Prof. Brandenburg über Musik und Innovation im Internet
Seine Forschungen ermöglichten die Komprimierung von Audiodateien zum bekannten MP3-Format. Heute leitet Prof. Karlheinz Brandenburg, einer der Erfinder des MP3-Formats, das Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau.
Wir müssen Sie das fragen: Welchen MP3-Playern nutzen Sie?Ich habe mittlerweile eine ganze Sammlung. Aber am liebsten verwende ich aktuell einen acht Gigabyte iPod-Nano der neuen Generation, aber das wechselt immer wieder.
Und was hören Sie?
Eine bunte Mischung aus Pop und Rock und ziemlich viele Klassik.

Die Zeit hat mal geschrieben: „MP3 machte die Musikindustrie arm und Brandenburg berühmt.“
Mein Verhältnis zur Musikindustrie ist gut. Wir haben schon sehr frühzeitig den Kontakt zur Musikindustrie gesucht. Ich bin zum Beispiel im Sommer 1997 in Washington bei der RIAA (Recording Industry Association of America) gewesen. Damals gingen die Dinge gerade los und ich hatte das Gefühl, die Bemühungen sind uns hoch angerechnet worden. Das heißt aber nicht, dass ich alles für gut befinde, was derzeit von den Labels gemacht wird.
Wie beurteilen Sie die Situation?
Ich sehe die Ankündigung, MP3s auch ohne Kopierschutz verkaufen zu wollen, als etwas sehr Positives. Es war wie von uns vorausgesagt ein schwerer Fehler, dass es der Musikindustrie nicht gelungen ist, einen technisch interoperablen Standard durchzusetzen.
Das müssen Sie erklären.
Das heutige Problem ist, dass ich Musik, die ich z.B. bei iTunes kaufe, nur auf Apple-Playern abspielen kann. Gleiches gilt auch für andere Läden im Netz. Es gibt keine Möglichkeit, Musik auf unterschiedlichen Playern zu spielen. Wenn ich mehrere Rechner habe, ist das ebenfalls sehr kompliziert. Im Sinne der Kundenfreundlichkeit wäre es besser, wenn es einen Standard gäbe, der sicherstellt, dass Musik überall läuft.
Können Sie eine Prognose abgeben, wie sich dieses Problem sich in den kommenden Jahren entwickeln wird?
Das ist ganz schwer vorherzusagen, weil massive Interessen dahinter stecken. Andererseits gibt es das Problem mit der Nutzbarkeit und dass die Kunden heute bestimmte Dinge erwarten, die sie mit Musik tun können, die oft nicht zusammen passen mit dem, was die Rechte-Eigner denken, dass die Kunden mit der Musik tun sollen. Das ist ein Kampf, der einerseits politisch über die Urheberrechts-Gesetzgebung ausgefochten wird und mit Geschäftsmodellen andererseits.
Haben Sie eine persönliche Präferenz?
Es würde mich aber freuen, wenn wir zu einem Modell kämen, das entweder gar keinen Kopierschutz verwendet oder einen, das so funktioniert, dass der Kunde, der sich im Rahmen der Gesetze bewegt, keine Einschränkung in seiner Nutzung hat. Besser fürs Geschäft wäre es meines Erachtens in jedem Fall, wenn es lockerer gehandhabt würde.
Lies auf der nächsten Seite, wie Prof. Brandenburg die aktuelle Debatte ums Web 2.0 einschätzt und wie du Tickets für die Konferenz Media in Transition in München gewinnen kannst, auf der Prof. Brandenburg auch sprechen wird.
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