16.07.2007 - 19:00 Uhr

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Coole Masche: Stricken ist das neue Yoga

Text: christina-waechter - Illustrationen: Katharina Bitzl

Stricken ist kein Oma-Kitsch mehr: Zu Besuch bei Victors Handarbeitskreis „Stitch ’n Bitch“

Eine andere Entwicklung hat die DIY-Bewegung ebenfalls zu einem massenwirksamen Trend anwachsen lassen: das Web 2.0. Vor allem in der englischsprachigen Community gibt es unzählige Blogs zum Thema. Und die sind hervorragend mit einander vernetzt. Für Victor ist das nicht weiter verwunderlich: „Menschen, die stricken, sind Sozialwesen, sie müssen kommunizieren.“ Er selbst hat einen zweisprachigen Strick-Blog und zusammen mit seinen Freundinnen Kris und Evangeline von „Stitch ’n Bitch“ vor einigen Wochen den Podcast Knitters Uncensored gegründet. Bisher haben sie schon über 600 Abonnenten.
Victor, Politikstudent und Chef der Strick-Gruppe "Stitch'n Bitch" Über das Internet werden die sozialen Bedürfnisse der neuen Strick-Generation abgedeckt: „Wir schreiben einander und übereinander, zeigen in unseren Blogs, woran wir gerade arbeiten. Wenn einer ein neues Muster entdeckt hat, wird das kurzerhand von anderen einfach nachgestrickt und dann wieder hergezeigt.“ Sogar eine Strick-Olympiade wurde im vergangenen Jahr abgehalten. Die hat die Grande Dame der Strick-Blogger- Szene ins Leben gerufen, Yarn Harlot, kanadische Bloggerin und Buch-Autorin. Gedacht als Scherz, haben am Ende Tausende mitgemacht. Die Regeln waren schlicht: Man konnte planen, aber erst, als das olympische Feuer entzündet wurde, durften die Maschen angeschlagen werden. Die Strick-Blogosphäre gefällt Victor auch deshalb so gut, weil er darüber viele Leute kennen lernt und vor allem von ihrer Hilfsbereitschaft überwältigt ist. „Menschen, die stricken, sind nett. Als ich mich zum Beispiel vor einiger Zeit in meinem Blog darüber beklagt habe, dass ein bestimmtes Magazin ständig ausverkauft war, lag ein paar Wochen später eins in meinem Briefkasten.“ Die Münchner Strickeria Obwohl sich ein Großteil der Handarbeits-Szene im Internet abspielt, sind auch die Mitglieder von „Stitch ’n Bitch“ auf das Angebot von lokalen Händlern angewiesen. Victor bietet Neuankömmlingen seiner Gruppe immer an, mit ihnen zusammen durch die Stadt zu gehen und ihnen zu zeigen, wo man sich mit Wolle, Nadeln und anderen Notwendigkeiten eindecken kann. Aber richtig froh macht ihn das Münchner Angebot nicht. Die wenigen verbliebenen Handarbeitsgeschäfte sind auf die alte, konservative Klientel eingestellt. In Deutschland hat man das Bedürfnis der jungen DIY-Szene noch nicht wahrgenommen. Das zeigt sich vor allem auf dem Zeitschriftenmarkt. „Die deutschen Magazine sind wahnsinnig konservativ. In Amerika dagegen gibt es die extrem modische Vogue Knitting, das einfachere und jugendliche Simple Knit oder die hippe Knit One.“ Das einzige jüngere deutsche Magazin Verena wird voraussichtlich im August eingestellt. Allzu schlimm ist das für die Mitglieder von „Stitch ’n Bitch“ aber nicht, denn die bekommen fast all ihre Anleitungen und Inspirationen aus dem Internet. Auch die Wolle. Denn auch da hinkt Deutschland nach. In Amerika hat sich im Zuge der Indie-Craft-Bewegung eine „Indie-Dyer“-Szene etabliert. Das sind oft Ein-Mann-Betriebe, die ihre Wolle selbst spinnen und färben und in kleinster Stückzahl über das Netz verkaufen. In Deutschland kennt Victor momentan nur eine, die das auch macht: „Wollmeise“, die ihre Knäuel ebenfalls übers Internet verkauft. Mittlerweile gibt es auch eine deutschsprachige Strickgruppe in München, die nach dem Vorbild von „Stitch ’n Bitch“ gegründet wurde: die Münchner Strickeria. Seit einem Jahr treffen sie sich einmal pro Woche in einem Schwabinger Restaurant zum gemeinschaftlichen Handarbeiten. Wer selbst einmal zu einem Treffen einer dieser Gruppen gehen will, dem rät Victor, nichts mitzubringen: „Wir haben immer ein extra Knäuel Wolle und Nadeln dabei, damit die Neuen sich nicht mit den ja doch auch ein bisschen teuren Sachen eindecken, nur um dann festzustellen, dass es ihnen nicht gefällt.“ Foto: shernoh.de Auf der nächsten Seite gibt es eine Anleitung zu Selberstricken
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

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