07.08.2007 - 19:00 Uhr

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Studentenproteste in Griechenland: Der Berliner Timo B. saß 147 Tage in U-Haft

Text: caroline-vonlowtzow

Seit über einem Jahr finden in Griechenland Studentenproteste für den Erhalt des öffentlichen und kostenlosen Bildungswesens statt. Die Proteste richten sich vor allem gegen Pläne der Regierung, die Verfassung zu ändern und so private Universitäten zuzulassen. Außerdem will die Regierung die Studiendauer begrenzen, um die Zahl der "Dauerstudenten" zu mindern. Bisher beendet nur etwa die Hälfte der Studenten das Studium in Regelstudienzeit, manche verbringen mehr als ein Jahrzehnt an der Uni, ohne einen Abschluss zu erreichen. Auf dem Höhepunkt der Proteste fanden in Athen zeitweise wöchentliche Demonstrationen mit bis zu 20.000 Studenten und Professoren statt, es beteiligten sich hunderttausende Angestellte mit Solidaritätsstreiks, rund 300 von 450 Unis im ganzen Land waren besetzt.

Auch Timo B. aus Berlin beteiligte sich im Februar 2007 an den Studentenprotesten und wurde in Thessaloniki nach einem Studenten-Konzert verhaftet. Nach viereinhalb Monaten Untersuchungshaft, während der er auch zwei Aufstände wegen der
verheerenden Zustände
in den griechischen Gefängnissen miterlebte, wurde er im Juli auf Kaution entlassen.

Die Gruppe Unistreik International vom AStA der Freien Universität Berlin, bei dem sich auch Timo B. engagierte, hat ihren Freund seit seiner Verhaftung unterstützt. Sie mixten bei Festen Cocktails und betrieben den Grillstand, um Geld für Timos Anwalt und das Porto für die vielen Briefe zu sammeln, die sie ihm schrieben. Zudem verschickten sie Pressemitteilungen an Politiker, Gemeinden und Institute in Griechenland und Deutschland.

Nach seiner Entlassung führte Unistreik International ein langes Interview mit Timo über seine 147-tägige Haftzeit, das wir hier in zwei Teilen veröffentlichen.

Teil 1: Die Festnahme und der Alltag in der U-Haft

Am 22. Juni 2006 demonstrieren 150.000 Studenten in Athen und Thessaloniki. Es kommt zu Ausschreitungen, Foto: dpa Die Justiz wirft dir den Besitz und Gebrauch von Molotow-Cocktails sowie Widerstand gegen die Festnahme vor. Deine Anwälte schreiben in einer Einschätzung, dass es keine Beweise dafür gibt. Warst du unschuldig inhaftiert? Timo: Ich bin von MAT-Leuten festgenommen worden. Das ist die Militärpolizei in Griechenland. Die hatten den Auftrag, Auseinandersetzungen mit den Studierenden dadurch zu zerstreuen, dass sie massiv Gewalt anwenden und einzelne Störer festnehmen. Da interessiert erst mal nicht, was die Verhafteten wirklich gemacht haben. Und das ist der normalen Polizei bekannt. Die Beamten von der „Sicherheit“, die sind vergleichbar mit dem Landeskriminalamt in Deutschland, waren deshalb bei den Ermittlungen sehr skeptisch, weil sie schon oft Falschaussagen der Soldaten erlebt haben. Wie war das bei der Festnahme und auf der Polizei-Wache? Hat es einen Unterschied gemacht, dass du Deutscher bist? Die Festnahme war sehr grob. Ich wurde in ein Auto gezerrt und mir wurde mit einem Schlagstock auf die Knie geschlagen. Die Blutergüsse kannst du heute noch bewundern. Außerdem hatte ich Blessuren am Hinterkopf. Neben diesen Schlägen fand ich das Psychoverhör extrem anstrengend. Nach der Festnahme kam ich gleich ins Verhörzimmer, wo ich die nächsten zwölf Stunden verbrachte. Ich verweigerte die Aussage und gab den Leuten zu verstehen, dass ich nicht mit ihnen zusammenarbeiten werde, da sie mich geschlagen hatten. Irgendwann bekam ich einen schlechten Kaffee und es schien, als seien sie mit mir total überfordert. Ich hatte bis dahin noch nicht mal meinen Namen verraten – das hat sie schon gestresst. Wie lief das Verhör ab? Das Verhör war ein Mix aus Englisch und Griechisch, ständiger Wechsel der Beamten in dem Raum, mal Beschimpfungen und Drohungen. Im nächsten Moment dann wieder Kritik an den Soldaten, die mich geschlagen hatten. Sie hatten dann irgendwelche Fotos mit lauter Pfeilen drauf, wo sie meinten mich klar drauf zu erkennen. War natürlich völliger Blödsinn; sollte mich verunsichern und in die Defensive zwingen. Irgendwann rief ein Anwalt in der Wache an und wollte mich sprechen. Er konnte deutsch, erklärte mir in etwa den Vorwurf, meine Rechte und was als nächstes passieren sollte. Charilaos Ladis wurde dann auch mein Verteidiger. Nach seinen Ausführungen nannte ich den Polizisten meinen Namen und wurde in eine Zelle gebracht. Am nächsten Tag wurde ich dem Gericht kurz vorgeführt, die Entscheidung, ob sie mich dabehalten wollten, sollte am nächsten Tag getroffen werden. Auf der nächsten Seite liest du, wie es Timo im 350 Kilometer entfernten Komotini erging.
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