25.07.2007 - 19:00 Uhr

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Studiengebühren in Freiburg: Hochbegabte zahlen weniger

Text: henrik-pfeiffer

Die Uni Freiburg bereichert den Streit um die soziale Gerechtigkeit von Studiengebühren um eine weitere Nuance. Seit dem Sommersemester 2007 besteht an der Hochschule für Studierende die Möglichkeit, die Studiengebühren für die ersten drei Semester auszusetzen, wenn ein Hochbegabtentest oder ein entsprechendes Zertifikat vorliegt. Ein nachgewiesener IQ von mindestens 130 wurde hier als Richtwert festgelegt, eine Bescheinigung des Hochbegabtenvereins Mensa ist ebenfalls gültig. Begrüßenswerte Elitenförderung sagen die einen – unsoziale Hochschulpolitik sagen die anderen. jetzt.de hat die Standpunkte beider Seiten gegenübergestellt

Professor Michael Hartmann ist Professor für Soziologie an der TU Darmstadt und Verfasser der Bücher "Der Mythos von den Leistungseliten" und "Elitesoziologie". "Mit Intelligenztests als Förderkriterium wird das gleiche Problem entstehen, das wir schon jetzt bei den Stipendiaten der großen Stiftungen sehen, die an vielen Hochschulen von den Studiengebühren befreit werden. Jeder zweite Stipendiat in Deutschland bezieht sein Stipendium von der Studienstiftung des deutschen Volkes. Die Vollstipendiaten machen dabei aber nur 15 Prozent aus, über die Hälfte bezieht lediglich Büchergeld, weist also eine höhere soziale Herkunft auf. Das macht klar, welche Mechanismen dieser Elitenbildung zugrunde liegen: Wer aus einem bildungsnahen Milieu stammt, hat zunächst die besseren Schulnoten, dann den besseren Schulabschluss und schneidet auch bei der Vergabe von Stipendien besser ab. Dabei ist jemand mit einem solchen sozialen Hintergrund seltener auf finanzielle Förderung angewiesen, da die Eltern meistens gut verdienende Akademiker sind. Ähnlich wird es sich nun mit den Intelligenztestergebnissen verhalten. In diesen Tests schneiden vor allem diejenigen gut ab, die aus Akademikerhaushalten kommen und entsprechend auf solche Tests vorbereitet sind. Wer aus einem sozial schwächeren Umfeld stammt, wird es ungleich schwerer haben. Deshalb ist der IQ als Förderkriterium ungerecht, denn diejenigen, die eine Förderung aufgrund eines bildungsfernen Hintergrunds und fehlender finanzieller Mittel wirklich benötigen würden, fallen erneut durch das Raster. Mit diesem System werden in erster Linie diejenigen unterstützt, die einer Unterstützung am wenigsten bedürfen. Eine bessere und gerechtere Lösung wäre, die Studierenden anhand sozialer Kriterien von den Studiengebühren zu befreien." Auf der nächsten Seite erklärt Prof. Dr. Volz, Prorektor der Uni Freiburg, warum er die Befreiung von Studiengebühren für Hochbegabte fair findet.
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Henrik Pfeiffer
München