12.08.2007 - 19:00 Uhr

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Prof. Brandenburg über Musik und Innovation im Internet

Text: dirk-vongehlen

Seine Forschungen ermöglichten die Komprimierung von Audiodateien zum bekannten MP3-Format. Heute leitet Prof. Karlheinz Brandenburg, einer der Erfinder des MP3-Formats, das Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau.

Sie gelten als Experte für Innovationen. Derzeit wird unter dem Schlagwort des Web2.0 wieder viel über Neuheiten gesprochen. Glauben Sie, dass es schon wieder eine neue Internet-Blase gibt? Das Wort von der neuen Blase habe ich in den USA schon vor einem halben Jahr gehört. Einfach wegen der hohen Bewertung mancher Ideen. Andererseits ist mein Eindruck, dass es die Start-Ups in Deutschland nach wie vor sehr schwer haben, eine Finanzierung zu bekommen. Da kann ich keinen Hype erkennen. Es ist eher so, dass die Leute doppelt misstrauisch hinschauen. Obwohl wir gesehen haben, dass sogar aus der großen Euphorie von vor zehn Jahren ein paar profitable Firmen entstanden sind. Wie wird diese Entwicklung des Internets und der Medien weitergehen? Wird es in 15 Jahren noch Zeitungen geben? Zeitungen schon. Ich denke aber, dass sich in Hörfunk und Fernsehen erheblich was ändern wird. Ob das in 15 Jahren schon so sein wird, ist schwer zu sagen. Dabei geht es nicht nur um technischen Entwicklungen, sondern auch um juristische Fragen und um Geschäftsmodelle. Aber wenn wir uns anschauen, was technisch passiert, sehen wir, dass es immer neue Übertragungsmöglichkeiten gibt. Ich glaube aber nicht, dass die Nutzer jedes Jahr zwei neue Abkürzungen lernen wollen. Ich glaube auch nicht, dass die Zuschauer sich neben jeden Fernseher einen Turm von drei oder vier Settop-Boxen stellen wollen. Deshalb werden wir da einen Trend zu Standards einerseits und zu Service andererseits sehen. Damit meine ich, dass ich Unterhaltung, Filme, Nachrichten auf unterschiedlichen Wegen bekommen kann, die ich auf mich anpassen kann. Der Zuschauer bestimmt selbst? Richtig. Er will aber nicht fließig sein, und alles extra anklicken. Und er will auch nicht gelangweilt werden und alles nur auf eine Art angucken oder anhören, sondern das jeweils anpassen können. Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der aktuell eine tolle Idee für eine Web-Anwendung hat: Soll er auf die Idee setzen oder soll er lieber abwarten? Ich würde ihn auf jeden Fall ermuntern. Es gibt viele gute Ideen und viel zu wenige werden umgesetzt. Natürlich gilt da immer: Begeisterung ist notwendig, sie reicht aber nicht aus. Man muss sich die richtigen Partner suchen, man muss die Ideen mit anderen besprechen und man muss Leute zu finden, die investieren. Ich würde aber auf jeden Fall dazu raten, sich das genauer zu überlegen.
Prof. Brandenburg wird Anfang September auf der Konferenz Media in Transition in München sprechen. jetzt.de verlost unter allen, die bis Mittwoch 15. August 12 Uhr eine Mail an info@jetzt.de schicken, zwei Tickets für die Veranstaltung. Für alle anderen stehen auch 30 Studententickets zur Verfügung (199.- Euro zzgl. Mwst für einen 2 Tagespass und 129.- zzgl. Mwst. für einen Tag) Mehr zum Thema gibt es in der Liste der 25 wichtigsten Startups, die jetzt.de zusammengestellt hat. Außerdem in der Übersicht zum Themenschwerpunkt Urheberrecht.
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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.