Mädchen, warum haltet ihr euch einen schwulen Freund?
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
Vielleicht bin ich ja ein wenig altmodisch. Aber, das hast du richtig erkannt, meine Freundschaften suche ich mir nicht nach dem Jack-Russell-Terrier-Prinzip aus, sondern im besten Fall entstehen sie, weil ein anderer Mensch und ich uns etwas zu sagen haben. Manchmal ist dieser Freund dann männlich und schwul. Ich halte die Erscheinung „schwuler Freund“ auch nicht für einen Trend, meine Mutter hatte auch schon schwule beste Freunde. Vielleicht haben wir immer mehr schwule Freunde, weil die Jungs zu ihrem Schwul-Sein stehen? Ich laufe jedenfalls nicht durch die Gegend und stelle meinen schwulen Freund als „meinen schwulen besten Freund“ vor wie meine neueste Errungenschaft aus irgendeinem Shop oder Urlaub. Natürlich hat es gewisse Vorteile gegenüber zwischengeschlechtlichen Hetero-Freundschaften, mit einem schwulen Jungen befreundet zu sein: Die doch häufig irgendwann im Raum schwebende Frage nach Zuneigung und mehr-als-Freundschaft-füreinander-empfinden strengt mich in Freundschaften mit Hetero-Jungs an. Das fällt weg, weil ich weniger Angst haben muss, dass mein schwuler Freund irgendwann die Reize der Weiblichkeit an mir entdeckt und ausprobieren will. So lässt es sich zum Beispiel leichter über Sex reden, aber auch über viele andere Dinge –Liebes- und Alltagsdinge, worüber man eben auch in Mädchen- oder Mädchen-Jungs-Freundschaften redet. Es ist vielleicht einen Tick entspannter als mit Hetero-Jungs. Aber ehrlich gesagt vergleichen wir auch gar nicht so sehr nicht zwischen euch und unseren schwulen Freunden. Mein schwuler Freund ist nicht so super hip und schick angezogen. Wir lackieren uns auch nicht gegenseitig die Fußnägel, während er nonstop Witze erzählt, sondern machen ganz normale Dinge, die man in Freundschaften so macht und die wir auch mit Euch machen. Wenn das gemeinsam ausgehen oder Bier trinken oder kochen manchmal so entspannt wirkt, dann wohl gerade deswegen, weil er mich nicht als Junge beeindrucken will – und ich ihn nicht als Mädchen. Dann können wir eben schon nach einem Bier gemeinsam auf die Tanzfläche hopsen und uns verrenken. Und er kennt mein Bett bisher auch nur als Sitzgelegenheit. Meine Freundschaft mit schwulen Jungs hat also gar nichts damit zu tun, dass ich meine Toleranz gegenüber Minderheiten ausdrücken will. Klar ist es auch spannend, etwas zu erfahren über das Coming-out des Freundes oder wie seine Familie mit seiner Homosexualität umgeht. Aber persönliche Erlebnisse interessieren mich ja bei anderen Freunden auch. Und was die lesbische Freundin in eurem Bett angeht: Warum denn eigentlich nicht? nina-heinrich- Mädchen, dürfen wir euch Kumpel nennen? 11.05.2012
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