichen Beispiele für "irrelevante Inhalte" finden könnte, die hier als Aufhänger auftauchen. Wie einige Vorredner schon bemerkt haben, findet man in Blogs halt jede Menge Dinge, die keinen Anspruch auf gesellschaftsweite Relevanz erheben, aber trotzdem relevant sind: Für die Autoren und ihre Leser, ob das nun 5 oder 50 oder 500 sind. Die strikte Gegenüberstellung von Journalismus und Blogs macht aus meiner Sicht nicht wirklich viel Sinn; beide Bereiche ergänzen sich viel eher.
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